Frösche & Co. - so ein Teich!

  • Donnerstag, 28. Mai 2015, 20:05 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 28. Mai 2015, 20:05 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Freitag, 29. Mai 2015, 2:36 Uhr, SRF 1
    • Freitag, 29. Mai 2015, 11:18 Uhr, SRF 1

Laubfrösche sind Publikumslieblinge: Als Stofftiere im Kinderzimmer, Werbeträger oder als Könige im Märchen. Doch wie geht es den echten Fröschen und ihren Verwandten? «NETZ NATUR» hat nachgeforscht und präsentiert Erfolgsgeschichten und Bedenkliches aus 20 Jahren Amphibienschutz in der Schweiz.

Wenn es an der Reuss bei Stetten langsam dunkel wird, beginnt ein eindrückliches Konzert. In kleinen Teichen da und dort rufen die Laubfroschmännchen mit über 80 Dezibel. Die Weibchen hören zu und wählen dann die besten Sänger. Plötzlich watet eine kleine Herde Wasserbüffel durch die Teiche. Eine Gefahr für die Frösche? Nein, ganz im Gegenteil.

Verantwortlich für die ungewöhnliche exotische Szenerie ist Christoph Flory. Vor zwanzig Jahren hat er in der Gegend damit begonnen Land zu kaufen. Da ein Flecken feuchte Wiese, dort einen Acker. Er hat Teiche gebaut, Hecken gepflanzt , Steine und Äste angehäuft. Er wollte den wenigen verbliebenen Laubfroschbeständen auf die Sprünge helfen. Im Reusstal begann eine kleine Erfolgsgeschichte. Die Laubfrösche haben die neuen Laichgewässer dankend angenommen und nach Jahrzehnten des Rückgangs konnten die Bestände sogar wieder wachsen. Jetzt gilt es, diese Lebensräume zu erhalten und dabei spielen die Wasserbüffel eine entscheidende Rolle. Sie fühlen sich in der Teichlandschaft sichtlich wohl und durch ihr Fressen, Trampeln und Suhlen, verhindern sie, dass die flachen Teiche wieder zuwachsen.

Auch an anderen Orten in der Schweiz gibt es kleinere und grössere Projekte zum Schutz der Amphibien. Unterirdische Bäche werden frei gelegt, Flussabschnitte renaturiert und es werden Strassenunterführungen für wandernde Frösche gebaut. Und nicht zuletzt gibt es auch in den Privatgärten von Herr und Frau Schweizer eine grosse Zahl von kleinen Biotopen. Doch diese helfen meistens den häufigeren Arten Grasfrosch, Erdkröte und Bergmolch. Sie fühlen sich wohl im Seerosenteich, den auch wir Menschen als ansprechend empfinden. Eine Kreuzkröte oder eine Gelbbauchunke hat ganz andere Ansprüche: Kleinste Pfützen an sonnigen Stellen, die sich aufwärmen und so den Kaulquappen erlauben, rasch zu wachsen und die Pfütze zu verlassen bevor sie im Sommer ganz austrocknet. Pfützen, wie es sie früher in den natürlichen Auenlandschaften gab. Sie entstanden jedes Jahr neu nach den Überschwemmungen im Frühling. Auch Radspuren in Feldwegen, nasse Stellen in Äckern oder frisch ausgehobene Strassen- und Entwässerungsgräben waren sehr beliebt. Doch nach dem zweiten Weltkrieg hat man Flüsse begradigt und Moore flächendeckend trockengelegt, um die Eigenversorgung zu gewährleisten. Mit Schweizerischer Gründlichkeit ging kaum ein Flecken feuchten Landes vergessen und bis heute wird jede kleine Pfütze, jede feuchte Stelle im Kulturland umgehend wieder zugeschüttet. Als letztes Rückzugsgebiet für Amphibien und eine grosse Zahl anderer seltener Tier- und Pflanzenarten, dienten fortan die Kiesgruben. Durch das Wühlen in den Gesteinsschichten stellte der Mensch hier unabsichtlich eine dynamische Auenlandschaft nach – mit Kiesbänken und unzähligen kleinen und grossen Pfützen.

Früher hatte jede Gemeinde ihre Kiesgrube, denn der Transport über weite Strecken lohnte sich nicht. Auch hier hat ein Wandel statt gefunden. Viele kleine, wenig lukrative Gruben werden durch wenige grosse ersetzt. Der Abbau geht schneller voran und um keine Wunde in der Landschaft zu hinterlassen und weil Aushubmaterial im Überfluss vorhanden ist, wird auch schnell wieder aufgefüllt. Zum Glück hat man aber die Wichtigkeit der Kiesgruben erkannt und interessierte Grubenbetreiber wie Kurt Marti unterhalten in stillgelegten Teilen kleine Tümpellandschaften für seltene Amphibien.

«NETZ NATUR» zeigt, dass viele Amphibien in unserer ordentlich aufgeräumten Landschaft nur bestehen können, wenn sich Menschen aktiv für ihren Schutz einsetzen. So wie Christoph Flory mit seinen Wasserbüffeln oder Kurt Marti in seiner Kiesgrube. Es braucht ein Netz von kleinen und grossen Gebieten wo Dynamik herrscht statt Ordnung, und Orte, die frei sind von Pestiziden.

NETZ NATUR ¦ SRF DOK