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Von Covid bis Hormus Was hat die Schweiz aus Medikamenten-Lieferengpässen gelernt?

Der Iran-Krieg hat die globalen Lieferketten, darunter auch jene der Pharmaindustrie, schwer beeinträchtigt. Nutzt die Schweiz die Lehren aus ähnlichen Herausforderungen?

Die Blockade der Strasse von Hormus hat Lieferketten unterbrochen, der Transport rund eines Viertels des weltweit gehandelten Rohöls und Flüssiggases kam weitgehend zum Stillstand. In der Folge stiegen die Kraftstoffpreise drastisch.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte vor Folgewirkungen in allen Sektoren, darunter auch bei lebenswichtigen Medikamenten und anderen Gütern des täglichen Bedarfs.

In der Schweiz heisst es im jüngsten Bericht des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL), das die Versorgungslage bei lebenswichtigen Gütern wie Energie und Nahrungsmitteln überwacht, es drohten keine Versorgungsengpässe – mit Ausnahme von lebenswichtigen Arzneimitteln, Medizinprodukten und Hygieneartikeln.

Apothekerin sortiert Medikamente in Schublade.
Legende: Derzeit sind in der Schweiz rund 140 lebenswichtige Arzneimittel nicht verfügbar. Sie gehören zu einer grösseren Gruppe von über 500 verschreibungspflichtigen Medikamenten, die aufgrund der Abhängigkeit der Pharmaindustrie von nur wenigen Beschaffungsmärkten nicht erhältlich sind. Keystone / Christian Beutler

Diese Produkte wurden im BWL-Bericht vom 15. April mit einem gelben Rahmen gekennzeichnet. Das signalisiert die «eingeschränkte» Verfügbarkeit einiger wichtiger pharmazeutischer Wirkstoffe, schreibt SWI swissinfo.ch.

Massnahmen gegen Medikamentemangel

Die Schweiz ist verpflichtet, ausreichend lebenswichtige Arzneimittel wie Krebsmedikamente, Schmerzmittel und Impfstoffe für fünf bis sechs Monate zu lagern. Seit 2015 müssen Händlerinnen und Händler zudem die Behörden über drohende Engpässe bei lebenswichtigen Medikamenten informieren, die 14 Tage oder länger andauern könnten.

Eine regelmässig aktualisierte Liste von Wirkstoffen legt fest, welche Medikamente als lebenswichtig gelten, darunter befinden sich auch Insulin und Blutverdünner.

Immer wieder Engpässe bei Medikamenten

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Die Schweiz kämpft seit Beginn des 21. Jahrhunderts mit Medikamentenengpässen. Gründe dafür sind die Auslagerung kritischer Produktionsschritte in Niedriglohnländer, die starke Abhängigkeit von wenigen Produktionsstätten in Asien sowie die Reduzierung der Lagerbestände entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Trotz zusätzlicher Massnahmen seit 2006, wie etwa Gesetzesänderungen zur Verbesserung der Medikamentenversorgung von Spitälern, bedrohen globale Krisen wie die Covid-19-Pandemie oder der aktuelle Konflikt im Nahen Osten die laut BWL sowieso «fragilen und gestörten Lieferketten» systematisch.

Überarbeitetes Epidemiegesetz

Derzeit überarbeitet die Schweiz ihr Epidemiegesetz, das die Bevölkerung vor ansteckenden Krankheiten schützen soll. Ziel ist es, der Regierung mehr Handlungsspielraum zu geben.

Im Fall eines Mangels an medizinischer Ausrüstung könnte beispielsweise Bern eingreifen, anstatt sich wie bisher allein auf die Zusammenarbeit zwischen Privatwirtschaft und Kantonen zu verlassen.

Um den täglichen Engpässen bei lebenswichtigen Medikamenten entgegenzuwirken, hat die Schweiz bereits 2023 die Kostenerstattung für in Apotheken zubereitete Arzneimittel eingeführt, die Liste der lebensrettenden Medikamente erweitert und den Verkauf von Tabletten in Teilmengen genehmigt.

Zudem hat sie sich unter bestimmten Umständen bereit erklärt, auf die üblichen regelmässigen Preisreduzierungen für lebenswichtige Medikamente zu verzichten, die der Senkung der Gesundheitskosten dienen. Arzneimittelherstellern soll so ein Anreiz gegeben werden, diese Medikamente auf dem Markt verfügbar zu halten.

Welche Probleme bleiben bestehen?

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Zwar wurden Massnahmen für lebenswichtige Produkte ergriffen, doch sind die Hersteller nicht verpflichtet, Engpässe bei Medikamenten zu melden, die nicht als unverzichtbar gelten.

In der Schweiz kommt es daher regelmässig zu Engpässen bei Medikamenten gegen chronische Krankheiten, da keine Vorausplanung möglich ist.

So ist beispielsweise das Pulver Nemluvio des Schweizer Pharmaunternehmens Galderma, das zur Behandlung von schweren Ekzemen dient, seit Anfang Februar nicht mehr erhältlich. Die Behörden haben die Einfuhr eines identischen in Deutschland vertriebenen Produkts genehmigt.

Laut Enea Martinelli kommt der Plan der Regierung, die Versorgung mit Medikamenten für chronische Erkrankungen zu überwachen, etwa zehn Jahre zu spät, da dessen Umsetzung aufgrund der Schweizer Gesetze mehrere Jahre dauern wird.

Martinelli sitzt im Komitee einer Volksinitiative, die sich für eine verbesserte Arzneimittelbeschaffung einsetzt.

«Die Situation ändert sich zu schnell, als dass unser System damit Schritt halten könnte. Unser politisches System ist einfach zu langsam», sagt er.

Nach zweijähriger Forschung legte die Regierung dem Parlament im vergangenen März einen Vorschlag vor: Kurzfristig sollen Importe aus der Europäischen Union vereinfacht und die in der Schweiz vorgeschriebenen mehrsprachigen Beipackzettel in Medikamentenpackungen durch QR-Codes ersetzt werden, um den Zugang zu in der EU zugelassenen Produkten zu erleichtern.

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Bis Ende 2026 wird die Schweiz damit beginnen, alle im Land zugelassenen Arzneimittel in verschiedene Kategorien einzuteilen – und nicht mehr nur die unentbehrlichen –, um deren Verwendung festzulegen und ihre Verfügbarkeit zu verfolgen. Bis dahin bleibt Drugshortage.ch die einzige Plattform, die alle Arzneimittelengpässe erfasst.

10vor10, 4.5.2026, 21:50 Uhr; wyss

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