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Sendung vom 19.01.2010

Für viele unfassbar: Der Ehemann stirbt und die Witwe hat keinen Zugriff mehr auf das gemeinsame Geld. Denn aus erbrechtlichen Gründen sperren die Banken nach dem Tod des Ehegatten das Konto. Auch eine Vollmacht lässt die Bank nicht gelten. «Kassensturz» klärt auf. Margrit Burkhard wird im Frühling 84 Jahre alt. Vor 4 Jahren ist ihr Mann gestorben – nach fast 50 Jahren Ehe. In dieser Zeit hatte sie alle administrativen Arbeiten erledigt und sich um das Finanzielle gekümmert. Schwierigkeiten gab es nie. Im Herbst 2009 ist Margrit Burkhard umgezogen. Sie gab der Bank die neue Adresse bekannt. Erst dann erfuhr die Bank vom Tod ihres Ehemannes. Schwer verständlich Die Burkhards hatten bei der Migros Bank zwei Konten, Margrit Burkhard besass eine Vollmacht. Von einem Tag auf den andern sperrte die Bank ihren Zugriff auf die Konten. Margrit Burkhard: «Wenn ich jetzt noch hätte Geld abheben müssen, wäre ich noch mehr frustriert gewesen.» Es sei eine Ungerechtigkeit, dass sie nach dem Tod ihres Mannes nicht mehr über ihr Geld verfügen könne. Serge Lutgen, Nachlass-Experte beim Vermögenszentrums weiss: Für die hinterbliebenen Ehepartner ist es schwer verständlich, dass Banken den Zugriff auf das gemeinsame Vermögen sperren. Aber: «Das ist der Regelfall, die meisten Banken sperren das Konto des Inhabers, wenn sie von dessen Tod erfahren – bis ein Erbschein vorliegt», sagt Lutgen. Teure Dokumente Einen Erbschein verlangte auch die Bank von Margrit Burkhard. Um die Kontosperre aufzuheben, musste sie den Weg auf die Ämter einschlagen. Das dauerte Wochen. Während dieser Zeit hatte sie keinen Zugriff auf ihr Geld. Und die amtlichen Dokumente sind teuer: Der Erbschein kostet 120 Franken und die Testamentseröffnung 461 Franken. Wegen der Kontosperre hatte Margrit Burkhard schlaflose Nächte. Dass Banken nach dem Tod des Ehepartners das gemeinsame Vermögen blockieren, darauf sei sie nie hingewiesen worden. Noch heute kann sie kaum glauben, dass das rechtens ist. «Ich habe mich geärgert, dass ich gar nichts zu sagen hatte und mir alles gefallen und vorschreiben lassen musste», sagt Margrit Burkhard. (sf/micc/doer)

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