Noch vor wenigen Jahrzehnten war der Luchs in der Schweiz nahezu verschwunden. Heute haben sich die scheuen Raubkatzen wieder in den Alpen und im Jura ausgebreitet: Geschätzt leben rund 360 erwachsene Tiere im Land – die grösste Population des Alpenraums.
Die Rückkehr des Luchses gilt als Erfolgsgeschichte des Schweizer Artenschutzes. Mit dem «Tag des Luchses» machen Naturschutzorganisationen auf die gelungene Wiederansiedlung aufmerksam. Gleichzeitig betont Fabian Haas, Geschäftsleiter des WWF Uri: «Dieser Erfolg ist fragil.»
Viele Luchse kommen im Verkehr um
Wie fragil der Bestand in der Schweiz tatsächlich ist, zeigt eine aktuelle Analyse. Forschende untersuchten alle frei lebenden Eurasischen Luchse, die dem Institut für Fisch- und Wildtiergesundheit in der Schweiz zwischen 2000 bis 2022 übergeben wurden.
Die Analyse gibt Aufschluss über die Krankheits- und Todesursachen der Wildkatzen. Und sie zeigt: Die grösste Gefahr für die Luchse stellt der Verkehr dar. Auch Wilderei ist ein Problem, hier dürfte die Dunkelziffer hoch sein.
Eine Lösung gegen die vielen Verkehrsunfälle könnten laut dem WWF-Vertreter Wildtierkorridore und Autobahnübergänge sein. «Der Luchs braucht die Möglichkeit für weite Wanderungen und für Wanderungen in seiner direkten Umgebung», sagt Haas.
Inzucht ist bei Schweizer Luchsen ein Problem
Dieser fragmentierte Lebensraum hat auch Auswirkungen auf die Gesundheit der Tiere. «Die Population ist genetisch verarmt», sagt der Tierschützer. Dadurch steigt das Risiko für Inzucht. «Das heisst, die Tiere sind enger miteinander verwandt und werden dadurch immer anfälliger für Krankheiten.»
In einer aktuellen Studie stellten Forschende bei mehreren Luchsen eine seltene Fehlbildung des Herzens fest. Dieser Herzfehler könne laut den Forschenden eine Folge der geringen genetischen Vielfalt innerhalb der Schweizer Luchspopulation sein.
Der Luchs spielt eine Schlüsselrolle im Schweizer Ökosystem.
Wildtierbehörden siedeln deshalb gezielt Luchse aus anderen Populationen um oder setzen Luchse aus dem Ausland in der Schweiz aus. Ziel ist laut dem WWF-Vertreter, dass «frisches Blut in die Population kommt, um die genetische Vielfalt zu stärken».
Die Jagdverordnung (JSV) bietet mit Art. 8 Abs. 2 die Möglichkeit, dass Tiere geschützter Arten, die in ihrem Bestand bedroht sind, ausgesetzt werden, sofern ein genügend grosser Lebensraum vorhanden ist.
Schweiz hat eine besondere Verantwortung
Der Schweiz kommt beim Schutz der heimischen Wildkatze eine Schlüsselrolle zu: Geografisch liegt sie zwischen den Luchspopulationen in den Alpen und im Jura und jenen Gebieten in Europa, die weniger vom Luchs besiedelt sind.
Das Verschwinden des Luchses hätte Folgen für unsere Umwelt: «Der Luchs spielt eine Schlüsselrolle im Schweizer Ökosystem. Er beeinflusst den Wildbestand und stärkt damit die Stabilität unserer Wälder», heisst es in der Medienmitteilung des WWF.
Nimmt die Luchspopulation ab, würde es mehr Wildtiere geben und die Artenvielfalt würde sinken. Somit wären mehr menschliche Eingriffe ins Ökosystem nötig.
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Bild 1 von 2. Jeder Luchs hat ein eigenes Fleckenmuster, das ihn von allen anderen Luchsen unterscheidet. Bildquelle: Ola Jennersten.
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Bild 2 von 2. Einzelgänger mit grossem Revier: Ein männlicher Luchs kann eine Fläche von bis zu 400 Quadratkilometern beanspruchen – fast so viel wie die Kantone Appenzell Ausser- und Innerrhoden zusammen. Bildquelle: Mauritius Images/Stanislav Duben/Alamy Stock Photos.
Damit die Rückkehr des Luchses eine Erfolgsgeschichte bleibt, sind sich Bund und Fachpersonen einig: Mit vernetzten Lebensräumen, gezielten Aussetzungen zur genetischen Stärkung, internationaler Zusammenarbeit und konsequentem wissenschaftlichem Monitoring möchten Bund und Tierschutzorganisationen den Luchsbestand in der Schweiz stabilisieren.