Gartenerde geht auch ohne Torf

Der Torfabbau hinterlässt in der Umwelt erhebliche und bleibende Schäden. Ein Import-Verbot ist vorerst nicht in Sicht. Dabei ist torffreie Erde für die Hobbygärtner genauso gut. Das zeigt ein neuer Test: Die Hälfte der Produkte schneidet gut oder sehr gut ab.

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23.04.13: Gartenerde im Test: Es geht auch ohne Torf

9:11 min, aus Kassensturz vom 23.4.2013

Wer im Gartencenter Erde kaufen will, hat die Qual der Wahl. Palettenweise Säcke mit verschiedensten Garten- und Pflanzenerden. Das Sortiment ist riesig: Spezialerde für Kräuter, Kakteen-und Zimmerpflanzen, diverse Bio-Erde und Universalerde. Verschiedene Logos und Labels sorgen zusätzlich für Verwirrung. Doch so unterschiedlich die Erden, fast alle beinhalten Torf.

Sehr schädlich für die Umwelt

Torf wird aus Hochmooren gewonnen. Das sind wichtige Lebensräume für viele Pflanzen- und Tierarten. Wird der Torf abgebaut, werden diese Räume für immer zerstört. Die meiste Torferde, welche in der Schweiz in den Gartencenter verkauft wird, stammt aus dem Baltikum, beispielsweise aus dem Hochmoor Augstumala in Litauen.

Die Torfschicht dort ist acht Meter tief. Dieses Moorgebiet wird jetzt zerstört. Riesige Maschinen tragen seit ein paar Jahren den Torf ab. Schicht für Schicht. Was die Natur in tausenden von Jahren wachsen liess, wird in wenigen Jahren abgebaut.

Beat Hauenstein von Pro Natura kritisiert, dass für unsere Blumenkisten im Ausland Tier- und Pflanzenwelt zerstört wird. Der Torfabbau habe auch grosse Auswirkungen auf das Klima: «In diesen Mooren hat sich über Jahrtausende eine grosse Menge Kohlendioxid angesammelt. Durch den Abbau wird dieses innert kürzester Zeit freigesetzt, es geht in die Atmosphäre und heizt unser Klima an.»

Verbot noch lange nicht in Sicht

In der Schweiz ist der Abbau von Torf seit Ende der 80er-Jahre aus Naturschutzgründen verboten. Der Import jedoch nicht. Jahr für Jahr importiert die Schweiz immer mehr Torf aus dem Baltikum. Allein im letzten Jahr waren es bis zu 150‘000 Tonnen. Das könnte sich ändern. Denn mittlerweile wird auch gegen den Import politisch vorgegangen.

Der Bundesrat hat die Problematik erkannt, setzt allerdings auf freiwillige Massnahmen der Branche. Ein Verbot käme erst 2030 in Frage. Für Beat Hauenstein dauert dies zu lange: «Wir sind mit diesem Problem seit Jahrzehnten konfrontiert. Die Fortschritte in Sachen torffreier Erde sind aber klein, und wir hätten uns gewünscht, dass die Frist auf 2020 gesetzt wird.» Damit könnte verhindert werden, dass weitere schöne Naturgebiete verschwinden und das Klima zusätzlich aufgeheizt wird, erklärt Beat Hauenstein.

Torffreie Erde ist genauso gut

Torffreie Erde gibt es schon heute. Dennoch wird sie noch zu wenig verwendet. Qualitativ gibt es aber keinen Unterschied. Das zeigt eine Studie der Uni Zürich. Für Hobbygärtner gibt es somit keinen Grund, Erde mit Torf zu kaufen.

Josef Poffet vom Gärtnerverband Schweiz bestätigt: «Es gibt heutzutage ganz gute torffreie Produkte, mit welchen man seine Blumen auf dem Balkon, der Terrasse und im Garten pflanzen kann und den ganzen Sommer lang Freude haben kann.» Wer torffreie Erde benutzt sollte etwas mehr düngen und natürlich regelmässig giessen. Aber nicht zu viel, sagt der Experte.

Torffreie Erde im Test

Das Westschweizer Konsumenten-Magazin „A bon entendeur“ hat acht verschiedene Universalerde-Produkte ohne Torf testen lassen. Das spezialisierte Unternehmen Sol-Conseil hat in einem Praxistest Kresse, Gerste und Raps angesät. Nach ein paar Wochen waren die Unterschiede deutlich sichtbar. Die Pflanzen unterschieden sich in Grösse und Farbe. Einige hatten kräftige Stängel und Wurzeln, andere eher dünne.

Erfreuliches Gesamtergebnis

Ungenügend und am schlechtesten abgeschnitten hat die Pflanzenerde ohne Torf Floraself von Hornbach für 22 Rappen der Liter. Diese Erde hat einen sehr hohen Kompostanteil und bietet auf Dauer nicht genügend Nährstoffe. Hornbach betont, dass diese Erde im letzten Jahr in diversen Tests in Deutschland gut abgeschnitten habe.

Ebenfalls ungenügend ist die Universalerde Mioplant aus der Migros, mit 15 Rappen pro Liter eines der günstigsten Produkte im Test. Die Migros ist überrascht über das Resultat. Frühere Tests hätten bessere Noten ergeben.

Die Hälfte der torffreien Produkte erzielte gute bis sehr gute Resultate. Die Gesamtbewertung «gut» erhielten die Universalerde Oecoplan von Coop und die Universalerde Bio-Sol Belflor.

Platz zwei und somit die Bewertung «sehr gut» erhielt die Universal Bio-Erde Bio-Capito aus der Landi. Sie ist mit 12 Rappen pro Liter die günstigste Gartenerde im Test. Testsieger ist die Blumen- und Gemüseerde Bio-Line von Ricoter, gekauft bei Jumbo für 50 Rappen pro Liter. Diese Erde kann Nährstoffe und Wasser am besten aufnehmen und den Pflanzen wieder abgeben.

Tipps für den richtigen Einkauf

Beim Einkaufen von torffreier Erde können folgende Tipps beachtet werden:

  • Am besten Universalerde kaufen. Diese ist für die meisten Pflanzen geeignet.
  • Der Umwelt zuliebe sollte die Erde keinen Torf enthalten. Auf der Verpackung muss angegeben sein, dass die Erde torffrei ist.
  • Bio-Labels oder ähnliche Logos bedeuten noch nicht, dass die Erde torffrei ist. Also immer das Kleingedruckte lesen.