Wasserleitungen – erneuern oder sanieren?

Wasserleitungen werden bei Sanierungen oft vergessen. Selbst wenn Bad oder Küche erneuert werden, bleiben die alten Leitungen in der Wand. Dabei sind sie entscheidend für die Wasserqualität. Thomas Amman, Architekt beim Hauseigentümerverband Schweiz, gibt Tipps.

Drei Rohre in verschiedenen Stadien: korrodiert, gesäubert und mit Epoxidharz ausgekleidet. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Rohrsanierung auf einen Blick: Drei Rohre in verschiedenen Stadien: korrodiert, gesäubert und mit Epoxidharz ausgekleidet. SRF

«Einstein»: Wie merkt man, dass die Leitung saniert werden muss?

Thomas Amman: Alte Metall-Leitungen setzen über die Jahre Kalk und Rost an. Diese Ablagerungen werden zum Teil mit dem Wasser ausgeschwemmt, insbesondere dann, wenn lange kein Wasser bezogen wurde. Rostbraunes Wasser ist meist das erste Anzeichen für einen Sanierungsbedarf.

Wie lange ist die Lebensdauer von Wasserleitungen?

Je nach Nutzungsintensität kann bei verzinkten Stahl-Leitungen von einer Lebensdauer von 30 Jahren ausgegangen werden. Kupferleitungen oder moderne Chromstahl- PEX-Verbundrohre halten gut und gerne 50 Jahre.

Rohrsanierung: Heutige Verfahren auf dem Prüfstand

9:06 min, aus Einstein vom 7.2.2013

Welches sind die Vor- und Nachteile der einzelnen Materialien?

Während noch vor 30 Jahren ausschliesslich Stahl- und Kupferleitungen eingesetzt wurden, sind heute meist Chromstahl- oder PEX-Verbundrohre im Einsatz. Diese haben zum einen eine längere Lebensdauer, weil sie nicht rosten und zum anderen den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu Kupfer-Rohren keine Kupfer-Ionen an das Trinkwasser abgegeben. Schon bei geringer Benutzung oder langen Stagnationszeiten können die Ionen gerade bei Kleinkindern gesundheitlich bedenklich sein. Aber auch bei modernen Leitungen empfiehlt es sich, nach längerer Stagnation – wenn das Wasser länger als vier Stunden still stand – vor Gebrauch 10 bis 20 Sekunden Wasser laufen zu lassen, bis es kalt aus dem Hahn kommt.

Wann macht eine Rohr-Innensanierung Sinn?

Der Hauptvorteil einer Rohr-Innensanierung ist, dass die Rohre in der Wand verbleiben und das Gebäude weiter bewohnbar ist. Mittels einer Rohr-Innenbeschichtung kann die Lebensdauer der Leitungen verlängert werden. Um wieviel hängt vom Zustand der Leitungen ab. Sicherlich wird die Lebensdauer aber nicht verdoppelt, es geht eher darum eine Zeitspanne von zehn bis 15 Jahren bis zur nächsten grösseren Sanierung zu überbrücken.

Welche Materialien sollte man wählen?

Die meisten Firmen, die Rohr-Innensanierungen anbieten, verwenden einen Epoxidharz für die Beschichtung. Diese Beschichtung ist umstritten, weil bei fehlerhafter Ausführung Stoffe entweichen und die Wasserqualität beeinträchtigen können. Vereinzelt kommen neu entwickelte Produkte auf mineralischer Basis zum Einsatz. Zur Beständigkeit dieser Methode liegen noch keine Langzeiterfahrungen vor.

Soll ein Hauseigentümer eher zuwarten, bis mehr Klarheit herrscht?

Das muss jeder nach seiner aktuellen Situation entscheiden. Das Amt für Verbraucherschutz des Kantons Aargau untersuchte 2008 sanierte Trinkwasserleitungen und zeigte zum Teil erhebliche Mängel auf: Bei der Hälfte der überprüften Firmen entsprach die Trinkwasserqualität nach einer Rohr-Innensanierung nicht den gesetzlichen Mindestanforderungen. Von den sechs Firmen, die im Kanton Aargau Rohrsanierungen anbieten, erzielten nur zwei einwandfreie Resultate. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat hierzu ein Informationsschreiben herausgegeben. Um sich gegen mögliche Schäden abzusichern, sollten die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit Bestandteil des Vertrages sein.

Wie kann man sich absichern?

Es lohnt sich, gezielt Referenzen einzuholen und allenfalls vorgängig Messungen der Wasserqualität durch ein unabhängiges Labor vornehmen zu lassen. Werden die Messungen nach der Beschichtung wiederholt, gibt dies eine gute Aussage über die Sorgfältigkeit der Arbeiten. Bei Nichteinhalten der Lebensmittelverordnung können rechtliche Schritte eingeleitet werden, denn das Wasser muss den Anforderungen an Trinkwasser, entsprechend Artikel 3 der Verordnung über Trink-, Quell- und Mineralwasser, genügen.

Welche Rechte hat der Hauseigentümer, wenn das Wasser nach der Sanierung keine Trinkwasserqualität aufweist?

Grundsätzlich kann die ausführende Firma zur Nachbesserung des Schadens verpflichtet werden, jedoch nur im Umfang der geleisteten Arbeiten. Weil die Kosten für den Ersatz eines fehlerhaften Rohres meist deutlich höher sind als für die Beschichtung bleibt die Different letztendlich beim Eigentümer hängen.