Was haben die Dörfer Schwellbrunn (AR), Mumpf (AG) und Giffers (FR) mit dem Campingplatz Sempach gemein? Sie alle zählen rund 1500 Einwohner. Letzterer allerdings ist nur ein Dorf auf Zeit. Jetzt, in der Hochsaison.
«Hier ist man per Du», sagt Rolf Kälin, der Leiter des Campingplatzes. Wie jeden Morgen hat er auch heute seinen ersten Kaffee am See getrunken und beim Vorbeigehen die Gäste gegrüsst.
Es ist ein Sehen und Gesehenwerden. «In unserem Strässchen kennen wir alle. Da gibt es Kindergärtner, da gibt es einen Pfarrer – die ganze Bandbreite.» Wie im Dorf eben. Erzählen tut dies Urs Niggli. Für ihn und seine Frau Denise ist der Campingplatz seit zehn Jahren ein zweites Daheim.
Ihr erstes, das liegt nur 30 Minuten entfernt. «Aber wenn es mal schlecht Wetter ist, sind wir rasch zu Hause. Wir sind aber auch rasch wieder hier», sagt Denise. «Es ist so schön hier. Der Sonnenuntergang, der Hit!»
Mit ihrem Wohnwagen gehören sie gewissermassen zum Inventar. Sie gönnen sich einen gewissen Komfort: Holzboden, Gefriertruhe und ein richtiges Bett. «Am Boden schlafen im Zelt? Nein, das ist nichts mehr für uns.» Wie lange wollen sie noch auf dem Campingplatz bleiben? «Wenn es die Gesundheit zulässt, bis wir 100 Jahre alt sind.» Urs lacht. Die Nigglis, sie haben ihren Platz gefunden.
Für andere sind es Ferien auf Probe. Susanne Anliker und Walter Schlegel sind mit ihren Enkelinnen hier. Für die fünfjährige Zoé ist es eine Premiere. Zur Sicherheit hätten sie einen Zeltplatz in der Nähe gewählt. Es scheint aber, trotz Gewitter anfangs Woche, alles zu klappen. «Am tollsten finde ich es, Freundinnen zu finden», sagt Zoés grössere Schwester Emilie.
Sie übernachten mit den Grosseltern im VW-Bus und in einem Igluzelt. Was für ein Typ Mensch muss man hierfür sein? «Man sollte gerne draussen sein, nicht zu grosse Ansprüche haben und auch mal improvisieren können», so Susanne. Doch das mit den Ansprüchen, es ist so ein Ding.
Immer mehr Gäste reisen ohne eigenen Camper oder Zelt an. «Der Trend geht in Richtung Glamping», sagt Rolf Kälin. Sie hätten immer mehr Mietunterkünfte. Hier wolle man auch weiter investieren. Eine zweite Entwicklung: Die Parzellen der Touristenplätze werden grösser. «Die Leute wollen mehr Privatsphäre.»
Alle Gäste des Campingplatzes erhalten bei der Ankunft eine Broschüre mit Verhaltensregeln. Für die Herrchen und Frauchen der schätzungsweise 150 Hunde gibt es einen «Hunde-Knigge». Bei so vielen Menschen auf engem Raum brauche es das.
Es ist auch schon zu Platzverweisen gekommen.
Rolf Kälin schaut, dass die Spielregeln eingehalten werden. «Wie im Fussball. Ich bin quasi der Schiedsrichter auf dem Platz.» Einer, der auch mal die Karte zückt? «Es ist auch schon zu Platzverweisen gekommen. Wenn Leute mehrfach die Nachtruhe nicht einhalten, muss man leider durchgreifen. Das passiert aber kaum.» Diese Saison gab es erst eine rote Karte.
Meist sei es aber friedlich und ruhig. Ausser vielleicht im Animationsbereich. Hüpfburg, Märlizelt, Minidisco, Bogenschiessen, Fussball oder gar Motocross-Rennen. Das Angebot des Campingplatzes geht weit über das Übernachten hinaus. Urs Kälin ist auch Freizeitmanager. «Drei Mitarbeiter sind nur für die Animation angestellt. Jedes Jahr bauen wir das Angebot für Kinder aus.»
Aber braucht es das wirklich? «Es bringt uns viele Familien und die Kinder möchten immer zurückkommen», so Kälin. Vielleicht auch die kleine Zoé. Doch auf die Frage, was ihr denn am besten gefalle hier, sagt sie: «Es hat hier so viel Himmel.»