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Das Funiculaire von Freiburg – ein Unikat – Abwasser als Antrieb
Aus Audio SRF 1 vom 20.09.2022. Bild: Keystone / Aline Staub
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Meilensteine des Seilbahnbaus Wie gut kennen Sie die Schweizer Seilbahnen?

Von der Schwebebahn bis zum futuristischen Seilbahntaxi. Pioniergeist prägte die Entwicklung der Schweizer Seilbahnen.

Die Schweiz wird nicht ohne Grund als Seilbahn-Nation bezeichnet. 2427 Seilbahnen sind aktuell in Betrieb. Logisch, könnte man beim Anblick der Schweizer Topografie denken. Doch beliebte und gut frequentierte Seilbahnen findet man nicht nur im Berggebiet, sondern auch in den Städten und unter dem Boden.

2024: Das erste «Rope-Taxi» der Alpen

Flims: Stellen Sie sich vor, Sie besteigen eine Gondel und können auswählen, auf welchen Berg diese fahren soll. In Flims soll dies schon bald möglich sein. Der «Flem Xpress», der ab der Saison 2024/25 in Betrieb sein soll, wird mehre Bergstationen ansteuern. Und: Die Gondeln werden nur dort anhalten, wo dies gewünscht wird.

Das System sei vergleichbar mit einem Lift in einem Hochhaus, erklärt Roland Bartholet, der mit seinem Seilbahnunternehmen das Projekt umsetzt, ausser dass es bei der Bündner Seilbahn auch noch Weichen gibt. Denn je nach angewählter Zieldestination wird sich die Seilbahn bei der Mittelstation Segnes auf ein anderes Seil einkuppeln und dann entweder nach Cassons oder Nagens fahren.

Wir sparen 50 Prozent der Energie- und 70 Prozent der Unterhaltskosten.
Autor: Roland Bartholet CEO Bartholet Seilbahnen

Dies ist die eine futuristisch anmutende Neuerung. Die Zweite: Die Gondeln werden nur fahren, wenn auch mindestens eine Person darin sitzt. Warum? «In 90 Prozent der Kabinen herkömmlicher Systeme sitzt kein Mensch», erklärt Bartholet. Diese Neuerung habe spürbare Auswirkungen auf die Energiebilanz. Dank des neuen Systems ohne fixe Gondeln am Seil könne man 50 Prozent Energie- und 70 Prozent Unterhaltskosten einsparen.

Meilensteine der Seilbahngeschichte

Die Seilbahn in Flims ist eines der aktuellsten Kapitel in der langen und vom Pioniergeist geprägten Geschichte des Seilbahnlandes Schweiz. Diese begann vor über 150 Jahren, aber nicht etwa in den Bergen, sondern ganz im Norden, im Flachland, bei Schaffhausen.

1866: Die erste Personenseilbahn

Neuhausen am Rheinfall: Ohne es zu wissen, schrieben zwei Angestellte der Wasserwerke Schaffhausen Verkehrsgeschichte: Sie bestiegen die erste eindeutig nachweisbare Seilschwebebahn, um zur Arbeit über den Rhein zu kommen. Die Turbinenstation befand sich mitten im Fluss und war nicht anders zu erreichen. In Europa war es die erste Seilbahn dieser Art, vielleicht sogar die erste der Welt.

älteste Seilbahn der Schweiz
Legende: Die erste Seilbahn transportierte die Angestellten der Wasserwerke über den Rhein. Stadtarchiv Schaffhausen

1877: Die erste Standseilbahn der Schweiz

Lausanne: Die Schweiz erhielt ihr erstes innerstädtisches Transportsystem in Form einer Drahtseilbahn. Die Anlage verbindet das Zentrum von Lausanne mit dem Stadtteil Ouchy am Ufer des Genfersees. 1958 wurde sie in eine Zahnradbahn umgebaut und ist heute Bestandteil der Lausanner Metro.

Drahtseilbahn Lausanne
Legende: 1879 verband die erste Drahtseilbahn der Schweiz das Zentrum von Lausanne mit dem Stadtteil Ouchy am Genfersee. notrehistoire.ch

1879: Die erste rein touristische Seilbahn

Giessbach: Das Hotel Giessbach thront wie ein Märchenschloss aus der Belle Epoque über dem Brienzersee. Um die Hotelgäste zum Hotel zu chauffieren, erfand Bergbahnpionier Roman Abt die erste rein touristische Seilbahnanlage der Schweiz. Sie ist heute noch in Betrieb. Einzigartig war damals vor allem, dass bei der Bahn eine eingleisige Strecke mit einer automatischen Kreuzungsstelle zur Anwendung kam. Sie war damals die erste Bahn, die mit Wasserballast angetrieben wurde. Seit 1948 läuft sie elektrisch.

