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Sauber, aber bald trocken? Dem Vierwaldstättersee geht langsam das Wasser aus

Die Wasserqualität im viertgrössten Schweizer See ist hervorragend. Doch die anhaltende Trockenheit setzt auch dem Vierwaldstättersee massiv zu. Ein Gewässerphysiker über die Herausforderungen.

Der Vierwaldstättersee gilt als ökologischer Musterschüler. Im Vergleich zu anderen Schweizer Seen weist er eine hervorragende Wasserqualität auf.

Drei Personen machen Sprünge ins Wasser vor einer Bergkulisse.
Legende: Dem Sprung in den Vierwaldstättersee steht nichts im Weg: Die Wasserqualität ist im Vergleich zu anderen Schweizer Seen hervorragend. Keystone / Urs Flueeler

«Der Vierwaldstättersee hat ein grosses Einzugsgebiet, das noch in einem ziemlich natürlichen Zustand ist», erklärt Alfred Johny Wüest, Professor für aquatische Physik am Eawag, einem der weltweit führenden Wasser­forschungs­institute.

Den Schweizer Seen geht es gut

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Innenansicht einer Wasseraufbereitungsanlage mit mehreren Becken.
Legende: Kläranlagen reinigen das Abwasser von Dreck, Schadstoffen und überschüssigen Nährstoffen. Keystone / Laurent Gillieron

Die Wasserqualität im Vierwaldstättersee ist Teil einer nationalen Entwicklung: In den letzten Jahrzehnten hat sich der Zustand der Schweizer Seen generell positiv verändert. «Das ist das Resultat davon, dass man in den 1960er- und 70er-Jahren in der Schweiz flächendeckend Kläranlagen gebaut und das Siedlungsabwasser gereinigt hat», erklärt Alfred Johny Wüest.

So bewege sich der Phosphorgehalt der Seen heute in einem guten bis sehr guten Rahmen. Selbst in den ganz grossen Gewässern wie dem Genfersee oder dem Bodensee ist die Nährstoffbelastung über die Jahre massiv gesunken.

Im Vergleich dazu seien Seen im Mittelland, etwa der Greifensee, viel stärker durch die Landwirtschaft und die dichtere Besiedlung ihres Einzugsgebiets belastet.

Auch Nährstoffbelastungen, etwa durch Phosphor, Rückstände aus Medikamenten oder Kosmetika, finden sich im Zentralschweizer See weit weniger als in den Gewässern des Mittellands.

Trockenheit und Hitze sorgen für Stress

Doch der Vierwaldstättersee ist nicht vor allen Herausforderungen gefeit. Die anhaltende Trockenheit macht dem viertgrössten Schweizer See zu schaffen. «Die Zuflüsse sind um mehr als die Hälfte gesunken», so Wüest.

Boot mit Schweizer Fahne, zwei Personen im Schlauchboot und eine Person auf einem Kiesstrand an einem See.
Legende: Der tiefe Wasserpegel im Vierwaldstättersee bedroht die Schifffahrt. Laut dem Professor für aquatische Physik fehlt nicht mehr viel, bis Massnahmen ergriffen werden müssen. Keystone / Urs Flueeler

Im Moment liege der Wasserpegel nur noch wenige Zentimeter über der kritischen Interventionsgrenze. «Wenn die ganze Woche kein Niederschlag fällt, könnte ich mir vorstellen, dass es zur Intervention kommt», sagt Alfred Johny Wüest.

Konkret müsste der Abfluss künstlich gedrosselt werden. Da die Luzerner Bucht extrem flach ist, drohen ansonsten rasch Einschränkungen für die Schifffahrt.

Gleichzeitig setzt die Hitze dem Gewässer zu: Ende Juni erreichte das Wasser bereits 26,3 Grad Celsius – ein Wert auf dem Niveau des historischen Rekordsommers von 2003. Während Fische in tiefere, kühlere Schichten ausweichen können, begünstigt die Erwärmung die Ausbreitung invasiver Arten wie der Quaggamuschel.

Quaggamuschel könnte sich weiter ausbreiten

Die gebietsfremde Muschelart wurde erstmals 2024 im Vierwaldstättersee nachgewiesen. Wie rasant eine solche Invasion ablaufen kann, zeigt der Bodensee, wo sich die Quaggamuschel bereits bis zur maximalen Tiefe von 250 Metern ausgebreitet hat.

Der Wissenschaftler geht davon aus, dass dem Vierwaldstättersee ein ähnliches Schicksal droht: «Der Vierwaldstättersee hat sehr gute Sauerstoffverhältnisse – und da die Quaggamuschel Sauerstoff benötigt, wird sie sich dort ganz sicher ausbreiten.»

Während der Vierwaldstättersee die klassischen Probleme wie Nährstoffbelastungen hinter sich gelassen hat, sorgen Klimawandel und invasive Arten für neue Bedrohungen. Noch verschaffen ihm die kalten Zuflüsse und die gute Lichtdurchlässigkeit einen Vorteil – aber das Ökosystem des Schweizer Musterschülers bleibt gefordert.

Radio SRF 1, 28.7.2026, 17:20 Uhr; wilh

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