Die Nachricht, dass das Ehepaar Moretti nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana zwei seiner Gastrobetriebe wiedereröffnen will, hat in Italien einen politischen und medialen Sturm der Entrüstung ausgelöst.
Konkret geht es um das Restaurant «Senso» in Crans-Montana und das «Vieux Chalet» in Lens. Dass die beiden Betriebe möglicherweise bald wieder ihre Türen öffnen, kommt laut einem Bericht vom Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) bei den Familien der Opfer schlecht an und ist derzeit entsprechend ein grosses Thema in den italienischen Medien.
Italiens Botschafter in der Schweiz schlug vor einigen Tagen eine Petition vor, um die Wiedereröffnung des «Vieux Chalet» zu verhindern. «Eine Petition von allen Familien, nicht nur italienischen, sondern auch schweizerischen und französischen, zusammen mit den Bürgern von Lens, um zu verlangen, dass dieses Lokal nicht wiedereröffnet wird», präzisierte Gian Lorenzo Cornado im italienischen Staatssender RAI.
Warum das Thema Italien so stark bewegt:
Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass eine solche Petition gestartet wurde.
RTS hat mit Jacques Moretti über die Angelegenheit gesprochen. Er wollte sich jedoch nicht öffentlich äussern. Fakt ist, dass das Ehepaar Moretti mit zwei kleinen Kindern seit der Brandkatastrophe von Crans-Montana vor rund sechs Monaten ohne Einkommen ist. Das erklärt den Versuch, die Betriebe wiederzueröffnen, auch wenn dieses Argument zumindest bei einem Teil der Öffentlichkeit auf Unverständnis stösst.
Die zuständige Stelle der Gemeinde Lens darf sich nicht öffentlich äussern zum konkreten Fall und sagt lediglich, es handle sich um ein «Dossier wie jedes andere» und werde geprüft, wie jeder andere Betriebsantrag auch.
Beim Brand in der Neujahrsnacht sind sechs italienische Staatsangehörige gestorben. Dass die mediale Berichterstattung und die öffentliche Debatte zum Thema in Italien so intensiv sind, erklärt sich unter anderem dadurch, dass Sendungen über Verbrechen und Gerichtsfälle dort sehr beliebt sind.
Der Rückgriff auf medialen Druck ist aber auch ein Mittel, um Druck auf die Justiz zu machen. Eine Taktik, von der eine Aussage von Italiens Botschafter in der Schweiz in der RAI zeugt: «Ich danke noch einmal der Presse und den Medien für die Berichterstattung, die sie der Tragödie von Crans-Montana widmen. Wir müssen weiterhin die Aufmerksamkeit auf diese Angelegenheit lenken; nur so werden wir Gerechtigkeit erlangen.»