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Traditionelle Bewässerung Kampf gegen Klimaerwärmung: Wie Suonen Abhilfe schaffen könnten

Angesichts der Klimaerwärmung könnte die traditionelle Bewässerung eine nachhaltige Lösung darstellen. Das Wallis dient als Vorbild für Forschende aus der Schweiz und anderen Ländern.

Seit jeher ist Wasser kostbar und unentbehrlich. Im 15. Jahrhundert begannen die Menschen im Wallis, das Gletscherwasser für ihr Vieh und die Bewässerung von Feldern zu nutzen. Und zwar, indem sie es mittels sogenannter Suonen umleiteten. Diese Kanäle verliefen teils über Dutzende Kilometer hinweg neben Wegen, manchmal aber auch entlang steiler Felswände.

Besuch bei einer Suone

Wie das aussieht, haben vermutlich die meisten schon mal gesehen, auch wenn sie sich dessen nicht bewusst sind: Auf der aktuellen 100er-Note ist die Grosse Suone von Ayent abgebildet. «Als die Alten 1448 diese 14 Kilometer lange Suone bauten, taten sie es mit den Mitteln ihrer Zeit», erinnerte Daniel Morard, Präsident der Genossenschaft der Grossen Suone von Ayent, gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS.

Wie Suonen funktionieren

Um die Funktionsweise der Bewässerung durch die Suonen zu veranschaulichen, nimmt Jean-Joël Crettaz, Präsident der Freunde der Grossen Suone von Ayent und Spezialist für traditionelle Bewässerung, das Beispiel einer 3500 Quadratmeter grossen Wiese unterhalb der Station Anzère. Diese benötigt weder Rohre noch eine Sprinklerbewässerung. Nur das Know-how einiger weniger Personen.

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Um das Feld zu bewässern, das fünf Meter unterhalb der Suone liegt, genügt es, die Schleusen entlang des Wasserlaufs zu öffnen. «Für eine Sprinkleranlage brauchten wir eine motorgetriebene Pumpe», präzisiert Jean-Joël Crettaz. Für die Suone reicht die Schwerkraft.

Um das Wasser gleichmässig über die ganze Fläche zu verteilen, schafft er mithilfe mehrerer Abdichtungen kleine Dämme, die es umleiten. Diese Methode ermöglicht es, den Boden zehn Zentimeter tief zu durchtränken.

Das Feld als Labor unter freiem Himmel

Vor einigen Monaten kamen rund vierzig Personen, darunter mehrere Forschende, um sich die Arbeit von Jean-Joël Crettaz näher anzuschauen. Unter ihnen ein Doktorand der Universität Lausanne, der eine Dissertation über traditionelle Bewässerung in Madagaskar schreibt. Er interessiere sich für die Parallelen zu den Walliser Suonen, die er als komplexer und ausgeklügelter betrachtet.

Wanderinnen und Wanderer laufen an einer Suone vorbei.
Legende: «Es bringt uns viel mehr Biodiversität und reduziert die Hitzeinseln, besonders in der Nähe der Stadt.» Keystone

Paola Branduini, Dozentin an der Polytechnischen Hochschule Mailand, stellt ihrerseits eine Parallele zu den bewässerten Wiesen ihrer Region her. Sie erklärt, dass diese Art von System nicht nur die Grundwasserspeicher wieder auffülle: «Es bringt uns auch viel mehr Biodiversität und reduziert die Hitzeinseln, besonders in der Nähe der Stadt.»

Seit Ende 2023 gehören die traditionellen Suonen übrigens zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe.

SRF 4 News, 30.3.2026, 17:39 Uhr;liea

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