Böse Frauen im Kino Erstmals schlägt eine Frau im deutschen Kino richtig zu

Beinharte Frauen schlagen sich nun auch im deutschsprachigen Kino durch. Die Schauspielerin Ella Rumpf sieht ihre Rolle in «Tiger Girl» aber nicht nur als Kämpferin, sondern auch als Revolutionärin im Kleinen.

Baseballschläger liegt auf dem Boden, zwei Beine stehen davor. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tiger schert sich einen Dreck um Regeln und schlägt auch mal mit dem Baseballschläger zu. Constatin Film

  • Tiger ist eine starke, gewaltbereite, aber auch fürsorgliche Rolle. Eine Art gewalttätige Pippi Langstrumpf.
  • In Japan und den USA haben diese Frauenrollen inzwischen Tradition und stehen ihren männlichen Pendents in nichts nach.
  • Im deutschen Film gibt es kaum vergleichbar brutale Frauenfiguren wie Tiger.

«Tiger Girl ist eine sehr eigenständige Figur, die nach ihren eigenen Regeln lebt, ihre Prinzipien hat. Wer dabei ein Hindernis ist – kann auch mal auf die Fresse kriegen.» So beschreibt Ella Rumpf ihre Titelrolle in «Tiger Girl».

Tiger Girl ist stark, autonom, fürsorglich für ihre Freunde und rotzfrech am Rande der Gesellschaft.

Ella Rumpf

Tiger Girl und harte Frauen im Kino
Die Schweizer Schauspielerin Ella Rumpf ist mehrsprachig und international unterwegs. Als verstockte junge Frau mit Kürzest-Haarschnitt ist sie in Simon Jaquemets Schweizer Adoleszenz-Drama «Chrieg» aufgefallen. Nun explodiert die 22-Jährige im deutschen Kino-Hammer «Tiger Girl».
«Keine 3 Minuten – Die Filmkritik für Eilige» zu «Tiger Girl»
Rezension zum Film «Chrieg» mit Ella Rumpf

Pippi Langstrumpf in brutal

Irgendwie kommt einem das bekannt vor. Auch Ella Rumpf sieht die Parallelen zu Pippi Langstrumpf. Doch sieht sie auch die Unterschiede zwischen Astrid Lindgrens starkem Mädchen und der jungen Frau mit dem Baseball-Schläger: «Tiger ist gewalttätiger.»

Vom Mädchen zum Monster – der starke Auftritt der Ella Rumpf

4:37 min, aus Kulturplatz vom 5.4.2017

Vorreiterinnen kommen aus Japan

In den 1970er-Jahren, als die Gewalt im kommerziellen Kino, vor allem in den sogenannten Exploitation Movies zunahm, gab es in Japan die sogenannten «Pink Movies» mit gewaltbereiten Frauenfiguren. Sie standen ihren männlichen Vorbildern in den Rocker- und Motorradfilmen in nichts nach.

Mords Frauen aus den USA

In den USA machte Busenfetischischt Russ Meyer Kasse und Furore mit seinen ebenso üppigen wie gewaltbereiten Frauenfiguren in Filmen wie «Faster Pussycat, Kill Kill».

Die Spuren all dieser Frauenfiguren finden sich heute wieder – etwa in der von Uma Thurman gespielten Killerin in «Kill Bill», der durchgeknallten Anti-Superheldin Harley Quinn in «Suicide Squad» oder in Scarlett Johansons «Lucy» im gleichnamigen Film.

In der «Resident Evil»-Reihe metzelt Milla Jovovich bereits seit 15 Jahren nicht nur Zombies in Massen, sondern auch Bösewichte und Widersacher.

Tiger Girl kennt kaum Konkurrenz

Im deutschen Kino gibt es kaum Beispiele für diese den männlichen Genrefiguren nachempfundenen Heroinen. In seiner durchgeknallt ungebremsten Art gehe «Tiger Girl» durchaus auch auf diese Vorgängerinnen zurück, sagt Ella Rumpf.

Denn Tiger Girl kann zuschlagen, und sie nutzt die Gewalt auch zum persönlichen Vorteil, aber sie ist eher kleinkriminell und individual-anarchistisch als amoralisch.

Revolutionärin im Kleinen

Ella Rumpf sieht sie gar als Revolutionärin im Kleinen: «Ihr Ziel ist nicht etwas Grosses zu erreichen, aber im Alltäglichen etwas zu verändern. Die Leute aus den Komfortzonen zu locken, die Leute zum Nachdenken zu bringen. In die kleinen Sachen im Alltag versucht Tiger Farbe reinzubringen. Das ist ihr Beitrag.»

Das schafft der Film etwa über den Kniff, dass sie sich einen Spass daraus macht, die künstliche Autoritätsverleihung ihrer Securitas Uniform auszunutzen. In einem grossen Einkaufszentrum unterzieht sie wildfremde Leute willkürlich einer Taschenkontrolle. Die Leute kooperieren angesichts der Uniform.

Ella Rumpf ist nicht für immer ein Tiger Girl

Ella Rumpf ist mir ihren Rollen gewachsen und dankbar für diese herausfordernden Rollen. Angst, darauf festgelegt zu werden, hat die 22-Jährige nicht, sie setzt aufs Älterwerden und damit auf einen natürlichen Wandel in den Rollen.

Sendung: SRF 2 Kultur, Kontext, 6.4.2017, 9:02 Uhr.

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