Heute zählt nicht mehr nur die Energieeffizienz im Winter. Immer wichtiger wird auch die Frage, wie angenehm kühl ein Gebäude im Sommer bleibt.
In Zürich kann es inzwischen vorkommen, dass eine Attikawohnung mit grossen Fensterflächen, Balkon und Seeblick an Attraktivität verliert, weil sie sich während der immer häufigeren Hitzewellen stark aufheizt. Für Bauherren, Investoren und Eigentümer wirft das neue Fragen auf.
«Wir müssen mittelfristig überlegen, wie sich die Nachfrage entwickelt», sagt Matteo Molteni von der Zürcher Immobilienberatung gegenüber dem Radio und Fernsehen für die italienischsprachige Schweiz (RSI). «Es stellt sich die Frage, ob eine Attikawohnung – bislang die begehrteste Wohnung in einem Gebäude – auch in zehn oder zwanzig Jahren noch gleich gefragt sein wird.»
Die Temperatur beeinflusst den Marktwert
Wie Molteni erklärt, beschäftigen sich inzwischen nicht nur Eigentümer und Mieter mit der zunehmenden Hitze, sondern auch die Akteure des Immobilienmarkts. Die Aussentemperaturen hätten begonnen, sich auf die Bewertung von Immobilien auszuwirken.
«Bis vor wenigen Jahren stand vor allem im Vordergrund, wie gut ein Gebäude die Wärme im Winter speichern kann», sagt er. «Heute ist ebenso wichtig, wie gut es die Hitze im Sommer draussen hält.»
Auch Elia Zuccheddu von der Tessiner Sektion des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) beobachtet diesen Wandel. «Früher standen die Anforderungen im Winter im Mittelpunkt. Heute wünschen sich viele vor allem möglichst kühle Innenräume im Sommer.»
Ein Umdenken bei der Gebäudeplanung
Aus Sicht von Zuccheddu verändert sich damit auch die Planung von Gebäuden. Wärmepumpen können heute oft sowohl zum Heizen als auch zum Kühlen eingesetzt werden. Allein reichen solche Systeme jedoch nicht aus.
«Das Gesetz schreibt vor, dass vor dem Einbau einer Kühlanlage zunächst bauliche Massnahmen geprüft oder umgesetzt werden müssen», erklärt er.
Dazu gehören etwa Sonnenschutzsysteme, leistungsfähige Fenster, eine gute Wärmedämmung sowie eine intelligente Steuerung der Haustechnik.
Die Anforderungen an Gebäude verändern sich damit grundlegend. Architektinnen, Ingenieure und Gebäudetechnikerinnen müssen ihre Lösungen zunehmend aufeinander abstimmen. Der Immobilienbestand dürfte sich deshalb in den kommenden Jahren schrittweise an ein wärmeres Klima anpassen.