06.01.202210012 Ansichten

In der Welt der Gehörlosen

Ab Neujahr wurde das SRF-Angebot in Gebärdensprache erweitert. Neu werden national insgesamt 1000 Programmstunden in Gebärdensprache angeboten, im Januar erstmals auch «Einstein». Das Wissensmagazin macht die «Muttersprache der Gehörlosen» zum Thema dieser Premiere.

Kunst der Gebärdensprache Gebärdensprache ist die Muttersprache der Gehörlosen. Sie gebärden hierzulande in Schweizerdeutsch, hochdeutsch, französisch, «welsch» und italienisch, ja sogar in Dialekten. Die Gebärdensprache ist eine eigenständige Sprache und der gesprochenen Sprache absolut gleichwertig. Untermauert wird diese Tatsache durch das erste Grammatik-Handbuch für Deutschschweizerische Gebärdensprache (DSGS). Die selbst gehörlose Projektleiterin Katja Tissi hat die linguistischen Informationen «ihrer» Sprache mit diesem Handbuch auch den Hörenden breit zugänglich gemacht. «Einstein» hat die Dozentin für Gebärdensprache besucht. Der Kampf der Gehörlosen für ihre Sprache Gehörlose Menschen haben einen schweren Stand. Sie werden oft ausgegrenzt und sind Vorurteilen ausgesetzt. Ihre Sprache, die Gebärdensprache, war an Schweizer Schulen bis 1981 gar verboten. Anders als in anderen Ländern ist sie noch heute nicht als offizielle Sprache anerkannt. Erst kürzlich lehnte der Bundesrat ein entsprechendes Postulat ab, sehr zum Ärger von Betroffenen wie Tatjana Binggeli. «Einstein» begleitet die Präsidentin des Gehörlosenbundes ins Bundeshaus, wo sie vor Parlamentarierinnen und Parlamentariern Tacheles redet – in Gebärdensprache versteht sich. Gebärden dolmetschen: Die Brückenbauerinnen am Leutschenbach Medienkonferenzen aus dem Bundeshaus, «Meteo» vom Dach, «Einstein» aus dem Studio. Ab 2022 werden Gebärdensprach-Dolmetscherinnen jährlich 1000 Stunden SRG-Programm in die Sprache der Gehörlosen und Hörbehinderten übersetzen. Hörende und gehörlose Gebärdendolmetscherinnen geben Einblick in ihren spannenden und herausfordernden Fernsehalltag bei SRF. «Signes» und die Reise in die Welt der Stille Seit 40 Jahren sendet das Westschweizer Fernsehen RTS das Magazin «Signes» für Hörbehinderte und Gehörlose. Zwei der jährlich sieben Ausgaben kommen seit 2020 aus der Deutschschweiz. Der Mix aus hörenden und gehörlosen Macherinnen und Machern ist so vielfältig wie die Reportagen. So zeigt «Signes» bei «Einstein» auf, wie für Gehörlose selbst Musik gedolmetscht werden kann oder warum die Kunst seit jeher auch durch die Sprache der Gehörlosen inspiriert wird. Warum gehörlose Filmschaffende die Welt mit anderen Augen sehen In Stanko Pavlicas Produktionsfirma sind alle Mitarbeitenden gehörlos. Kommuniziert wird in Gebärdensprache. Seit bald 20 Jahren macht der 47-Jährige Filme. Nicht zu hören sei bei seiner Arbeit kein Nach- sondern vielmehr ein Vorteil. Seine visuelle Wahrnehmung sei ausgeprägter und könne das Wesentliche schneller erfassen, gerade weil das Hören wegfalle. Stanko Pavlica und «Signes»-Moderatorin Natasha Ruf zeigen am Schnittplatz, wie Gehörlose in ihren Filmen die Welt sehen.

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