Mitte April wurden Gegenstände von mindestens einem Dutzend Kundinnen und Kunden aus dem öffentlichen Pfandleihhaus von Genf gestohlen. Sachwert: über 600'000 Franken. Die Betroffenen sollen offenbar noch nicht über den Diebstahl informiert worden sein, wie das Westschweizer Radio und Fernsehen RTS schreibt. Das kantonale Finanzdepartement von Genf – welches für die Aufsicht über das öffentliche Pfandleihhaus zuständig ist – bestätigt, dass Anzeige erstattet wurde und eine Strafuntersuchung laufe.
Der RTS-Bericht mit deutschen Untertiteln:
Weitere Informationen, etwa über die genauen Umstände des Diebstahls, gibt das Finanzdepartement nicht – aufgrund von laufenden Untersuchungen. Mehrere Quellen sprechen gegenüber RTS jedoch davon, dass der Hauptverdächtige ein Angestellter des Pfandleihhauses sein soll – und, dass mehr Gegenstände entwendet wurden als ursprünglich angenommen. Die vollständige Inventur ist noch im Gange.
Länger anhaltende Krise
Der Diebstahl erfolgt in einer volatilen Lage. Im März wurden Lücken bei der Inventur und Kontrolle der verpfändeten Gegenstände und eine mangelhafte Leitung angeprangert. So soll auch Personal ohne systematische Überprüfung der Strafregister eingestellt worden sein.
Das Pfandleihhaus reagierte auf diese Kritik und gelobte Besserung, insbesondere indem es diese Dokumente der Angestellten verlangte. Zudem wurde versichert, dass noch nie ein Gegenstand verloren gegangen sei.
Die beiden Leiterinnen des Pfandleihhauses, Lorella Bertani (SP) und Lynn Bertholet (ehem. Grüne), hatten grosse Teile dieser Überprüfung angefochten, ehe sie vor zwei Wochen dann zurücktraten.
Laut dem Genfer Finanzdepartement stehen diese Rücktritte nicht in direktem Zusammenhang mit dem Diebstahl. Des Weiteren wird versichert, dass in dieser Umbruchstimmung und mit Blick auf die aktuellen Vorfälle die strenge Aufsicht über das Pfandleihhaus aufrechtzuerhalten ist.