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Investieren als Engagement Sie kaufen Wald, um ihn zu schützen

Rund ein Drittel des Schweizer Waldes ist in privater Hand. Manchen Eigentümern geht es nicht um Gewinn, sondern um die Natur. Eine Bürgerbewegung, die über Grenzen hinausgeht.

Laurent Thévoz hat vor zehn Jahren einen Wald im Montagny (FR) gekauft. «Er ist nicht lebensnotwendig für mich», sagt er im Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). «Es ist ein Akt der Liebe zum Leben.»

Vor drei Jahren habe er Kastanienbäume gepflanzt. Mittlerweile seien sie schon höher als er, erzählt Thévoz.

Person im leichten Wald mit orangefarbener Kappe.
Legende: «Es ist für jeden erschwinglich»: Laurent Thévoz in seinem Wald. RTS

Als Waldeigentümer hat er keine Unterhaltspflicht auf seinem Grundstück, er darf einfach nichts Dauerhaftes bauen. Er könnte sein Holz verkaufen, hat sich aber dafür entschieden, nichts zu fällen. Stattdessen hat er eine Altholzinsel geschaffen – eine Fläche, auf der Bäume bis zu ihrem natürlichen Zerfall stehen gelassen werden. Das schafft Habitate für Lebewesen und Organismen.

Thévoz sagt, es gebe viel Wald zu kaufen. Aber: «Kaum jemand weiss, dass man für 1 Franken pro Quadratmeter Wald kaufen kann. Es ist für jeden erschwinglich.» Er selbst habe für seine 7700 Quadratmeter rund 9000 Franken bezahlt.

In der Schweiz besitzen 245'000 Privatpersonen ein Stück Wald. Im Gebiet um den Mont Vully (FR) will die Umweltorganisation Pro Natura aus kleinen Privatbesitzen ein Waldreservat schaffen. Weil viele Waldstücke mehrfach weitervererbt wurden, sind die Parzellen heute oft zerstückelt. Das führt zu grossen Unterschieden bei der Bewirtschaftung.

Auch ganze Gruppen kaufen Wald, um ihn zu schützen:

«Im Umkreis von hundert Metern um uns herum sind etwa zwanzig kleine Parzellen. Es ist so eng, dass man fast nicht sagen kann, welcher Baum auf welcher Parzelle steht», sagt Léo Constantin, Projektleiter Biodiversität im Wald bei Pro Natura Freiburg.

Das Ziel ist, diese Parzellen zurückzukaufen, um sicherzustellen, dass sie auch in Zukunft nachhaltig bewirtschaftet werden. Eine mühselige Kontaktarbeit, für die die öffentlichen Behörden oft nicht die Ressourcen haben. «Wenn es in sechzig Jahren eine Energiekrise gibt, könnte es sein, dass diese Wälder abgeholzt werden und alle über die Jahrzehnte angesammelten Naturwerte verloren gehen. Wir wollen das auf sehr lange Sicht dauerhaft machen», sagt Constantin.

Drei Viertel der Schweizer Wälder gehören der öffentlichen Hand – und dennoch seien solche Aktionen im Bereich der eher kleinräumigen Privatwälder tatsächlich sinnvoll, sagt Lukas Friedli, Forstingenieur im Kanton Freiburg. Dort fördern die Behörden das Vorgehen sogar.

«Wenn wir draussen mit privaten Eigentümern unterwegs sind, sagen wir ihnen: Das hier ist ein biologisch interessanter Baum, vielleicht wollen Sie ihn stehen lassen, weil das Holz keinen grossen Wert hat, aber viele Mikrohabitate enthält», sagt er. Eine Waldbiodiversität, die besonders jenen kleinen Arten nützt, von deren Existenz wir oft nichts mitbekommen.

Im benachbarten Frankreich haben sich zivilgesellschaftliche Gruppen mit dem gleichen Ansatz gegründet. Wenige Minuten von der Schweizer Grenze entfernt haben sich Bürgerinnen zur Gruppe «Forêts Naturelles du Jura» zusammengeschlossen, um Wälder zu kaufen und nachhaltig zu bewirtschaften. Alle der mittlerweile 17 Mitglieder sind über ein System von Anteilen auch Miteigentümer.

«Ich glaube, man darf nicht alles vom Staat erwarten. Wir Bürger können handeln, wir haben eine Rolle zu spielen», sagt Co-Präsidentin Christine Combe.

In der Schweiz werden Waldschutz-Reservate vor allem in den Bergen eingerichtet. Im Mittelland sind sie bisher selten. Vielleicht ändert sich das mit solchen Bürgerinitiativen.

RTS, 19h30, 7.6.2026, 19:30 Uhr;weds

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