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Heute vor 137 Jahren: Giessbach-Bahn wird eröffnet
aus Tageschronik vom 21.07.2016. Bild: zvg
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1908: Die erste öffentliche Luftseilbahn,

Wetterhorn Grindelwald: Ab in die Luft: Mit der Wetterhornbahn setzte die Schweiz den Grundstein für die Entwicklung der Luftseilbahn – weltweit. Ihr Vater war zwar kein Schweizer, sondern der Kölner Wilhem Feldmann. Bereits 1914 wurde die Bahn kriegsbedingt wieder eingestellt. Die Fahrten wurden nie mehr aufgenommen. 1934 wurde der Lift demontiert. Immerhin: Im Verkehrshaus Luzern steht heute eine der beiden Kabinen.

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Aus dem Archiv: Der Bau der Wetterhornbahn
Aus News-Clip vom 11.08.2017.
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1926: Die steilste (Stand-)Seilbahn Europas

Gelmerbahn / Stoos / Schilthorn: Früher eine Werkbahn für den Bau einer Staumauer, erfreut sich die Gelmerbahn heute als Personenbahn grosser Beliebtheit. Mit 106 Prozent Steigung bietet sie Nervenkitzel pur und wurde auch schon als «the most scenic roller coaster» betitelt. 2017 wurde ihr Rekord jedoch abgelöst. Die Stoosbahn überwindet eine maximale Steigung von 110 Prozent.

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2001: Eröffnung der Gelmerbahn
Aus News-Clip vom 11.08.2017.
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Und die steilste Luftseilbahn? Die befindet sich zurzeit noch in Norwegen. Aber nicht mehr lange. Die neue Bahn in Richtung Schilthorn wird zwischen Stechelberg und Mürren eine Steigung von fast 160 Prozent überwinden.

1934: Der erste Bügellift der Welt

Davos: «Ufschlüsse, Kollege, ufschlüsse!», hiess es in den Dreissigerjahren auf dem Übungsgelände Bolgen in Davos. Der Skisport wurde massentauglich, die Leute wollten «z'Berg». Ski- und Sessellifte erlebten einen Boom. Der erste Skilift überhaupt stand 37 Jahre im Einsatz, bis er durch eine neue Anlage ersetzt wurde.

Bolgenlift Davos.
Legende: Der erste Bügellift der Welt nahm 1934 am Bolgenhang seinen Betrieb auf. Keystone

1995: Der erste Doppelstockbahn

Samnaun: Mit dem Zweiten Weltkrieg fand der Seilbahnbau ein jähes Ende. Wieder von der Wirtschaftskrise erholt, erlebten besonders die Sessel- und Gondelbahnen bis in die 1970er-Jahre Hochkonjunktur. 1995 kam die nächste Weltneuheit: In Samnaun wurde der erste «Twinliner» mit doppelstöckigen Kabinen in Betrieb genommen. Mit einer Kapazität von 180 Personen hält er den Schweizer Rekord.

Samnaun Gondel.
Legende: Seit 1995 verkehren auf der Luftseilbahn zur Alp Trida in Samnaun die ersten Doppelstock-Gondeln. Keystone

2001: Eine neue innerstädtische Standseilbahn

Neuenburg: Während bis zur Jahrtausendwende rotierende Gondeln, Windschutzhauben und komfortable Achtersessel erfunden wurden, kam mit der «Fun'ambule» endlich wieder eine innerstädtische Standseilbahn dazu. Die Bahn wurde im Hinblick auf die Expo 2002 gebaut, hat eine Förderleistung von 3000 Personen pro Stunde und verkehrt unbedient und ferngesteuert.

Neuenburg Standseilbahn.
Legende: Die Fun'ambule wurde in Neuenburg für die Expo 2002 gebaut. Keystone

2012: Die erste «CabriO-Bahn»

Stanserhorn: Wieder eine Weltpremiere: Zum ersten Mal gleitet eine oben offene, doppelstöckige Seilbahnkabine am Stanserhorn den Berg hinauf. Das Panorama-Deck auf der «CabriO-Bahn» hat Platz für mehr als 30 Personen.

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«Einstein» Spezial: Seilbahn-Boom von Stans bis Rio
Aus Einstein vom 28.06.2012.
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2014: Die schnellste Seilbahn der Schweiz

Arosa/Lenzerheide: Ein futuristisches Projekt und zugleich die schnellste Pendelbahn der Schweiz ist die Urdenbahn. Mit einer Geschwindigkeit von 12 Metern pro Sekunde schwebt die stützenfreie Luftseilbahn durch die Höhen und verbindet so die beiden benachbarten Skigebiete Arosa und Lenzerheide.

Arosa Lenzerheide Seilbahn
Legende: 150 Skifahrer finden in der Urdenbahn Platz, in 3:54 Minuten ist man im benachbarten Skigebiet. Keystone

(Dieser Artikel erschien 2017 in einer ersten Fassung. 2022 wurde er ergänzt.)

Radio SRF 1, Outdoor-Reporter, 20.9.2022, 16:40 Uhr

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