Wenn Forscher eine Firma gründen

CEO zu sein – wer davon träumt, der kann zum Beispiel eine Firma gründen. Das tun auch viele Wissenschaftler. Sie wollen aus ihrem Wissen Geld machen. Schweizer Hochschulen unterstützen solche Forschungs-Startups. Doch der Weg zur eigenen Firma ist steinig und voller Risiken. Drei Gründer erzählen.

Claudio Sedivy steht vor einem Wildbienenhaus. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wildbienen-Züchter Claudio Sedivy: Mit seinem Start-up möchte der Biologe die Bienen schützen und dabei Geld verdienen. SRF

Claudio Sedivy greift nach einer Biene und hält sie zwischen Daumen und Zeigefinger. «Keine Sorge», sagt er. «Wildbienen stechen nicht.» Kein unwichtiges Detail, wenn man die Leute davon überzeugen möchte, sich Wildbienen auf ihren Balkon zu holen. Das Start-up «Wildbiene + Partner», das der Biologe Sedivy zusammen mit einem Freund gegründet hat, verkauft nämlich Bienenhäuschen.

Die Bienen-Firma ist eines von insgesamt 24 Spin-off-Unternehmen, welche aus der ETH Zürich im letzten Jahr hervorgegangen sind. Die Gründer dieser Spin-offs waren – oder sind noch immer – Forschende an der ETH. Auch Uni- und Fachhochschul-Wissenschaftler gründen Firmen, so dass insgesamt in der Schweiz rund 60 Forschungs-Start-ups jährlich entstehen.

Die drei Gründer von InShero in schwarzen Anzügen und weissem Hemd mit verschränkten Armen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Erfolgreiches Spin-off: Die drei Gründer von InSphero. Von rechts: Jens Kelm, Wolfgang Moritz und Jan Lichtenberg. InSphero

Zu Höchstleistungen motiviert

Der Schritt raus aus dem Elfenbeintum, rein in die Wirtschaft braucht Mut: «Wir hatten alle gut bezahlte Stellen, die wir zurück liessen, als wir die Firma gründeten», erzählt Jens Kelm, ehemaliger Uni-Forscher und Chief Scientific Officer bei Insphero, einer Biotech-Firma mit rund 30 Mitarbeitern in Schlieren. «Nun müssen wir unser eigenes Geld verdienen. Das ist auch gut so, weil es einen zu Höchstleistungen motiviert.»

Insphero entwickelt Zellkulturen für Toxizitätstest. Die Kunden sind Pharma- und Kosmetikfirmen, welche Wirkstoffe – etwa Medikamente – im Labor auf mögliche Nebenwirkungen testen wollen. Noch ist das junge Unternehmen zwar in den roten Zahlen, doch es soll weiter wachsen.

Hoffnungsträgerin gescheitert

Platz für neue Insphero-Mitarbeiter wird im Bio-Technopark Schlieren gerade frei: Eine andere Biotech-Firma – die einstige Hoffnungsträgerin Cytos – musste kürzlich bekannt geben, dass ihr letzter Wirkstoff in Patientenstudien gescheitert ist. Cytos ist ein ETH-Spin-off und zog 1998 als eine der Pionierinnen in den Bio-Technopark ein.

Scheitern oder Reüssieren – eine Firma zu gründen, ist nicht selten ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Wie sich das Scheitern anfühlt, weiss Thomas Rippel. Darüber zu sprechen, bereitet ihm keine Probleme: «Ich habe mich drei Monate, nachdem mein Unternehmen »Organic Standard« gescheitert war, entschieden, an die Öffentlichkeit zu gehen und es laut hinaus zu posaunen, damit andere davon lernen können», sagt er.

Ideenreich: Bio-Bauer Rippel macht Gülle mit Sauerkrautsaft

5:01 min, aus Einstein vom 21.3.2013

Rippel hielt gar Vorträge über sein Firmen-Ende am «Impact Hub Zurich», einer Startup-Schmiede im Eisenbahnviadukt von Zürich West. Dabei erzählt er auch von eigenen Fehlern. Aber Vorwürfe mache er sich nicht: «Ein Unternehmen zu gründen, ist immer ein Learning-by-doing. Wenn man alle Antworten von vorherein weiss, würden die meisten vermutlich gar kein Unternehmen gründen», sagt der 26-jährige Ökonom.

Sein Geschäft ist Geschichte, doch Thomas Rippel hat neue Pläne: Er will Bio-Bauer werden und steckt zur Zeit mitten in der Ausbildung. Das Ziel: ein eigener Bio-Bauernhof.

«Es ist extrem befriedigend»

Einen solchen Plan B hat der CEO von «Wildbiene + Partner» noch nicht. Claudio Sedivy hofft, mit seiner Firma Erfolg zu haben. Die Zeichen stehen zur Zeit gut: Diesen Frühling konnte das Kleinst-Unternehmen bereits tausend Bienenhäuschen absetzen.

Die Kunden werden die Bienenhäuschen dann im Herbst wieder an «Wildbiene + Partner» zurückschicken – voll mit Kokons der nächsten Bienen-Generation. Und diese verkaufen Sedivy und sein Kollege nächsten Frühling dann an Bauern – zur Bestäubung von Obstplantagen. Das alles bedeutet für die Firmengründer im Moment vor allem eines: Viel Arbeit. Aber Sedivy sagt: «Es ist extrem befriedigend.» Und man glaubt es ihm sofort.

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