Die vergangene Woche war in den Alpen geprägt von der ausserordentlich hohen Lawinengefahr. Im Kanton Wallis erreichte sie in mehreren Regionen zeitweise die höchste Stufe. Mehrere Lawinen gingen spontan ab, insbesondere in der Region Zermatt.
Für Schlagzeilen sorgte am vergangenen Dienstagmorgen insbesondere eine Pulverschneelawine, die zwischen Täsch und Randa einen Zug der Matterhorn-Gotthard-Bahn erfasste. Verletzt wurde dabei niemand, für die Passagiere war es dennoch ein dramatisches Erlebnis. Kirsten Kries, eine australische Touristin, die in dem Zug mitfuhr, hat die Szene gefilmt.
Beitrag von RTS (dt. Untertitel):
«Ich schaute die Berge an, und da war so etwas wie eine kleine Wolke», erzählt Kries gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). Sie habe dann ihr Handy gezückt, um zu filmen. «Als ich mich wieder zum Fenster drehte, war sie riesig geworden!»
Das Video, das sie aufgenommen hat, zeigt die Geschwindigkeit und die Kraft des Ereignisses. «Schnee klebte am Fenster, es hatte auch kleine Äste», sagt sie.
Bis zu 300 Kilometer pro Stunde
Pulverschneelawinen können Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern erreichen. Laut dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) entstehen sie, wenn sich eine grosse Menge Schnee an einem steilen Hang mit Luft vermischt und eine dichte und spektakuläre Wolke bildet.
Einen Tag vor dem Vorfall in Zermatt brachte eine Lawine bei Goppenstein auf der Linie Frutigen–Brig einen Zug der BLS zum Entgleisen, wobei fünf Personen verletzt wurden.
Die Gefahr bleibt
Laut dem Lawinenexperten Robert Bolognesi war die Situation vergangene Woche sehr aussergewöhnlich. Und er warnt vor einem trügerischen Sicherheitsgefühl: Das Ende der Niederschläge bedeute nicht das Ende der Gefahr.
«Es ist gefährlich für die Skifahrer. Man könnte jetzt denken, dass sich die Situation stabilisiert hat, weil man keine spontanen Lawinen oder andere Warnsignale mehr beobachtet. Trotzdem kann es zwei oder drei Wochen später noch zu Lawinen kommen, aufgrund der Bedingungen von letzter Woche.»
Die Sonne ist zurückgekehrt, die Skigebiete sind weiterhin voll und es ist nach wie vor Wachsamkeit geboten. Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF meldet aktuell eine «erhebliche» Gefahr (Stufe 3 von 5) für den gesamten Alpenraum.