Der russische Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 markierte eine Zäsur: Geopolitische Unsicherheiten nehmen zu, langwährende Gewissheiten geraten ins Wanken. Seither gewinnt auch in der Schweiz Sicherheitspolitik wieder an Bedeutung.
Doch wie ist es denn um die Verteidigungsfähigkeit der Schweizer Armee bestellt? Und mit wem soll die Schweiz künftig stärker kooperieren? Das wollte Ende 2025 das Forschungsinstitut Sotomo im sogenannten Chancenbarometer von der Schweizer Bevölkerung wissen.
Wie die Umfrageresultate zeigen, findet eine grosse Mehrheit, dass die Schweiz nur bedingt für eine Welt im Umbruch gerüstet ist.
Konkret sind 73 Prozent der Befragten etwa der Ansicht, dass die Schweizer Armee nicht oder eher nicht verteidigungsfähig ist im Fall eines konventionellen Angriffs.
80 Prozent sind es gar im Fall eines hybriden Angriffs, der klassische Militäreinsätze beispielsweise mit Cyberangriffen oder Desinformation kombiniert.
«Dennoch zeigt die Umfrage auch, dass sich über 90 Prozent der Menschen zumindest eher sicher fühlen im Land», sagt der Geschäftsführer des Forschungsinstituts Sotomo, Michael Hermann. «Das hat damit zu tun, dass die allerwenigsten Angst vor einem militärischen Angriff auf die Schweiz haben.»
Man fühlt sich von Nato geschützt – so lange, bis etwas passiert.
Was heisst das nun für die Pläne von Verteidigungsminister Martin Pfister, zur Armeefinanzierung die Mehrwertsteuer befristet zu erhöhen?
Hermann sagt dazu: «Man fühlt sich von Nato geschützt – so lange, bis etwas passiert. Es gibt ohnehin Umfragen, die bei der Mehrwertsteuer auf ein Nein hindeuten.»
Anders sieht es aus bei einer weiteren sicherheitspolitischen Priorität von Bundesrat Pfister: der verstärkten militärischen Zusammenarbeit mit anderen Ländern. Da steht die Schweizer Bevölkerung hinter ihm.
Es werde klar ersichtlich, dass die Bevölkerung ein Bedürfnis nach mehr Kooperation hat, insbesondere im Bereich Sicherheit. «Da stehen die Nachbarländer, die EU und die Nato im Vordergrund. Interessanterweise wird die EU nicht nur als Wirtschaftspartner angesehen, sondern auch als Partner für Sicherheit», erläutert Hermann.
Fast drei Viertel fordern eine stärkere sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit den Nachbarländern. Mehr als die Hälfte fordert dies auch für die EU und die Nato. Zum Vergleich: Bei den USA, bei China oder Russland beispielsweise ist der Wunsch nach Distanz ungleich grösser.
Mehr Kooperation mit dem Ausland, dies ist also die Marschrichtung, wenn es nach der Bevölkerung geht.