Im Januar kündigte Toto Morand in Genf an, dass er sein Geschäft «Pompes funèbres» nach 28 Jahren schliessen wird. Einen Monat später beginnt auch «Neverland», sein Geschäft für Kinderschuhe in Lausanne, mit der Räumung derLagerbestände.
«Wie viele andere Geschäfte im Bereich Bekleidung und Mode sind wir in eine Situation geraten, in der der Umsatz wegen der Onlineverkäufe stark gesunken ist und wir die Löhne nicht mehr zahlen können», klagt der Waadtländer Unternehmer gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).
Was Betroffene in Lausanne gegen leere Schaufenster tun:
Die Schaufenster seiner beiden Läden sind nicht die einzigen, die leer geräumt werden. Gründe dafür gibt es viele: den Aufschwung des Onlinehandels, steigende Mieten und Nebenkosten, die sinkende Kaufkraft, Parkplatzprobleme, die Auswirkungen des starken Frankens, den Einkaufstourismus, Unsicherheit und Baustellen.
Für Toto Morand steht ganz klar ein Faktor im Vordergrund: die Explosion der Onlineverkäufe, angetrieben von Riesen wie Zalando, Shein und Temu und ihrem Angebot der kostenlosen Rücksendungen. Seine Lösung? «Die Konsumentinnen und Konsumenten müssten für die kostenlosen Rücksendungen eine Gebühr von fünf oder zehn Franken bezahlen, die in einen Klimafonds fliesst. Das würde sofort die Exzesse von Leuten stoppen, die fünf oder sechs Paar kaufen, um sicher zu sein, dass die Farbe für ihr Instagram-Foto stimmt, und dann 90 Prozent davon zurückschicken.»
In der Schweiz erfolgt bei Non-Food-Produkten mittlerweile fast jeder fünfte Einkauf online. Der Anteil hat sich zwischen 2019 und 2025 verdoppelt.
Untermiete für junge Unternehmer
Weil die Miete moderat ist, dank eines Mietvertrags aus dem Jahr 1993, wird Toto Morand die Schlüssel seines Ladenlokals nicht abgeben, sondern dieses an zwei junge Unternehmer untervermieten, die sich im Detailhandel selbstständig machen möchten. «Die Mode ist die Branche, die am stärksten von Schliessungen betroffen ist», betont Morand. «Viele dieser leeren Schaufenster werden in Restaurants, Bars, Lebensmittelgeschäfte, Tattoo-Studios oder Barbershops umgewandelt.»
Um zu erreichen, dass auch andere Geschäfte diese Möglichkeit erhalten, hat sich Morand dem Verein Économie Région Lausanne (ERL) angeschlossen. Unterstützt von der Stadt Lausanne versucht dieser, Verwaltungen davon zu überzeugen, ihnen leere Geschäftsräume zu reduzierten Preisen zu vermieten. «ERL bürgt für die Miete, und dann vermieten wir diese Fläche an junge Leute weiter, die einen tragfähigen Businessplan haben», präzisiert Helena Druey, Generalsekretärin von ERL.
Und sie fügt hinzu: «Idealerweise sollte die Miete 300 Franken pro Quadratmeter nicht überschreiten, damit ein Händler in der Mode durchkommt. Doch wir liegen in der Lausanner Innenstadt bei 700 bis 1500 Franken.»
Die Verwaltungen davon zu überzeugen, ihre Mieten zu senken, ist nicht einfach. «Viele Verwaltungen haben lieber leer stehende Räume», klagt Druey. «Aber wir haben eine Verwaltung gefunden, die hinter unserem Plan steht. Sie hat gemerkt, dass sie das gleiche Interesse hat wie wir, nämlich dass die Stadt attraktiv bleibt.»