Eigentlich steht er nicht gerne im Mittelpunkt, und hat sich darum bisher von der Öffentlichkeit ferngehalten. Nun aber bricht er sein Schweigen. Er könne das Verhalten der beschuldigten Personen, das strafrechtlich untersucht wird, nicht mehr ertragen, sagte er gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). Seiner Ansicht nach übernehme niemand von den Beschuldigten Verantwortung, und das sei «bedauernswert».
Xavier Thévenot ist Vater von Noa. Dieser starb im Alter von 14 Jahren beim Brand in Crans-Montana am 1. Januar. Bei Noa handelt es sich um das jüngste Opfer der Brandkatastrophe. Während diesen Mittwoch und Freitag neue Anhörungen angesetzt sind, macht Thévenot seiner Wut Luft: «Ich will, dass die Wahrheit ans Licht kommt.»
Der Sechzigjährige lebt in Genf. Während eines rund zweistündigen Gesprächs mit RTS erklärt er sich und seinen Zorn, möchte aber auch das Andenken an seinen Sohn aufrechterhalten. Hier lebte Noa mit seinem Halbbruder Paul zusammen. Seine Mutter starb bereits vor einigen Jahren.
«Noa war ein leidenschaftlicher Fussballer», erklärt der Vater. «Er sagte mir oft, dass er dies als Beruf ausüben wollte. In seiner Brust schlug ein Fussball statt eines Herzens.»
«Hier ist es sicher»
Kurz nach Weihnachten beschloss die Familie, in die Ferienwohnung von Crans-Montana zu fahren. Diese liegt rund 300 Meter entfernt von der Bar «Le Constellation». Noa bat darum, in der Bar mit früheren Klassengspändli feiern zu dürfen.
«Ich habe zuerst gezögert», erinnert sich Thévenot. «So etwas hatte ich ihm zuvor nie erlaubt. Aber ich wusste, wie sehr er sich freuen würde, seine Freunde wiederzusehen. Und ich dachte mir auch: Das ist Crans-Montana, die Schweiz. Hier ist es sicher. Er durfte gehen, aber ich sagte ihm noch, er solle mich anrufen, sollte irgendetwas sein.»
Um 1:17 Uhr erhielt der Vater eine letzte Nachricht von seinem Sohn. «Er schrieb mir, dass er mit seinen Freunden zusammen sei und alles super laufe. Er bat mich, noch etwas länger bleiben zu dürfen, weil es der letzte Abend sei, bevor die Familie heimkehre.»
Ich spürte, dass mein Sohn tot ist. Ich spürte es in meinem Inneren.
Der Vater sah die Nachricht in der Neujahrsnacht, hatte aber keine Zeit, darauf zu antworten. Eine halbe Stunde später kam der 18-jährige Paul zu ihm. «Papa, Papa, wir müssen zur ‹Constellation›, es gibt ein Problem», sagte er.
Dort angekommen, sahen sie Ambulanz, Polizei und schwarzen Rauch. «Ich war wie in Trance. Ich suchte Noa überall, fragte Leute, ob sie ihn gesehen hatten, aber niemand antwortete mir.» Die Suche blieb erfolglos. «Ich spürte, dass mein Sohn tot ist. Ich spürte es in meinem Inneren. Ich spürte, wie etwas Starkes mich verlassen hatte.»
Drei Tage später überbrachte ihm die Polizei die Nachricht, dass sein Sohn verstorben sei.
Damit begann eine komplexe Trauerarbeit. Doch auch Monate danach schafft es Xavier Thévenot nicht, das Zimmer von Noa zu betreten. «Ich überlebe. Doch das Leben ist nicht mehr dasselbe. Das Haus ist leer. Es ist schrecklich, ein Kind zu verlieren.»
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