Die meisten Grenzposten rund um Genf werden während des Gipfeltreffens vom 15. bis 17. Juni für den Verkehr gesperrt sein, ebenso der Autobahnabschnitt, der den Kanton Genf mit Frankreich verbindet. Der Verband der Transportbranche und Genfer Wirtschaftskreise protestierten gegen diesen Entscheid.
Auch die Bäuerinnen und Bauern sind verärgert. Ihre Sorge gilt der ersten Ernte, die mit grossen Schritten näher rückt. Die Sicherheitsmassnahmen sind in ihren Augen unverhältnismässig. «Sie nehmen keinerlei Rücksicht auf die in der Landwirtschaft übliche Praxis», sagt Patricia Bidaux, Abgeordnete im Kantonsparlament der Mitte-Partei und Präsidentin des Berufsverbands Agrigenève, gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).
Hören Sie die Äusserungen der Bauernvertreterin Patricia Bidaux:
«Wir haben dieses Jahr eine Saison, die schon weit fortgeschritten ist. Wie sollen wir auf der anderen Seite der Grenze ernten, was geerntet werden muss?», fragt sie. Ihrer Ansicht nach werden die wenigen Grenzposten, die geöffnet bleiben sollen, nicht ausreichen, um all die Mähdrescher und Traktoren zu verkraften, die täglich für die Ernten benötigt werden.
Historisch gewachsene Praxis
Der landwirtschaftliche Grenzverkehr in der Region sei historisch gewachsen, ruft Bidaux in Erinnerung. Im Jahr 1815 sei dieser durch besondere Abkommen über die Freizone festgeschrieben worden, aufgrund der Bewirtschaftung von Grundstücken auf beiden Seiten der Grenze. Diese Abkommen verbieten den Genfer Bäuerinnen und Bauern jedoch, Material in Frankreich zu lagern.
«Wir können nicht von einem Tag auf den anderen vorausplanen», erläutert Bidaux. «Es ist auch verboten, frisch auf französischem Territorium geerntete Waren zu lagern. Man könnte sich denken, dass die französischen Nachbarn vielleicht aushelfen könnten, aber auch das ist nicht erlaubt. Wir zerbrechen uns also dauernd den Kopf, um Wege zu finden, wie wir arbeiten können.»
Eine Verschiebung der Ernte um wenige Tage ist in den Augen der Mitte-Politikerin undenkbar. «Es gibt Momente, in denen es zwingend notwendig ist, auf die Felder zu gehen, um zu ernten», betont sie. «Wir haben Verpflichtungen, die mit der Natur verbunden sind, wir arbeiten mit Lebendigem.»
Auch die Lieferung frischer Waren werde für die Genfer Gemüsebauern unter diesen Bedingungen «stark erschwert» sein.
Darum fordern Bidaux und ihr Verband Agrigenève: «Wir verlangen Ausnahmeregelungen, insbesondere für die Nutzung der Feldwege, ganz simpel. Wir brauchen Routen, die für landwirtschaftliche Fahrzeuge wirklich befahrbar sind, und zusätzliche Grenzposten.»