Mit einer Spannweite von über zwei Metern sind Steinadler eine imposante Erscheinung, die aus dem Alpenraum nicht wegzudenken ist. Fast wären sie hierzulande jedoch nur noch im Geschichtsbuch zu sehen gewesen.
Als Steinadler 1953 unter Artenschutz gestellt wurden, gab es nur noch wenige Brutpaare. Das ist vor allem auf menschliches Wirken zurückzuführen: Die Vögel wurden als Jagdkonkurrenten und Schädlinge betrachtet, sogar Kinderraub wurde ihnen unterstellt.
Steinadler üben auch innerhalb ihrer Art starken Druck aus, sagt David Jenny. Der Biologe erforscht die Steinadler seit Jahrzehnten: «Bereits vor 35 Jahren haben wir festgestellt, dass immer wieder junge Steinadler in Territorien von Brutpaaren eindringen und dort Stress auslösen. Das ist negativ für die Fortpflanzung und ein wichtiger Aspekt der natürlichen Bestandsregulierung.»
Im Alpenraum ist fast die ganze Fläche ausgebucht mit Steinadlerrevieren.
Das Brutpaar verteidigt das eigene Territorium vehement und greift Eindringline an, um sie zu vertreiben. Es kommt zu Luftkämpfen. Trotz des Drucks durch Artgenossen gelang den Steinadlern jedoch eine beeindruckende Kehrtwende. Heute gibt es Schweizweit rund 380 Brutpaare in den Alpen und in Teilen des Jura.
Das hängt eng mit der Erholung anderer Arten zusammen. Parallel zum Steinadler sind die wichtigsten Beutetierbestände angestiegen. Das sind etwa Murmeltiere, junge Gämsen und Steinböcke. «Das hat natürlich geholfen.
Heute kann man sagen: Die Steinadler-Population ist am oberen Limit angekommen», sagt David Jenny. «Im Alpenraum ist fast die ganze Fläche ausgebucht mit Steinadlerrevieren.»
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Steinadler leben wie Geier
Steinadler können bis zu fünf Kilo schwer werden und sind ausgezeichnete Segler. Beim Fliegen zeigen sie ein typisches Manöver, den sogenannten Girlandenflug. Dabei fliegen die Vögel wellenförmig: Sie fliegen hoch und tauchen danach wieder ab, bis zu 30 Mal. «Das zu beobachten, ist für mich heute noch atemberaubend», sagt David Jenny.
Der Girlandenflug habe zwei Funktionen: Balzverhalten und Rivalität. Oftmals führen Steinadler den Girlandenflug entlang ihrer Reviergrenze aus, um ihr Territorium zu markieren.
Von dieser Spezialität abgesehen sind die Adler dem noch grösseren Bartgeier aber sehr ähnlich, sagt David Jenny: «Sie sind gute Aas-Fresser und leben zu einem grossen Teil geier-artig».
Keine Vogelfreiheit fürs WEF
Die Sterberisiken für Steinadler und Bartgeier haben sich verglichen mit den letzten Jahrhunderten verändert. Nur in seltenen Fällen werden sie noch illegal abgeschossen. Aber es kommt zu Kollisionen mit Hochspannungsleitungen oder Windkraftanlagen. Manche Tiere sterben durch Vergiftung.
Wegen des WEF mussten wir intervenieren, damit die Helikopter nicht im Bereich der Brutplätze herumfliegen.
Auch Störungen an den Brutplätzen spielen eine grosse Rolle. Normalerweise durch Freizeitaktivitäten von Menschen. «Aber gerade jetzt mussten wir wegen dem WEF durch die Wildhut intervenieren, damit die Helikopter nicht im Bereich der Brutplätze herumfliegen. Die Bartgeier brüten jetzt schon – beim Steinadler dauert es noch zwei Monate», sagt Jenny.
So hat sich das Blatt gewendet. Früher wurden die grossen Greifvögel in der Schweiz behördlich gejagt. Heute müssen Staats- und Regierungschefs Rücksicht nehmen.