Wiederaufbau in Nepal «Wir bilden bis zu tausend Maurer aus»

Im Mai 2015 hat die Glückskette für die Opfer des Erdbebens in Nepal über 32 Millionen Franken Spenden erhalten. Wie schreitet der Wiederaufbau voran, und was wird gegen mögliche Korruption getan?

Mitra Tamang baut mit seiner Familie das Wohnhaus wieder auf, nachdem er den Helvetas-Weiterbildungskurs in erdbebensicherem Bauen besucht hat. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mitra Tamang baut mit seiner Familie das Haus wieder auf, nachdem er einen Kurs in erdbebensicherem Bauen besucht hat. Keystone

SRF DOK: Im Dokfilm wird unter anderem am Beispiel der Hilfsarbeiten des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) gezeigt, mit welchen Problemen die Hilfswerke in Nepal kämpfen. Trifft dies auf alle Projekte zu?

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Zur Person

Ein Porträt von Tony Burgener.

ZVG

Tony Burgener ist seit 2012 Direktor der Glückskette. Zuvor arbeitete er unter anderem als Delegierter beim Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) in Afrika und im Mittleren Osten.

Tony Burgener: Das Projekt des SRK zeigt mögliche Probleme auf. Es gibt aber nicht nur Probleme. Die nepalesische Regierung hat die Regeln erlassen, dass jedes internationale Hilfswerk mit einer nationalen NGO zusammenarbeiten muss, und dass nicht mehr als einer oder zwei internationale Mitarbeiter im Land geduldet sind.

Dies führt dazu, dass man auf den Baustellen nur nepalesischen Ingenieuren, Architekten, Inspektoren und Handwerkern begegnet. Das Schweizer Hilfswerk muss bei der Qualitätskontrolle, Koordination und der Ausbildung der Maurer mithelfen. Es ist erfreulich festzustellen, dass dieser Paradigmenwechsel zu mehr lokaler Arbeit in Nepal weit besser klappt, als dass es der Bericht aufzeigt.

Wie stellt die Glückskette sicher, dass die Hilfsgelder effektiv eingesetzt werden?

Unser Qualitätsmanagement kennt auch für die Projekte in Nepal mehrere Stufen. Alle Projekteingaben werden schon vor der Vergabe von Experten geprüft. Die Partnerorganisationen müssen aufzeigen, wie sie mit möglicher Korruption umgehen und wie sie bei der Vergabe von Aufträgen vorgehen und alle administrativen Prozesse kontrollieren.

All diese Schritte werden während der gesamten Projektdauer regelmässig von den Partnerhilfswerken rapportiert und von der Glückskette im Rahmen von regelmässigen Projektbesuchen und Evaluationen kontrolliert.

Wie viele der Spendengelder wurden bereits eingesetzt?

Für die Nothilfe wurden in den ersten Wochen über sieben Millionen eingesetzt. Damit konnten die dringendsten Bedürfnisse vieler Erdbebenopfer abgedeckt werden und es entstandenprovisorische Einrichtungen für Schulen und Gesundhei.

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Nepal im Wandel

  • Die Hürden im Wiederaufbau Nepals seien gross, meint Stefan Fürst von der Schweizer Botschaft in Nepal.
  • Filmautor Frank Senn wollte im Jahr 2015 in Nepal eine Fortsetzung drehen über der Sherpas am Mount Everest, doch mit dem Erdbeben kam alles anders.

Für den Wiederaufbau von rund 30 Schulen, hunderten von Einfamilienhäusern, mehreren Gesundheitszentren, die Ausbildung von bis zu tausend Maurern sowie mehreren Kilometern von Bewässerungskanälen sind mittlerweile weitere 17 Millionen gesprochen worden.

Bis wann sollen die restlichen Spendengelder eingesetzt werden?

Alle Gelder werden voraussichtlich bis Ende 2019 eingesetzt und die Projekte dann auch abgeschlossen sein. Der Restbetrag, welcher jetzt noch zur Verfügung steht, wird zur Weiterführung von schon laufenden Programmen eingesetzt: mehr Schulen, mehr Wohnhäuser, mehr Gesundheitszentren, mehr Ausbildung, zusätzliche Bewässerungskanäle.

Sendungen zu diesem Artikel

  • SRF 1 07.04.2017 21:00

    DOK
    Im Schatten des Everest – Aufbruch zu neuen Ufern (Teil 2)

    07.04.2017 21:00

    Es ist die Geschichte eines jungen Paares: von Norbu Sherpa, der sieben mal auf dem Gipfel des Everest stand und der Schweizer Anwältin Andrea Zimmermann. Gemeinsam wollen sie den Everest besteigen. Als Nepal aber im April 2015 von einem Erdbeben erschüttert wird, beginnen sie stattdessen zu helfen.

  • SRF 1 31.03.2017 21:00

    DOK
    Im Schatten des Everest – Vom Trauma zum Traum (Teil 1)

    31.03.2017 21:00

    Es ist die Geschichte eines jungen Paares: von Norbu Sherpa, der sieben mal auf dem Gipfel des Everest stand und der Schweizer Anwältin Andrea Zimmermann. Gemeinsam wollen sie den Everest besteigen. Als Nepal aber im April 2015 von einem Erdbeben erschüttert wird, beginnen sie stattdessen zu helfen.