Das Oberengadin steckt in der Klemme. Nach zwei gescheiterten Abstimmungen droht der finanzielle Kollaps des regionalen Spitals in Samedan. Wegen millionenschwerer Investitionen drückt ein Schuldenberg. Dabei ist unbestritten, dass es in der grössten Tourismusregion Graubündens ein Spital braucht.
Das Radio und Fernsehen der Rätoromanischen Schweiz (RTR) blickt in den Wochen vor den Abstimmungen hinter die Kulissen: zum Beispiel bei der entscheidenden Sitzung des Stiftungsrats, bei der sich die Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten in eine Grundsatzdebatte verstricken.
Der Dokfilm mit deutschen Untertiteln:
Die Zeit drängt. Dem Team rund um Stiftungsratspräsidentin Selina Nicolay bleibt bis zu den Abstimmungen am 4. Februar und 8. März 2026 nur wenig Zeit, um die Bevölkerung zu überzeugen.
Das sorgt für Kritik. Von einer «Politik der Angst» spricht der ehemalige BDP-Nationalrat Duri Campell. Die Gemeinden seien verpflichtet, für die Gesundheitsversorgung zu zahlen, es eile nicht. Geld sei im Oberengadin vorhanden: «Ich habe keine Angst davor, dass am 31. März beim Spital der Schlüssel umgedreht wird.»
Stiftungsratspräsidentin Selina Nicolay widerspricht: «Das ist eine Illusion. Weder die Gemeinden noch der Kanton haben eine gesetzliche Grundlage, um ohne Leistungsvereinbarungen Geld auszugeben.»
Besonders betroffen wären die Patienten. Zum Beispiel Marco Dosch aus Celerina, der dreimal pro Woche für die Dialyse ins Spital Oberengadin kommt. Was eine Schliessung des Spitals für ihn bedeuten würde? «Den Tod», sagt er. Es sei für ihn nicht vorstellbar, künftig dreimal pro Woche für die Dialyse nach Chur zu gehen. «Es ist ein Skandal, dass eine Region wie das Engadin, die Geld für alles hat, nicht in der Lage ist, ein Spital zu betreiben.»
In Sorge sind auch die Mitarbeitenden, die trotz der Ungewissheit Überstunden schieben. Während normalerweise im Oberengadin 18'000 Menschen leben, sind es in der Hochsaison rund 100'000. Zu den Patienten auf dem dem Notfall gehören dann vor allem Gäste aus dem Unterland.
Noch vor wenigen Jahren herrschte Aufbruchstimmung, war die finanzielle Lage ausgezeichnet. Das Spital wurde für 35 Millionen Franken erneuert. Doch die Einnahmen hielten mit den Investitionen nicht Schritt.
In der Folge wuchs der Schuldenberg. Weil der Kanton Graubünden sein Darlehen von zehn Millionen Franken zurückfordert und die Graubündner Kantonalbank auf eine ratenweise Rückzahlung des Kredits pocht, bedrohen die Schulden heute Stiftung und Spital.
Gab es Fehlentscheide in der Vergangenheit? Haben sich die Verantwortlichen verkalkuliert? Nein, sagt der ehemalige Stiftungsratspräsident Christian Brantschen. «Diese Investitionen wurden von Fachleuten überprüft und von den Banken genehmigt.»
Entscheidend seien die strukturellen Probleme gewesen wie bei anderen Spitälern in der Schweiz. Brantschen räumt jedoch ein, dass die Einnahmen tiefer ausgefallen seien als erwartet. Der langjährige Stiftungsratspräsident spricht sich für eine Aufarbeitung aus. Am Schluss gehe es nicht nur um das Geld, sondern auch «um das Vertrauen im Tal».