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Wegen fehlender Akteneinsicht Crans-Montana: Ex-Gemeindepräsident verweigert vorerst Aussage

  • Am Mittwochvormittag hat die Walliser Staatsanwaltschaft den früheren für die Unglücksbar zuständigen Gemeindepräsidenten Jean-Claude Savoy angehört.
  • Savoy hatte 2015 die Betriebsbewilligung für die Bar «Le Constellation» mit unterschrieben.
  • Er verweigerte eine Aussage, und zwar, weil er keine Akteneinsicht erhalten hatte, wie sein Anwalt mitteilte.

Savoy traf in Begleitung seines Anwalts auf dem Campus Energypolis in Sitten ein. Vor den Vertreterinnen und Vertretern der Staatsanwaltschaft sowie den zahlreichen anwesenden Anwälten erklärte er gleich zu Beginn seine Haltung.

«Mein Mandant hat die Fragen nicht beantwortet, weil ihm die Akten nicht zugänglich gemacht wurden», erklärte sein Anwalt Bryan Pitteloud. Im weiteren Verlauf beabsichtigt er jedoch, aktiv an der Untersuchung mitzuwirken.»

Wille zur Zusammenarbeit

«Meine aktive Rolle in diesem Dossier liegt im Sommer 2015. Können Sie Fragen beantworten, die 130 Monate zurückliegen? Das ist unmöglich», erklärte der Beschuldigte vor den Medien.

Mann im Anzug von Reportern mit Kameras umgeben.
Legende: Bei der Anhörung verweigerte Jean-Claude Savoy eine Aussage. Er begründete dies mit der fehlenden Akteneinsicht. KEYSTONE/Cyril Zingaro

«Mein Wille zur Zusammenarbeit hat sich sehr früh gezeigt. Bereits am 4. Januar habe ich mich Frau Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud zur Verfügung gestellt», sagte er.

«Sobald ich Zugang zu den Akten habe, werde ich die Fragen beantworten. Ich übernehme meine politische Verantwortung, die in dieser Angelegenheit offensichtlich ist», fuhr der ehemalige Gemeindepräsident fort.

Betriebsbewilligung für Bar mitunterzeichnet

Savoy hatte 2015, noch während seiner Amtszeit als Präsident von Chermignon, eine Betriebsbewilligung für die Bar «Le Constellation» mitunterzeichnet. Vorausgegangen waren Umbauarbeiten, die vom neuen Betreiber Jacques Moretti in Auftrag gegeben worden waren.

In der Bar waren bei einem verheerenden Brand in der Silvesternacht 41 Menschen ums Leben gekommen und 115 weitere verletzt worden. Das Feuer war von Sprühkerzen ausgegangen, welche die Schaumstoffdecke in Brand gesetzt hatten.

Feier in einem Club mit Funken unter Akustikdecke.
Legende: Dieses Bild aus den sozialen Medien zeigt den mutmasslichen Beginn des Brandes in der Bar «Le Constellation». Sprühkerzen auf Champagnerflaschen setzen den Schaumstoff an der Decke in Brand. Archiv/X

Mit der Gründung der Gemeinde Crans-Montana per 1. Januar 2017 setzte Savoy seine politische Laufbahn nicht fort.

Geringes Medieninteresse

Die Vorladung von Savoy für die letzte von der Staatsanwaltschaft für den Monat Mai vorgesehene Anhörung sorgte am Mittwoch nicht für grosses Medieninteresse.

Gebäudeeingang mit Absperrband und zwei Personen davor.
Legende: Damit alle Anwältinnen und Anwälte an den Anhörungen zur Brandkatastrophe teilnehmen können, finden diese auf dem Hochschulcampus Energypolis in Sitten statt. KEYSTONE/Cyril Zingaro

Die Anhörung folgte auf jene des aktuellen Gemeinderats und Sicherheits­verantwortlichen von Crans-Montana, Patrick Clivaz, am Montag sowie auf die Befragung des heutigen stellvertretenden Leiters des öffentlichen Sicherheitsdienstes der Gemeinde Crans-Montana am Dienstag.

In der Affäre müssen sich die derzeit 13 Beschuldigten wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung verantworten. Der frühere für das Bauwesen zuständige Gemeinderat von Chermignon (2013–2016) wird am 3. Juni erstmals von der Staatsanwaltschaft einvernommen – zwei Tage vor einer weiteren Anhörung von Jacques Moretti.

Keine Lockerung der Ersatzmassnahmen

Box aufklappen Box zuklappen
Drei Menschen in Winterkleidung gehen nebeneinander an einem Zaun entlang.
Legende: Die Betreiber des Lokals «Le Constellation»: Jacques und Jessica Moretti. Archiv/REUTERS/Umit Bektas

Wie das Westschweizer Fernsehen RTS berichtete und die Staatsanwaltschaft am Mittwochmorgen der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bestätigte, beantragten die Anwälte von Jacques Moretti und dessen Ehefrau Jessica Ende April eine Lockerung der Ersatzmassnahmen. Ihre Mandanten sollten demnach nur noch einmal pro Woche statt wie seit Januar täglich bei einer Polizeistelle vorsprechen müssen.

Das kantonale Zwangsmassnahmengericht lehnte das Gesuch von Jacques Moretti am 1. Mai ab. Bereits Ende April hatte das Gericht im Fall von Jessica Moretti gleich entschieden.

Die gegen das Ehepaar verhängten Ersatzmassnahmen gelten derzeit für Jessica Moretti bis zum 10. Juli beziehungsweise bis zum 21. Juli für Jacques Moretti. Beide müssen sich somit weiterhin täglich bei einer Polizeistelle melden. Bereits im Januar hatten sie ihre Ausweis- und Aufenthaltsdokumente bei der Staatsanwaltschaft hinterlegen müssen. Zudem dürfen sie die Schweiz nicht verlassen.

SRF 4 News, 13.5.2026, 12 Uhr ; 

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