13.08.200713850 Ansichten

Mord im Hafturlaub

1993 brachte Erich Hauert, ein zweifacher Frauenmörder auf Hafturlaub, die 20-jährige Pfadiführerin Pasquale Brumann um. Bald danach stellten die entsetzten Eltern eine Frage, die vieles in Bewegung brachte: Weshalb gewährte man einem so gefährlichen Sexualstraftäter und Doppelmörder unbegleiteten Hafturlaub? Denise Chervet befasst sich mit der schrecklichen Tat am Zollikerberg und mit ihren Folgen für den Strafvollzug. Die Tat bewirkte unter anderem, dass im Jahr 2004 die Verwahrungsinitiative zustande kam und vom Volk mit grosser Mehrheit angenommen wurde.

Wohl kaum ein Mord hat die Schweiz stärker bewegt als die schreckliche Tat am Zollikerberg. 1993 ermordete Erich Hauert, ein zweifacher Frauenmörder auf Hafturlaub, die 20-jährige Pfadiführerin Pasquale Brumann. Dies war keineswegs sein erstes Delikt. 1979, schon mit 20 Jahren, fing Erich Hauert an, Frauen zu überfallen. Bis zu seiner ersten Verhaftung vier Jahre später hinterliess er eine grausige Blutspur: Er beging zahlreiche Raubdelikte, überfiel neun Frauen, fesselte und quälte sie, versuchte sie zu vergewaltigen und wurde immer brutaler: Im April 1982 ermordete er eine Studentin in einem Wald bei Thalwil und nur acht Monate später eine 72-jährige Frau. Das Gericht verurteilte ihn zu lebenslänglichem Zuchthaus und sprach davon, dass er kaum therapierbar sei. Dennoch bekam er bereits nach sechs Jahren Hafturlaub. Dies wurde der Pfadiführerin zum Verhängnis. Wieso bekam ein so gefährlicher Sexualstraftäter Hafturlaub? Wer war dafür verantwortlich? Die Eltern suchten nach den "wahren" Schuldigen, viele Ungereimtheiten kamen zu Tage. Nach mehrjähriger Untersuchung standen vier Justizbeamte und der Gefängnispsychologe vor Gericht. Sie alle wurden freigesprochen. Fehler seien passiert, aber nicht aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit. Der gewährte Hafturlaub sei aus damaliger Sicht nicht fahrlässig. Der Film von Denise Chervet rollt den Mord im Hafturlaub nochmals auf und zeigt, dass die Eltern von Pasquale Brumann zwar vor Gericht keine Genugtuung bekamen, dennoch aber sehr viel erreichten. Ihr jahrelanger Kampf gegen die Behörden leitete schliesslich eine Kehrtwende im Strafvollzug ein. Strafrechtsprofessor Christan Schwarzenegger befasst sich unter anderem mit dem liberalen Strafvollzug der 80er-Jahre und mit dieser Kehrtwende, die eine Verschärfung der Urlaubspraxis und des Haftregimes zur Folge hatte. Gefängnispsychiater Frank Urbaniok erklärt, was sich seither in der Therapie verbessert hat, und Bundesrat Moritz Leuenberger führt aus, wie er die Tragödie als damaliger Justizdirektor erlebte und welche Massnahmen er darauf ergriff. Auch Anita Chaaban kommt zu Wort, deren Nichte ebenfalls Opfer eines Sexualstraftäters wurde. Die Stimmung in der Bevölkerung führte dazu, dass die Verwahrungsinitiative 2004 vom Volk angenommen wurde. Erstausstrahlung: 13.08.2007

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