Ein Schlag gegen die internationale Drogenmafia zieht Kreise im Tessin. Vergangene Woche wurde bekannt, dass Ermittler gleichzeitig in Frankreich, Italien und der Schweiz zugeschlagen hatten.
Koordiniert wurden die Ermittlungen von Europol; mit dabei war auch das Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol). Insgesamt wurden sieben Personen verhaftet, vier in Frankreich und drei in Italien.
Der Fall hat eine gewichtige Verbindung in die Schweiz, wie das Radio und Fernsehen der italienischsprachigen Schweiz (RSI) berichtet: Vier der sieben Verhafteten wohnten in der Bündner Gemeinde Roveredo im Misox. Alle hatten eine Aufenthaltsbewilligung B.
In der Gemeinde Roveredo hält man sich bedeckt (dt. Untertitel)
Es handelt sich einerseits um einen 52-Jährigen und seinen 24-jährigen Sohn. Ebenfalls in Roveredo wohnte die 37-jährige Partnerin des 52-Jährigen. Sie ist die Tochter eines Montenegriners, der ebenfalls bei der Aktion verhaftet wurde. Er galt bei Europol als «hochrangiges Ziel» und war europaweit gesucht.
Weiter wurde ein 44-jähriger Italiener verhaftet, der in Roveredo im Nachbargebäude wohnte.
Die Aktion richtete sich gegen ein internationales Kokainhandels- und Geldwäschenetzwerk, das von der neapolitanischen Camorra und der kalabrischen 'Ndrangheta geführt wurde.
Die Ermittlungen haben bereits vor zwei Jahren begonnen, nachdem die Schweizer Behörden einen Hinweis auf einen italienischen Staatsangehörigen erhalten hatten. Wie sich herausstellte, wusch dieser im grossen Stil Geld für die Mafia.
Im Zuge der Ermittlungen deckten die internationalen Behörden, darunter auch die Schweizer Bundesanwaltschaft, ein System für den Kokainschmuggel auf. Die Drogen kamen per Schiff aus Südamerika und wurden dann in präparierten Luxusautos versteckt transportiert.
Die Einnahmen wurden mithilfe von Firmen, gefälschten Rechnungen und Immobilieninvestitionen gewaschen.
Das Bundesamt für Polizei Fedpol führte in Graubünden und im Tessin mit der jeweiligen Kantonspolizei mehrere Hausdurchsuchungen durch. Auf Schweizer Territorium wurde jedoch niemand verhaftet.