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Energieversorgung im Sommer Die Abhängigkeit vom Wasser ist ein Problem für Atomkraftwerke

Die wiederholten Hitzewellen offenbaren einen Schwachpunkt der Atomkraft: Sie ist zur Kühlung auf Wasser angewiesen.

Auf jede Hitzewelle folgen Meldungen, wonach Atomkraftwerke ihre Aktivität reduzieren mussten. Der Grund dafür: Die Flüsse, die sie kühlen, sollen nicht überhitzt werden. Am 26. Juni schaltete der Schweizer Stromkonzern Axpo die beiden Reaktoren von Beznau ab.

Frankreich schaltete drei Kraftwerke ab und reduzierte die Aktivität von sieben weiteren.

Aare mit bewaldetem Ufer und einem Reaktor des AKW Beznau.
Legende: Ohne Wasser keine Kühlung: in Zeiten wiederkehrender Hitze ein wachsendes Problem für Atomkraftwerke wie Beznau. KEYSTONE / Gaetan Bally

«Ein Atomkraftwerk muss – wie jedes thermische Kraftwerk – ständig gekühlt werden», erläutert Massimiliano Capezzali, Professor am Institut für Energien an der Fachhochschule für Ingenieurwesen und Management des Kantons Waadt, gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI). Die Kühlung erfolgt durch das Wasser von Flüssen, Seen oder dem Meer.

Stromversorgung nicht gefährdet

Bei extremer Hitze nimmt jedoch die Verdunstung zu, der Durchfluss der Flüsse verringert sich, und die durchschnittliche Wassertemperatur steigt. «Die schweizerische Gesetzgebung sieht vor, dass keine Wärmequellen mehr in den Fluss eingeleitet werden dürfen, wenn die durchschnittliche Temperatur des Flusses über 25 Grad Celsius steigt», präzisiert Capezzali. Die Kraftwerke reduzieren zunächst die Leistung und werden dann vollständig abgeschaltet, um die Wasserfauna zu schützen.

Hören Sie, was der Experte zum Potenzial von Minireaktoren sagt:

Atomkraftwerke erzeugen etwa ein Drittel der Stromproduktion der Schweiz. Laut dem Experten stellen die sommerlichen Abschaltungen für die Stromversorgung in der Schweiz kein Risiko dar. «Im Sommer gab es nie Probleme mit Knappheit, auch dank der hohen Verfügbarkeit erneuerbarer Energien, besonders der Photovoltaik», versichert er.

Die Abschaltungen sind aber eine finanzielle Belastung für die Betreiber, da diese während einiger Tage oder Wochen keinen Strom verkaufen können. Da der Strom im Sommer weniger kostet als im Winter, hält sich der Schaden aber in Grenzen.

Minireaktoren im Vorteil?

In der Debatte über die Wiederbelebung der Atomkraft in der Schweiz ist oft die Rede von kleinen modularen Kernreaktoren. Nach Ansicht von Capezzali haben sie in Zeiten des Klimawandels einen Vorteil: «Da sie eine viel kleinere Leistung und damit einen geringeren Kühlbedarf haben, könnten sie tatsächlich eine gute Lösung darstellen.»

Anders sieht das Frédéric Jeannin, Energieexperte am Institut für internationale und strategische Beziehungen (IRIS) in Paris. Kleine modulare Kernreaktoren seien auf kommerzieller Ebene noch wenig verbreitet. Darum seien viele Fragen noch unbeantwortet, unter anderem wie gross das Risiko ist, dass radioaktives Material austritt, und inwieweit sie tatsächlich zur Energiewende beitragen können.

Wenn man über Atomkraftwerke und extreme Hitze spricht, gibt es zudem ein Paradox: Die Klimaerwärmung könnte den Durchfluss der Alpenflüsse wegen des Abschmelzens der Gletscher erhöhen. Das könnte einen mässigenden Effekt auf den Anstieg der Flusstemperatur im Sommer haben. Capezzali relativiert aber: «Dies wäre ein vorübergehender Nutzen, da diese Gletscher in einigen Jahrzehnten nicht mehr existieren werden.»

Besteht eine Möglichkeit, die Abhängigkeit der Atomkraftwerke vom Wasser zu verringern? «Unglücklicherweise ist die Thermodynamik sehr hartnäckig, und die Kühlung ist Teil jedes Energieumwandlungsprozesses», sagt Capezzali. Es wird darum gehen, die Produktion und den Verbrauch auf intelligente Art mit der Verfügbarkeit des Wassers in Übereinstimmung zu bringen.

Diskutieren Sie mit:

RSI, Alphaville, 15.7.2026, 11:45 Uhr ; wilh

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