Die Kantonspolizei Aargau hat auf Schweizer Boden ausländische Agenten abgefangen. Das sei kein Novum, sagt Kommandant Michael Leupold gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS): «In den letzten zwei Jahren gab es rund ein Dutzend Vorfälle, die wir ausländischen Diensten zugeordnet haben.»
Acht dieser zwölf Fälle werden als nachrichtendienstliche Aktivität eingestuft. «Wir gehen davon aus, dass es sich hauptsächlich um russische oder chinesische Dienste handelt», so Leupold weiter.
Im Fokus sind die kritischen Infrastrukturen des Kantons: drei der vier Kernreaktoren und das grösste Treibstofflager des Landes sowie mit dem Stern von Laufenburg ein Knotenpunkt des europäischen Stromnetzes.
Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) warnt deswegen, dass «Russland […] kritische Infrastrukturen in der Schweiz sabotieren könnte, die auch auf europäischer Ebene sehr wichtig sind – um so den Mitgliedstaaten der EU und der Nato zu schaden.»
Im Oktober 2025 wurden mehrere Drohnen über strategisch wichtigen Aargauer Standorten gesichtet. Mitte-Grossrat Daniele Mezzi hat dazu eine parlamentarische Interpellation eingereicht. Er möchte wissen, ob diese kritische Infrastruktur gut geschützt ist oder ob es eine Sicherheitslücke gibt.
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Drohnenmeldungen haben sich innert eines Jahres verdoppelt: 2025 wurden beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) 104 Überflüge im Schweizer Luftraum gezählt.
Es sei schwierig, sich dagegen zu schützen, warnt Stefan Hunziker. Er ist Drohnenspezialist und Berater für die Armee. «Es gibt kein System, das alle Drohnentypen erkennen kann. Wirklich feindliche Drohnen aus dem militärischen Bereich sind sehr schwer zu erkennen.»
Über 260 Cyberangriffe
In den vergangenen neun Monaten meldete zudem das Bundesamt für Cybersicherheit (Bacs) mehr als 260 Angriffe auf kritische Infrastruktur. Die Hackerangriffe werden gezielt gegen öffentliche Verwaltungen, Medien, Verkehrsbetriebe oder Spitäler gerichtet.
Die Gruppe «NoName 057(16)», die sich selbst als prorussisch bezeichnet, ist besonders aktiv. 2024 blockierte sie die Server von Gemeinden wie Vevey oder Siders. Anfang 2025, während des Weltwirtschaftsforums (WEF), nahm sie den Flughafen Zürich und Davos ins Visier. «Ihr Ziel ist es, zu zeigen, dass der Staat nicht in der Lage ist, sich zu verteidigen», sagt Christophe Gerber, Chef der Firma Elca Security.
Flughäfen sind gegen Drohnen fast ungeschützt, sagt der Experte:
Der NDB bestätigt den Ernst der aktuellen Lage: «Die Schweiz erlebt eine beispiellose Bedrohungsdichte. Wir sind direkt mit den Folgen eines hybriden Krieges konfrontiert. Die Operationen auf Schweizer Territorium sind vielfältig.»
Auch Denis Froidevaux, früherer Chef des kantonalen Führungsstabs des Kantons Waadt, vermutet, dass die Schweiz nicht genügend vorbereitet ist. «Wenn sich morgen ein Staat vornimmt, die Schweizer Infrastruktur lahmzulegen, kann man davon ausgehen, dass ihm das gelingen wird – zumindest teilweise.»