Die Armee plant, 50'000 Pistolen des Modells SIG Sauer P320 zu beschaffen, für einen Betrag von 50 Millionen Franken. Weitere zwei Tranchen sollen folgen. Und das, obwohl die Pistole beim Zielschiesstest die Tiefstnote 1 von 10 erhalten hat. Das berichtet das Newsportal «Watson».
Bei den von der Armee durchgeführten Tests sind mehrere Probleme aufgetreten: Der Verschluss schliesst sich nicht immer automatisch. Der Handgriff wird als unbequem beurteilt und verursacht bei einigen Armeeangehörigen Schmerzen im Handgelenk. Und das Visiersystem hat sich als manchmal unwirksam herausgestellt.
Reaktionen aus der Politik auf die Testergebnisse:
Diese Kritikpunkte sind nicht völlig neu. Aber dank der detaillierten Testergebnisse sind sie nun klarer ersichtlich. Und das wirft die Frage auf, wieso das amerikanische Modell zwei europäischen Konkurrenzprodukten vorgezogen wurde, darunter die österreichische Glock, die bei den Tests mit der Note 7 von 10 abgeschnitten hat.
Armasuisse relativiert Testergebnisse
Auf Anfrage präzisiert das Bundesamt für Rüstung Armasuisse, dass «diese Bewertungen auf subjektiven Kriterien wie Handhabung und Ergonomie basieren und nicht die technische Sicherheit oder die Funktionalität der Waffe widerspiegeln».
Trotz der Testresultate passe der Entscheid für die SIG Sauer in die Rüstungspolitik des Bundesrats, betont Armasuisse. Die Regierung will die Schweizer Rüstungsindustrie stärken, aus wirtschaftlichen Gründen und wegen der sicherheitspolitischen Unabhängigkeit. Die SIG-Sauer-Pistolen sollen in der Schweiz produziert werden, in einer Tochtergesellschaft des Unternehmens im Kanton Schaffhausen.
Kritik, aber auch Verständnis
In Militärkreisen gehen die Meinungen auseinander. Stefan Holenstein, Präsident des Verbands militärischer Gesellschaften Schweiz, kritisiert den Entscheid. Er fragt sich, warum das am schlechtesten bewertete Modell ausgewählt wurde, und sagt, er sei besorgt, zumal er diese Waffe selbst werde verwenden müssen.
Im Gegensatz dazu findet Alexandre Vautravers, Chefredaktor der Westschweizer Fachzeitschrift «Revue militaire suisse», den Entscheid richtig, vor allem aus strategischen Gründen.
Debatte im Parlament steht bevor
Das Parlament wird sich zu dieser Beschaffung noch äussern, im Rahmen der Armeebotschaft 2026. Das dürfte in der Sommersession der Fall sein.
Mitte-Ständerat Charles Juillard aus dem Kanton Jura relativiert die festgestellten Mängel. Sie seien bei Waffen festgestellt worden, die aus amerikanischer Produktion stammten, während die künftige Waffe der Schweizer Armee in der Schweiz produziert werde.
Wie Armasuisse gegenüber RTS bestätigt, hat SIG Sauer Anpassungen und Verbesserungen garantiert.
Auf der Seite der Linken gibt es jedoch Bedenken. Die grüne Nationalrätin Clarence Chollet aus dem Kanton Neuenburg bedauert, dass keine Klarheit darüber herrsche, welche Anpassungen das seien und wie viel sie kosten werden. Das Parlament werde das Geschäft also debattieren müssen, ohne die Details zu kennen.