50 Jahre Monterey Pop Festival: Die Mutter aller Festivals

Es war ein Urknall für die kommerzielle Live-Musik und formte den Geist einer ganzen Generation. Das Monterey Pop Festival in Kalifornien legte 1967 nicht nur den Grundstein für grosse Musikfestivals, sondern auch für die Hippie-Bewegung.

Eine grosse Hauptbühne mit Superstars, eine Zeltbühne, unzählige Essens-Stände, irgendwo das Partyzelt eines Likör-Herstellers, Markstände grosser Mobilfunk-Anbieter: Sommerfestivals sind heute kommerzialisierte Mainstream-Events, an welchen nebenbei auch noch Bands spielen.

Vor 50 Jahren sah das noch anders aus – am Monterey Pop Festival, der Urmutter aller Musikfestivals.

Beatles und Beach Boys im Kommitee

Allein die Liste der Menschen hinter dem Festival liest sich wie ein «Who Is Who» der damaligen Musikszene. Neben John Phillips von The Mamas and the Papas und dem Produzenten Lou Adler sassen auch die Beatles und die Beach Boys im Organisationskomitee.

Mit dem Publizisten Derek Taylor, welcher die Pressearbeit für die Beatles machte, war zudem ein Medienprofi mit an Bord. Auf dem Gelände, wo sonst das Monterey Jazz Festival stattfand, sollte Popgeschichte geschrieben werden.

The Who spielen «My Generation» am Monterey Pop Festival

Das war Popkultur 1967

Monterey war kein kommerziell ausgerichteter Anlass. Hier zeigt sich eine Besonderheit des Festivals: die Risikobereitschaft, jenseits aller kommerzieller Erwartungen und Notwendigkeiten, Musiker und Bands aus rein musikalischen Gründen zum Festival einzuladen. Und diese liessen sich nicht bitten, sondern erschienen alle: die ganze Bandbreite der Popkultur ihrer Zeit.

Bands wie Simon & Garfunkel, The Byrds, Jefferson Airplane, Jimi Hendrix, Grateful Dead oder The Who sind nur einige klingende Namen, die auf der Bühne standen - die Beach Boys sagten kurz zuvor ab und die Beatles wurden gar ausgeladen.

Auftakt zur «Hippie-Kultur»

«Music, love and flowers». Diese Worte prangten auf dem Banner, welcher unterhalb der Bühne angebracht war. Erst zwei Jahre zuvor waren die USA unter Präsident Lyndon B. Johnson in den Vietnamkrieg eingetreten. Ein Krieg, gegen welcher eine ganze Jugend zu rebellieren begann.

Und die Stimmen auf der Bühne des Monterey Pop Festivals waren selbst nicht viel älter als das junge Publikum davor. Die meisten Musiker waren irgendwo in ihren Zwanzigern, The Who beispielsweise gerade erst Anfang Zwanzig. Bubi-Gesichter spielten für Bubi-Gesichter und zelebrierten Freiheit und Liebe, aber vor allem auch die zeitgenössische Popkultur. Und das mit einer grossen Dringlichkeit, welche bei The Who gegen Ende ihres Sets gar in zerstörerischer Kraft endete.

Von der Kulturindustrie zum Geschäft gemacht

Natürlich, wenn man von Hippies und Live-Musik spricht, dann fällt wohl eher zuerst der Name Woodstock. Den Geist der Flower-Power-Kultur atmete aber Monterey bereits zwei Jahre zuvor und sollte bald seinen Höhepunkt erreichen.

Denn nur wenige Jahre später übernahm die Kulturindustrie die Idee des Festivals und begann, daraus ein Geschäft zu basteln, wie wir es heute kennen – mit ganz vielen Farben, Attraktionen und Werbeständen von Grossunternehmen.

Ein wunderbarer Dokumentarfilm über das Monterey Pop Festival