20.10.20196913 Ansichten

Brauchen wir neue Helden?

Helden sind oft alte, weisse Männer, führen Krieg, sitzen hoch zu Ross und scheinen ewiggestrig. Von Helden sei zur Lösung der heutigen Probleme aber nichts zu erwarten, meint Soziologin Cornelia Koppetsch. Weit gefehlt, sagt Philosoph Dieter Thomä. Er plädiert für einen zeitgemässen Heroismus. «Einzig der freie Markt und die Demokratie bringen Wohlstand und Zufriedenheit.» Dieser Glaubenssatz war jahrzehntelang eines der Leitmotive der Gesellschaft. Das Versprechen lautete: Wer durch seine Arbeit Wohlstand erreicht und seine Meinung frei äussern kann, wird glücklich. Dieses Versprechen gilt heute nicht mehr für alle. Die Wachstumsraten bleiben in entwickelten Staaten flach; der Mittelstand profitiert kaum noch. Die Globalisierung produziert auch Verlierer. Kurz: Die Gesellschaft muss sich neu erfinden. Doch wie soll das gehen? Die Elitenratlosigkeit spiegelt sich in der Unsicherheit im Volk. Der Philosoph Dieter Thomä hofft in dieser Lage auf neue Heldinnen und Helden, die sich mutig der Sache der Demokratie verschreiben. Die Soziologin Cornelia Koppetsch ist skeptisch und verlangt, dass gerade die Elite vom hohen Ross steigt und neu über den Gesellschaftsvertrag nachdenkt. Anm. der Redaktion: Die Aufzeichnung dieses Gesprächs fand am 8. Oktober vor Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe gegen Cornelia Koppetsch statt. Literatur: – Cornelia Koppetsch: «Die Gesellschaft des Zorns – Rechtspopulismus im globalen Zeitalter». Transcript, 2019; – Dieter Thomä: «Warum Demokratien Helden brauchen». Ullstein, 2019; und – Dieter Thomä: «Puer Robustus – Eine Philosophie des Störenfrieds». Suhrkamp, 2018.

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