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Energie für die digitale Welt Hohe Dichte an Rechenzentren bringt Schweizer Stromnetz ans Limit

Die Dichte an Rechenzentren ist in der Schweiz pro Kopf so hoch wie in kaum einem anderen Land. Damit steigt auch der Stromverbrauch massiv an. Fachleute rechnen mit einer Verdoppelung des Energiebedarfs bis 2030.

Rechenzentren sind zentral für unsere hypervernetzte Welt – von Cloud-Diensten bis hin zur Nutzung künstlicher Intelligenz (KI). In der Schweiz machen sie sechs bis acht Prozent des Stromverbrauchs aus. Dieser Anteil dürfte mit dem Bau neuer Zentren weiter steigen.

Bereits heute gibt es in der Schweiz rund 120 Rechenzentren. Mehr als zehn Projekte sollen in den kommenden drei Jahren hinzukommen. Damit gehört die Schweiz zu den Ländern mit der weltweit höchsten Dichte an Rechenzentren pro Kopf. 

Die Bedingungen sind für Rechenzentren hierzulande attraktiv. Zum einen stammt der Grossteil des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen, insbesondere Wasserkraft, und Kernkraft, also aus Quellen ohne CO₂‑Ausstoss.

Hinzu kommen die politische Stabilität und die starke Binnennachfrage nach digitalen Dienstleistungen, besonders im Finanzsektor. Die relativ tiefen Durchschnittstemperaturen ermöglichen ausserdem eine effizientere Kühlung der Server.

Die meisten dieser Zentren befinden sich in Zürich. Giganten wie Google, Microsoft und Amazon Web Services mieten hier Flächen von lokalen Anbietern. Dabei ist das Stromnetz von Zürich schon heute bis an seine Grenze belastet.

«Mit der Zunahme der Anzahl Rechenzentren steigen auch die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Netzbetrieb», schreiben die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) auf Anfrage von Swissinfo. Werden neue Umspannwerke gebaut, so die EKZ, dann in erster Linie, um den wachsenden Strombedarf von Rechenzentren zu decken.

Infolgedessen expandieren einige Betreiber von Rechenzentren nun in andere Kantone wie Aargau und Schaffhausen. «In Zürich gibt es kaum noch Flächen für neue Rechenzentren», berichtet David Schoch vom Immobiliendienstleister CBRE. «Und die Stromverfügbarkeit ist noch begrenzter.»

Innenleben eines Rechenzentrums bei Genf
Legende: Innenleben eines Rechenzentrums bei Genf. KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI

Länder wie Irland und die Niederlande, die ebenfalls eine hohe Konzentration an Rechenzentren aufweisen, haben aufgrund der Sättigung der Netze bereits Neubauten eingeschränkt.

KI als zusätzlicher Treiber

In den vergangenen zehn Jahren ist der Gesamtenergieverbrauch der Schweiz stabil geblieben, während der Pro-Kopf-Verbrauch dank milderer Winter und Effizienzsteigerungen sogar zurückgegangen ist. Doch mit dem Wachstum der Rechenzentren dürfte sich das bald ändern.

Adrian Altenburger, Professor an der Hochschule Luzern, rechnet damit, dass die Rechenzentren bis 2030 10 bis 15 Prozent des Stromverbrauchs der Schweiz ausmachen. Das ist mehr als der gesamte Energiebedarf des Kantons Zürich im Jahr 2023.

Die Beschaffung des erforderlichen Stroms aus erneuerbaren Energien wird laut Altenburger eine Herausforderung sein, da Rechenzentren das ganze Jahr über rund um die Uhr die gleiche Menge an Energie verbrauchen. Wegen dieses konstanten Bedarfs fordern manche Politiker und Expertinnen den Ausbau der Bandenergie, beispielsweise durch Wasser- oder Kernkraft.

Die rasante Verbreitung von KI birgt zudem die Gefahr, dass Schweizer Rechenzentren noch energieintensiver werden. Die Forscherin Louise Aubet, Mitautorin eines Berichts über die Umweltauswirkungen der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche in der Schweiz, geht davon aus, dass KI den Strombedarf von Rechenzentren «drastisch» erhöhen wird.

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SRF, Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 6.1.2026, 6:31 Uhr;brus

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