19.01.202012064 Ansichten

Onora O’Neill: Ist Vertrauen gut – oder Kontrolle besser?

Als Wissenschaftlerin mischt sie die Philosophie auf, als Mitglied des House of Lords die Politik: Baroness Onora O’Neill argumentiert auch mit 78 Jahren messerscharf. Den Brexit bezeichnet sie als «Idiotie», die Rede von der «Vertrauenskrise» als falsche Analyse. Barbara Bleisch fragt nach.

Promoviert hat die umtriebige britische Philosophin bei keinem geringeren als John Rawls. Ihr philosophischer Gewährsmann ist aber in erster Linie Immanuel Kant. Dabei interessierte sie sich nie für reine Exegese, sondern arbeitete immer zu praxisrelevanten Fragen. Ihre Beiträge zu Fragen der globalen Gerechtigkeit, zu unserer Verantwortung gegenüber den Hungernden, zur Reproduktionsmedizin oder zu Menschenrechten sind allesamt Klassiker geworden. Das gilt auch für O’Neills strittige These, Vertrauen sei kein Wert an sich, und auch Kontrolle sei nicht besser. Statt über Vertrauen sollten wir viel mehr über Vertrauenswürdigkeit sprechen; statt Vertrauen zu fordern, sollten wir anderen Grund geben, uns vertrauen zu können. Was heisst das für die Politik? Barbara Bleisch fragt nach. Literatur: Gerechtigkeit über Grenzen. Pflichten in der globalisierten Welt. Claudius 2019. From Principles to Practice: Normativity and Judgement in Ethics and Politics, Cambridge 2018. Autonomy and Trust in Bioethics. Cambridge 2001. English version: https://www.youtube.com/watch?v=iSb44wDaAtU

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