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Einst fast ausgerottet Für Schweizer Greifvögel müssen WEF-Helis Umwege fliegen

Steinadler und andere Raubvögel wurden bis ins 20. Jahrhundert abgeschossen. Heute ist das Bild ein völlig anderes: Steinadler und Bartgeier sind verbreitet und streng geschützt. Sogar die WEF-Helis müssen Umwege fliegen.

Mit einer Spannweite von über zwei Metern sind Steinadler eine imposante Erscheinung, die aus dem Alpenraum nicht wegzudenken ist. Fast wären sie hierzulande jedoch nur noch im Geschichtsbuch zu sehen gewesen.

Als Steinadler 1953 unter Artenschutz gestellt wurden, gab es nur noch wenige Brutpaare. Das ist vor allem auf menschliches Wirken zurückzuführen: Die Vögel wurden als Jagdkonkurrenten und Schädlinge betrachtet, sogar Kinderraub wurde ihnen unterstellt.

Eine Frau und ein Mann haben zwischen sich einen jungen Steinadler. Die Frau liest auf einem Messgerät etwas ab.
Legende: David Jenny und eine Kollegin bei der Vermessung eines jungen Steinadlers. keystone

Steinadler üben auch innerhalb ihrer Art starken Druck aus, sagt David Jenny. Der Biologe erforscht die Steinadler seit Jahrzehnten: «Bereits vor 35 Jahren haben wir festgestellt, dass immer wieder junge Steinadler in Territorien von Brutpaaren eindringen und dort Stress auslösen. Das ist negativ für die Fortpflanzung und ein wichtiger Aspekt der natürlichen Bestandsregulierung.»

Im Alpenraum ist fast die ganze Fläche ausgebucht mit Steinadlerrevieren.
Autor: David Jenny Biologe

Das Brutpaar verteidigt das eigene Territorium vehement und greift Eindringline an, um sie zu vertreiben. Es kommt zu Luftkämpfen. Trotz des Drucks durch Artgenossen gelang den Steinadlern jedoch eine beeindruckende Kehrtwende. Heute gibt es Schweizweit rund 380 Brutpaare in den Alpen und in Teilen des Jura.

Das hängt eng mit der Erholung anderer Arten zusammen. Parallel zum Steinadler sind die wichtigsten Beutetierbestände angestiegen. Das sind etwa Murmeltiere, junge Gämsen und Steinböcke. «Das hat natürlich geholfen.

Heute kann man sagen: Die Steinadler-Population ist am oberen Limit angekommen», sagt David Jenny. «Im Alpenraum ist fast die ganze Fläche ausgebucht mit Steinadlerrevieren.»

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Steinadler leben wie Geier

Steinadler können bis zu fünf Kilo schwer werden und sind ausgezeichnete Segler. Beim Fliegen zeigen sie ein typisches Manöver, den sogenannten Girlandenflug. Dabei fliegen die Vögel wellenförmig: Sie fliegen hoch und tauchen danach wieder ab, bis zu 30 Mal. «Das zu beobachten, ist für mich heute noch atemberaubend», sagt David Jenny.

Der Girlandenflug habe zwei Funktionen: Balzverhalten und Rivalität. Oftmals führen Steinadler den Girlandenflug entlang ihrer Reviergrenze aus, um ihr Territorium zu markieren.

Von dieser Spezialität abgesehen sind die Adler dem noch grösseren Bartgeier aber sehr ähnlich, sagt David Jenny: «Sie sind gute Aas-Fresser und leben zu einem grossen Teil geier-artig».

Ein Bartgeier steht mit wachsamem Blick auf auf Wiese.
Legende: Ein Bartgeier im Tierpark Goldau. im Gegensatz zum Steinadler wurde der Bartgeier in der Schweiz ausgerottet, konnte jedoch wieder angesiedelt werden. Heute wächst die Population des grössten heimischen Vogels. Er erreicht eine Flügelspannweite von bis zu drei Metern. keystone

Keine Vogelfreiheit fürs WEF

Die Sterberisiken für Steinadler und Bartgeier haben sich verglichen mit den letzten Jahrhunderten verändert. Nur in seltenen Fällen werden sie noch illegal abgeschossen. Aber es kommt zu Kollisionen mit Hochspannungsleitungen oder Windkraftanlagen. Manche Tiere sterben durch Vergiftung.

Wegen des WEF mussten wir intervenieren, damit die Helikopter nicht im Bereich der Brutplätze herumfliegen.
Autor: David Jenny Biologe

Auch Störungen an den Brutplätzen spielen eine grosse Rolle. Normalerweise durch Freizeitaktivitäten von Menschen. «Aber gerade jetzt mussten wir wegen dem WEF durch die Wildhut intervenieren, damit die Helikopter nicht im Bereich der Brutplätze herumfliegen. Die Bartgeier brüten jetzt schon – beim Steinadler dauert es noch zwei Monate», sagt Jenny.

So hat sich das Blatt gewendet. Früher wurden die grossen Greifvögel in der Schweiz behördlich gejagt. Heute müssen Staats- und Regierungschefs Rücksicht nehmen.

Hubschrauber fliegt über bewaldete Berglandschaft.
Legende: Ein Helikopter bringt den US-Präsidenten Donald Trump vom Flughafen Zürich nach Davos. Auf die Brutplätze von Schweizer Greifvögeln müssen auch sie Rücksicht nehmen. Keystone/AP Photo/Evan Vucci

SRF 1, Morgengast, 21.1.2026, 7:15 Uhr ; 

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