Rund einen Monat nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana sind rund siebzig Verletzte mit schweren Verbrennungen noch immer in Spitalbehandlung. Das Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) hat mit Opfern und Angehörigen gesprochen und ihre Erzählungen zusammengetragen.
«Für uns gibt es 2026 nicht. Seit der Silvesternacht steht alles still», fasst Lionel Aubrun den brutalen Umbruch zusammen, den Dutzende Familien erlebt haben.
Aubrun und seine Familie sind nach dem 1. Januar nach Metz umgesiedelt, rund 170 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt, um so nah wie möglich bei ihrem Sohn Matthieu zu sein. Der 27-Jährige hatte zwei Wochen vor der Katastrophe als Kellner in der Bar «Le Constellation» angefangen. Er erlitt schwere Verbrennungen auf rund einem Viertel seines Körpers und schwere Lungenschäden wegen der giftigen Rauchgase.
Die Dokumentation von RTS (dt. Untertitel):
Heute ist Matthieu ausser Lebensgefahr. Die Rehabilitationsphase wird aber lange dauern. Damit die Hauttransplantate vollständig verheilen, dürfe Matthieu etwa zwei Jahre keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein und müsse in diesem Zeitraum 23 Stunden täglich einen Kompressionsanzug tragen, erklärt sein Vater Lionel Aubrun.
«Es hat ihre ganze Clique getroffen»
Xavier Mittaz pendelt zwischen Sitten und Lyon, wo sein Sohn Jérémie, 17 Jahre alt, im Spital liegt. Der junge Mann hatte als Skilehrer gejobbt, um die 250 Franken für die Silvesterparty im «Le Constellation» selbst bezahlen zu können, erzählt der Vater.
Mit Verbrennungen auf fast 20 Prozent seines Körpers brauchte er mehrere Transplantationen. «Wir versuchen, stark zu sein, weil wir diese Stärke unserem Sohn weitergeben müssen», sagt Xavier.
In St. Gallen wachen Alain und Leila Micheloud über ihre beiden Töchter. Farah hat sieben Operationen durchgemacht. «Es hat ihre ganze Clique getroffen. Sie waren zu zehnt am Tisch. Es gibt keine Familie, die verschont wurde», erzählt Mutter Leila.
Sie erzählt von den Stunden nach dem Brand: In einem improvisierten Krisensaal suchten Eltern verzweifelt nach ihren Kindern. «Es war so laut und gleichzeitig so still», erinnert sich Leila. «Alle Eltern waren im Verdrängungsmodus. Niemand wollte mit den Psychologen sprechen. Denn damit hätte man sich eingestanden, dass unsere Kinder vielleicht tot waren.»
Dann kam der Moment, in dem die Polizei DNA-Proben nahm. «Ich überlasse es Ihnen, sich vorzustellen, wie das ist.»
Die drei Familien haben Anzeige erstattet. Lionel Aubrun weiss, dass der Weg lang sein wird. «Ich verspüre keine Wut oder Rachelust. Ich denke, es gibt Leute, die versagt haben. Es liegt an diesen Leuten, zu sagen: ‹Wir haben versagt. Wir werden dafür bezahlen.›»
Die Familie Aubrun geht jeden Tag ins Spital, um Matthieu zu besuchen. «Wir hatten Glück, denn mehrere Personen haben uns kostenlos eine Unterkunft angeboten», erzählt Lionel.
Kosten haben sie dennoch – dank dem Opferhilfegesetz wird ein Teil übernommen. Die Familie wartet zudem auf die 10'000 Franken, die der Kanton Wallis versprochen hat.