Doodle ist die Toblerone unter den Schweizer Startup-Marken

Toblerone, Victorinox, Ricola, Nespresso – und Doodle. Kaum ein Produkt eines Schweizer Startups hat das geschafft, was dem Terminplaner gelang: Zu einer Schweizer Marke zu werden, die fast alle kennen. Gegründet wurde die Firma vor gerade mal zehn Jahren. Wir haben den Erfinder getroffen.

Michael Näf, Erfinder von Doodle, auf der Dachterrasse seines Büros am Zürcher Weinplatz. Im Hintergrund das Münster. Und die Glarner Alpen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Michael «Myke» Näf, Erfinder von Doodle, auf der Dachterrasse seines Büros am Zürcher Weinplatz. Reto Widmer / SRF

«Wer hat's erfunden?» Michael «Myke» Näf! Der Informatiker wollte ein Essen organisieren mit Freunden, als er bemerkte, wie mühsam es ist, bis sich alle auf einen Termin geeinigt haben. Er dachte sich, dass es für dieses Problem eine Lösung geben müsse.

Doodle war geboren und erfreute sich schnell grosser Beliebtheit. Um das Produkt kommerziell weiterzubringen, gründete er mit Paul E. Sevinç 2007 die Firma Doodle.

«Eine aufregende Zeit», erinnert sich Michael Näf, oft aber auch eine nervenaufreibende. Vor allem 2009, als der Werbemarkt einbrach – «da haben wir im Wochentakt unsere Zahlen angeschaut, um zu sehen, wie lange das Geld noch reicht – und diese Reichweite wurde immer kürzer». Zum Glück habe dann aber in dieser Krise der grundlegene Wille überwogen, das Projekt weiterzuführen.

Diese Hartnäckigkeit wurde schnell belohnt: 2011 stieg Tamedia bei Doodle ein mit 49% Aktienanteilen, drei Jahre später übernahm der Medienkonzern Doodle komplett und die beiden Startup-Gründer konnten sich neuen Projekten zuwenden.

Der Startup-Reisende

Für seine Projekte ist Michael Näf oft unterwegs. Geschäftlich, um Startups zu unterstützen als Investor und mit seinem Wissen als ehemaliger Startup-Gründer. Und Privat, um Freunde und Kolleginnen zu besuchen, die es «in die ganze Welt verschlagen hat».

Wenn er in Zürich ist, arbeitet er im Haus «zum Schwert», einem der ältesten Gebäude der Stadt am Weinplatz. Hier hat er in einer Bürogemeinschaft seinen eigenene Raum – «wir konnten die Büros vom Vormieter übernehmen, dadurch ist das noch einigermassen bezahlbar».

Unbezahlbar ist der Blick, den Michael Näf von der Terrasse des Gebäudes hat: Glarner Alpen, See, Grossmünster und das Niederdorf. Es ist die ideale Umgebung, um auf neue Ideen zu kommen, der Rohstoff eines Startups. Das könne nicht jeder, aber es sei auch nicht das «Wunderwerk», wie man manchmal meinen könnte.

Hilfreich sei, wenn ein Gründer vertiefte Fähigkeiten habe auf irgendeinem Gebiet, ansonsten aber ein Allrounder sei, der sich auch schnell in andere Themen einarbeiten könne, in die Finanzierung und Teambildung etwa. «Und dann sollte man noch etwas Risikobereitschaft mitbringen», sagt Michael Näf, «sonst beginnt man so ein Abenteuer gar nicht erst».