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Klima-Zwischenbericht Klimaziele in Gefahr: Zürcherinnen und Zürcher fliegen zu viel

Die Zürcherinnen und Zürcher fliegen im Durchschnitt mehr als 10'000 Kilometer pro Jahr. Damit belasten sie das Klima mehr als der sonstige Energieverbrauch der Stadt zusammen.

Zürcherinnen und Zürcher stossen heute etwa zwanzig Prozent mehr CO₂ aus als noch 1990. In erster Linie sind das externe Emissionen, also importierte Waren und Dienstleistungen. 

Dazu zählt auch das Fliegen als grösster Verursacher von Treibhausgasemissionen, das im Durchschnitt etwa fünfzig Prozent mehr CO₂ verursacht als alle anderen Aktivitäten der Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt. 

Konkret flogen Zürcherinnen und Zürcher im Jahr 2024 durchschnittlich 10'500 Kilometer pro Person – das entspricht etwa einem Hin- und Rückflug von Zürich nach Dubai pro Jahr. Das zeigt der jüngste Klima-Zwischenbericht der Stadt Zürich.

Diese Vielfliegerei stellt eine Herausforderung für die Behörden dar. «Das Zürcher Klimaziel ist erreichbar. Aber nicht, wenn sie so weitermachen wie bisher», sagt Sascha Nick, der sich an der ETH Lausanne mit Konsum und gesellschaftlichem Wandel beschäftigt.

Ein genauerer Blick auf den Fussabdruck von Zürich 

Gemessen am Territorium sieht die Emissionsbilanz von Zürich allerdings wie ein Erfolg aus. 

Denn die direkten Emissionen sind in den letzten Jahren, im Gegensatz zu den externen Emissionen, stetig gesunken und liegen heute bei rund 2.2 Tonnen CO₂-Äquivalenten pro Person.

Wie Zürich die individuellen Emissionen berechnet 

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Viele Städte haben Einwohnerinnen und Einwohner, die viel fliegen, aber Zürich ist eine der wenigen Städte, die eine Messung durchführen, die die individuellen Kohlenstoffemissionen so genau berechnet. Die Stadt kombiniert direkte CO₂-Messungen in der Atmosphäre mit einem detaillierten, verbrauchsbezogenen Emissionsinventar. 

Im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts ICOS Cities haben Forschende der Empa in Zürich hochpräzise Sensoren installiert, die den CO₂-Ausstoss der Stadt messen. 

Emissionen, die ausserhalb der Stadt entstehen, sogenannte indirekte Emissionen, werden anhand detaillierter Daten über die Ausgaben der Einwohnerinnen und Einwohner, ihr Reiseverhalten und ihre Lieferketten geschätzt. 

«Verlässliche Emissionsdaten, die auf atmosphärischen Beobachtungen beruhen, sind entscheidend, um den Netto-Null-Aktionsplan der Stadt zu unterstützen», sagt Lukas Emmenegger, der die CO₂-Messungen der Empa in Zürich leitet. 

Zürich war neben Paris und München eine von drei Pilotstädten im Rahmen des ICOS-Cities-Projekts, das zur Entwicklung neuer städtischer CO₂-Überwachungsmethoden beitrug. Obwohl die offizielle Pilotphase nun abgeschlossen ist, wollen die beteiligten Forschenden die Instrumente und Erkenntnisse aus dem Projekt nutzen, um andere Städte bei der Einrichtung ähnlicher Überwachungssysteme zu unterstützen. 

Zum Vergleich: Kopenhagen, eine Stadt, die oft für aggressive Klimamassnahmen zitiert wird, meldete im Jahr 2024 rund eine Tonne CO₂ pro Person, während Berlin im selben Jahr rund 3.6 Tonnen CO₂ pro Person meldete. 

Balkendiagramm zu CO2-Emissionen nach Reiseart
Legende: Swissinfo

«Dies bestätigt, dass unsere lokalen Massnahmen in den Bereichen Gebäude, Mobilität und Energie wirksam sind», sagt Andreas Hauri, Zürcher Stadtrat und Vorsteher des Gesundheits- und Umweltdepartements. 

Die Emissionen Zürichs können nicht reguliert werden 

Nach Ansicht der Stadtverwaltung sind die Emissionen aus dem Luftverkehr eher das Ergebnis struktureller Gegebenheiten als eines mangelnden Bewusstseins. Fliegen ist relativ billig und leicht zugänglich.

Die hohe Kaufkraft der Zürcherinnen und Zürcher und die internationalen Verbindungen der Stadt verstärken diesen Effekt. 

Die Stadt könne nur versuchen, das Fliegen durch Sensibilisierungskampagnen und die Förderung von Alternativen, wie dem internationalen Schienenverkehr und Nachtzügen, einzuschränken – Optionen, die weitgehend von nationalen und internationalen Investitionen abhängen.

Schweiz mit den höchsten CO₂-Emissionen weltweit

Gemessen am Verbrauch gehört die Schweiz zu den Ländern mit den höchsten Emissionen weltweit. Im Jahr 2023 beliefen sich die mit dem Konsum der Schweizer Bevölkerung verbundenen Emissionen auf etwa 13.3 Tonnen CO₂ pro Person, womit das Land neben Südkorea und Australien und vor Kanada, Taiwan und Luxemburg liegt, um nur einige Länder zu nennen.

Nur wenige Länder – darunter die Vereinigten Staaten und Belgien sowie mehrere energieexportierende Staaten – verzeichneten höhere Pro-Kopf-Verbrauchsemissionen. 

Rendez-vous, 20.1.26, 12.30 Uhr;weds

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