An der Rezeption des Campings Riverside in Reckingen im Goms herrscht Hochbetrieb. Im Minutentakt fahren Campingbusse und Autos mit Wohnwagen vor. Campingplatzbesitzer Pim Beijen hat alle Hände voll zu tun.
Im Vergleich zum Vorjahr zählt er derzeit rund 20 Prozent mehr Gäste. «Ich will nicht klagen», sagt er.
Im März dieses Jahres sah die Situation noch ganz anders aus: Damals mussten 13 Walliser Campingplätze auf Anordnung des Kantons wegen möglicher Naturgefahren wie Überschwemmungen, Steinschlag oder Lawinen per sofort schliessen.
Für viele Betreiber kam dieser Entscheid überraschend – und war nicht nachvollziehbar. Auch der Camping Riverside von Pim Beijen war betroffen.
Gerhard Kiechler, Präsident der Gemeinde Goms, hat sich damals darum bemüht, die Schliessungen rückgängig zu machen. Allein auf seinem Gemeindegebiet waren drei Campingplätze betroffen. «Wir haben eine Verwaltungsbeschwerde gemacht und mit Ingenieurbüros geprüft, welche Massnahmen wir treffen könnten.»
Grünes Licht für den Hochwasserschutz
Bereits 2020 hatte die kantonale Dienststelle für Naturgefahren die Gemeinde per Brief darauf hingewiesen, dass die Campingplätze gefährdet seien. «Wir hatten damals bereits ein Hochwasserschutzprojekt für Reckingen aufgegleist und warteten nur noch auf die Bewilligung des Kantons», sagt Kiechler. Umso bitterer sei es gewesen, als der Kanton dennoch die sofortige Schliessung verfügte.
Im Moment gibt es keine Einschränkungen. Alles ist wie vorher.
Letztlich nahm die Geschichte jedoch eine gute Wendung: Der Kanton gab grünes Licht für das bereits geplante Hochwasserschutzprojekt beim Campingplatz in Reckingen. Pünktlich zum Saisonstart durfte der Platz wieder öffnen. «Im Moment gibt es keine Einschränkungen. Alles ist wie vorher.»
Schliessung ohne gravierende Folgen
Die Gäste sind erleichtert. Ein Paar aus Ried-Brig verbringt seit vielen Jahren seine Ferien in Reckingen. Von der Schliessung erfuhr es im März aus den Medien. «Wir waren schockiert. Das kann doch nicht sein, dachten wir.» Andere Gäste waren überzeugt, dass der Campingplatz bald wieder öffnen würde. «Dieser Entscheid war fehl am Platz.»
Angst vor Naturgefahren hat auf dem Campingplatz derzeit kaum jemand, wie eine kleine Umfrage zeigt. Dabei wächst das Risiko von Steinschlag und Murgängen im Alpenraum mit der fortschreitenden Klimaerwärmung.
Für Campingplatzbesitzer Pim Beijen ist klar: Er ist mit einem blauen Auge davongekommen. Die kurzfristige Schliessung habe keine gravierenden Folgen gehabt. Ein bitterer Nachgeschmack bleibe dennoch. «Hätte die kantonale Baukommission schneller reagiert, wäre es gar nie so weit gekommen.» Die nötigen Schutzmassnahmen hätten rechtzeitig umgesetzt werden können – ohne die zwischenzeitliche Schliessung.
Jetzt blickt Pim Beijen positiv nach vorn, schliesslich hat die Sommersaison gerade erst begonnen.