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Schweizer Jugendbarometer Jugend wünscht sich Stabilität und Kontinuität statt Rebellion

Die Jugendlichen lehnen sich weniger gegen die ältere Generation auf. Das hat mit der schwindenden Zuversicht zu tun. Und auch sonst räumt der aktuelle Jugendbarometer mit vielen Klischees auf.

Der aktuelle Jugendbarometer trägt den dramatischen Titel «Die entzauberte Generation». Für den Jugendbarometer hat das Forschungsinstitut GFS Bern im Auftrag des Pharmaunternehmens Merck 1009 Jugendliche im Alter zwischen 16 und 30 Jahren befragt. Drei Aspekte verdienen besondere Aufmerksamkeit.

Rebellion war gestern

«Entzaubert ist die heutige Jugend von den Mythen, die man sich noch von früher erzählt, dass die jüngere Generation gegen die ältere Generation rebelliert und regelmässig über die Stränge schlägt», sagt Corina Schena vom GFS Bern. Exzessive Partys, riskantes Verhalten, Rebellion und andere klassische Jugendmythen verlieren klar an Bedeutung. Der Jugend sei heute Stabilität und Kontinuität wichtiger, sagt Schena.

Die gesellschaftliche Lage habe sich verändert und es seien bei den Jugendlichen mehr Unsicherheiten vorhanden. Beim aktuellen Jugendbarometer gaben 34 Prozent der Befragten an, dass sie die Zukunft der Gesellschaft eher düster sehen. 2012 waren es noch 20 Prozent. Bei der eigenen Zukunftsperspektive sind die Jugendlichen etwas zuversichtlicher. Neun Prozent sehen die eigene Zukunft düster. 2012 waren es vier Prozent.

Grosses Bewusstsein für Gesundheitsthemen

Im Leben der Jugendlichen spielt das Thema Gesundheit eine grosse Rolle. 94 Prozent geben an, dass ihnen die psychische und körperliche Gesundheit äusserst wichtig, sehr wichtig oder eher wichtig ist. «Gesundheit ist den Jugendlichen wichtiger als beispielsweise die Karriere», sagt Corina Schena. Bei den Frauen sei das Thema Gesundheit noch etwas präsenter als bei den Männern.

Frauen zeigen sich im Jugendbarometer beim Thema Familie progressiver als die Männer.
Autor: Corina Schena Forschungsinstitut GFS Bern

Auffallend ist, dass es gewisse Tabuthemen im Bereich Gesundheit gibt. «Sobald es um Fragen rund um Verhütung, Sexualität, sexuelle Orientierung oder Sucht und Abhängigkeit geht, sprechen die Jugendlichen nicht gerne darüber», erklärt Schena. Zwar habe die Tabuisierung über die letzten Jahrzehnte etwas abgenommen, sei aber immer noch vorhanden.

Eine weniger grosse Rolle als erwartet spielen bei den Gesundheitsthemen das Internet und KI. «Die Jugendlichen informieren sich im Bereich Gesundheit noch immer am liebsten bei Ärztinnen und Ärzten und anderem medizinischen Personal», verrät Schena. Gesundheitstrends in den sozialen Medien würden kritisch hinterfragt. Auch KI-Antworten zu Gesundheitsthemen würde nicht einfach blindlings geglaubt.

Traditionelle Rollenbilder bei jungen Männern

«Frauen zeigen sich im Jugendbarometer beim Thema Familie progressiver als die Männer», sagt Schena. Männer hätten ein traditionelleres Rollenbild. 32 Prozent der befragten Männer sind der Meinung, dass der Vater für das Einkommen sorgen und die Mutter sich um die Kinder kümmern sollte. Die Zustimmung zu diesem Rollenbild wächst, je jünger die befragten Männer sind. Bei den Frauen stimmten 17 Prozent für dieses Rollenbild.

«Die jungen Männer haben sich vielleicht noch nicht so viele Gedanken zum Thema gemacht, wie die Aufgabenteilung in einer Familie aussehen soll», vermutet Schena. Wichtig zu betonen sei in diesem Zusammenhang auch, dass unter allen Befragten 87 Prozent der Meinung sind, dass Väter und Mütter gleich viel Zeit mit den Kindern verbringen sollten.

Radio SRF 4 News, Rendez-Vous, 17.04.2026, 12:30 Uhr; noes

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