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Fachleute warnen Der Luchs geht um – aber wie lange noch?

In der Schweiz lebt die grösste Luchspopulation des Alpenraums. Doch Fachleute warnen: Ihr langfristiges Überleben ist unsicher.

Noch vor wenigen Jahrzehnten war der Luchs in der Schweiz nahezu verschwunden. Heute haben sich die scheuen Raubkatzen wieder in den Alpen und im Jura ausgebreitet: Geschätzt leben rund 360 erwachsene Tiere im Land – die grösste Population des Alpenraums.

Karte der Schweiz mit Pfotenabdruck-Symbolen in verschiedenen Farben, die verschiedene Zeiträume darstellen.
Legende: Die Karte zeigt, wie sich der Eurasische Luchs seit den ersten Wiederansiedlungen 1971 in der Schweiz ausgebreitet hat. BAFU/OFEV/UFAM

Die Rückkehr des Luchses gilt als Erfolgsgeschichte des Schweizer Artenschutzes. Mit dem «Tag des Luchses» machen Naturschutzorganisationen auf die gelungene Wiederansiedlung aufmerksam. Gleichzeitig betont Fabian Haas, Geschäftsleiter des WWF Uri: «Dieser Erfolg ist fragil.»

Viele Luchse kommen im Verkehr um

Wie fragil der Bestand in der Schweiz tatsächlich ist, zeigt eine aktuelle Analyse. Forschende untersuchten alle frei lebenden Eurasischen Luchse, die dem Institut für Fisch- und Wildtiergesundheit in der Schweiz zwischen 2000 bis 2022 übergeben wurden.

Die Analyse gibt Aufschluss über die Krankheits- und Todesursachen der Wildkatzen. Und sie zeigt: Die grösste Gefahr für die Luchse stellt der Verkehr dar. Auch Wilderei ist ein Problem, hier dürfte die Dunkelziffer hoch sein.

Luchs in einem Waldgebiet neben einem Baumstamm.
Legende: Zwischen 2001 und 2008 setzte man zwölf Luchse aus dem Schweizer Jura und den Schweizer Alpen in der Nordostschweiz aus, um die Art dort wiederanzusiedeln. Mauritius Images/Clement Philippe/Arterra Picture/Alamy

Eine Lösung gegen die vielen Verkehrsunfälle könnten laut dem WWF-Vertreter Wildtierkorridore und Autobahnübergänge sein. «Der Luchs braucht die Möglichkeit für weite Wanderungen und für Wanderungen in seiner direkten Umgebung», sagt Haas.

Inzucht ist bei Schweizer Luchsen ein Problem

Dieser fragmentierte Lebensraum hat auch Auswirkungen auf die Gesundheit der Tiere. «Die Population ist genetisch verarmt», sagt der Tierschützer. Dadurch steigt das Risiko für Inzucht. «Das heisst, die Tiere sind enger miteinander verwandt und werden dadurch immer anfälliger für Krankheiten.»

In einer aktuellen Studie stellten Forschende bei mehreren Luchsen eine seltene Fehlbildung des Herzens fest. Dieser Herzfehler könne laut den Forschenden eine Folge der geringen genetischen Vielfalt innerhalb der Schweizer Luchspopulation sein.

Der Luchs spielt eine Schlüsselrolle im Schweizer Ökosystem.
Autor: WWF Schweiz

Wildtierbehörden siedeln deshalb gezielt Luchse aus anderen Populationen um oder setzen Luchse aus dem Ausland in der Schweiz aus. Ziel ist laut dem WWF-Vertreter, dass «frisches Blut in die Population kommt, um die genetische Vielfalt zu stärken».

Die Jagdverordnung (JSV) bietet mit Art. 8 Abs. 2 die Möglichkeit, dass Tiere geschützter Arten, die in ihrem Bestand bedroht sind, ausgesetzt werden, sofern ein genügend grosser Lebensraum vorhanden ist.

Schweiz hat eine besondere Verantwortung

Der Schweiz kommt beim Schutz der heimischen Wildkatze eine Schlüsselrolle zu: Geografisch liegt sie zwischen den Luchspopulationen in den Alpen und im Jura und jenen Gebieten in Europa, die weniger vom Luchs besiedelt sind.

Junges Wildtier springt auf einem mit Moos bedeckten Baumstamm im Wald.
Legende: Ein Jungtier erkundet den Wald: Eine Luchsin bringt zwei bis fünf Jungtiere zur Welt. Mauritius Images/Stanislav Duben/Alamy Stock Photos

Das Verschwinden des Luchses hätte Folgen für unsere Umwelt: «Der Luchs spielt eine Schlüsselrolle im Schweizer Ökosystem. Er beeinflusst den Wildbestand und stärkt damit die Stabilität unserer Wälder», heisst es in der Medienmitteilung des WWF.

Die Geschichte des Luchses in der Schweiz

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Der Eurasische Luchs war in der Schweiz im 19. Jahrhundert nahezu ausgestorben. Gründe waren die intensive Bejagung, der Lebensraumverlust und der Rückgang der Beutetiere.

1962 setzte die Schweiz den Luchs unter Schutz. Um die Art wiederanzusiedeln, liess man in den 1970ern Luchse aus den slowakischen Karpaten in der Schweiz frei.

Heute ist der Luchs durch das Schweizer Jagdgesetz geschützt: Abschüsse sind nur in Ausnahmefällen erlaubt.

Nimmt die Luchspopulation ab, würde es mehr Wildtiere geben und die Artenvielfalt würde sinken. Somit wären mehr menschliche Eingriffe ins Ökosystem nötig.

Damit die Rückkehr des Luchses eine Erfolgsgeschichte bleibt, sind sich Bund und Fachpersonen einig: Mit vernetzten Lebensräumen, gezielten Aussetzungen zur genetischen Stärkung, internationaler Zusammenarbeit und konsequentem wissenschaftlichem Monitoring möchten Bund und Tierschutzorganisationen den Luchsbestand in der Schweiz stabilisieren.

Radio SRF 4, Echo der Zeit, 19.6.2026, 18:00 Uhr

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