19.04.202013097 Ansichten

Corona: Verschwörungsmythen und andere Seuchen

In Krisenzeiten haben Verschwörungstheoretiker Hochkonjunktur. In den Sozialen Medien kursieren seit Wochen Falschmeldungen, religiöse Deutungsversuche oder bewusst gestreute Verschwörungstheorien. Ein Phänomen, welches auch schon zu Seuchenzeiten zu beobachten war.

Im 14. Jahrhundert forderte die grosse europäische Pestepidemie 25 Millionen Todesopfer, etwa ein Drittel der Bevölkerung Europas. Die Ärzte standen der Krankheit ratlos gegenüber, eine medizinische Erklärung für die Seuche gab es noch nicht. So verbreitete sich das Gerücht, Juden könnten dafür verantwortlich sein. Man unterstellte ihnen, die Brunnen vergiftet zu haben. In der Folge wurden hunderttausende Juden in ganz Europa ermordet. Pest, Spanische Grippe, Cholera, Aids, Corona: In Krisenzeiten scheinen die Menschen besonders anfällig für irrationales Verhalten. Wenn die Welt geordnet abläuft, obsiegt die Vernunft, die Ratio. Aber wenn Krisen auftreten – Naturkatastrophen, Kriege, Epidemien – dann kippt es Richtung Mythos. Apokalyptiker sehen in der Seuche die Anfänge der Endzeit, die Seuche als Sühne für irdische Schuld. Andere sehen in ihr eine geheime, organisierte Dezimierung der Weltbevölkerung. Seuchen und ihre Deutungsversuche: Olivia Röllin im Gespräch mit Martina King, Medizinhistorikerin an der Universität Fribourg, und Michael Blume, Religionswissenschaftler und Antisemitismus-Experte.

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