Wann können Kinder über medizinische Fragen entscheiden?

Impfung ja oder nein? Soll die Warze weg? Braucht es ein Antibiotikum gegen die Lungenentzündung? Kinder können dann entscheiden, wenn man ihnen einen vernünftigen Entscheid zutraut. Wann das ist, ist individuell und hängt von der Fragestellung ab.

Ein Kleinkind erhält eine Impfung.
Bildlegende: Im Kindergartenalter kann ein Kind wenigstens bestimmen, ob es eine Impfung links oder rechts will. colourbox.com

«Kinder sollen grundsätzlich in Entscheidungen miteinbezogen werden», sagt Kinder- und Jugendarzt Rolf Temperli. «Aber es geht dabei in erster Linie um Offenheit, Information und darum, die Entscheidungsfreude zu fördern, erst in zweiter Linie um ihre Entscheidung.»

Wann ein Kind eine Entscheidung fällen kann, entscheiden die Erwachsenen. Der Zeitpunkt hängt vom Alter, aber natürlich auch von der Tragweite des Entscheides ab:

  • Schon Säuglinge signalisieren, wenn sie genug gegessen haben. Diese Signale sollen respektiert werden, solange keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen. Dies zur Förderung der Autonomie.
  • Mit zwei Jahren können Kinder gut verstehen und auch nein sagen. Wenn wir gegen ihren Willen handeln, müssen wir das begründen: «Wenn Kleinkinder den Mund nicht öffnen wollen, um die Zähne zu zeigen, kann ich das je nach medizinischer Fragestellung akzeptieren oder eben nicht. Gleiches gilt zum Beispiel für eine Blutentnahme», sagt Rolf Temperli.
  • Im Kindergartenalter können Kinder schon Vieles selber entscheiden, zum Beispiel ob eine Warze genügend störend ist, dass sie sie behandeln wollen, und welche Methode zur Anwendung kommen soll. Sie können entscheiden, ob sie eine Impfung links oder rechts, am Anfang oder am Ende der Konsultation oder sogar an einem anderen Tag haben wollen. Anderes, zum Beispiel ob eine Lungenentzündung mit einem Antibiotikum behandelt werden soll, können sie nicht entscheiden – und das sollen sie auch nicht.
  • Ab zirka 14 Jahren muss man davon ausgehen, dass die Jugendlichen in den meisten Fragen urteilsfähig sind und selbständig entscheiden können, allenfalls auch gegen den Willen der Eltern (Sex, Pille etc.).

Moderation: Thomy Scherrer, Redaktion: Brigitte Wenger