Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Fehlen bald Arzneien? Apotheker sorgen sich um Medikamenten-Versorgung

In der Schweiz werden bald keine Antibiotika und Infusionslösungen mehr hergestellt. Es gibt Kritik und Befürchtungen.

Der Verein der Amts- und Spitalapotheker sowie der Apothekerverband Pharmasuisse befürchten weitreichende Folgen für die Versorgungssicherheit. Dies nach der angekündigten Schliessung der Galenica-Tochterfirma Bichsel in Interlaken.

Galenica und Roche sorgen für Schlagzeilen

Box aufklappen Box zuklappen

In den vergangenen Tagen ist bekannt geworden, dass zwei grosse Pharmafirmen einzelne Produktionsbereiche in der Schweiz schliessen oder verkaufen werden: Dabei geht es einerseits um die Herstellung von Infusionslösungen, die bisher bei der Galenica-Tochterfirma Bichsel in Interlaken produziert wurden. Ausserdem will Roche seine Antibiotikafabrik in Kaiseraugst verkaufen. Dort wird das Antibiotikum Rocephin hergestellt, das Roche vor 40 Jahren eingeführt hatte.

«Im Normalfall ist es wohl kein Problem – aber im Krisenfall ist es ein grosses Risiko, wenn man zu wenige Hersteller hat», sagt Pharmasuisse-Präsidentin Martine Ruggli. Konkret heisst das: Die Schweiz wäre in einem solchen Fall noch stärker vom Ausland abhängig als sowieso schon.

Gemäss den beiden Verbänden ist Bichsel eine der wenigen Produzentinnen von Infusionslösungen in der Schweiz. Der Wegfall ihrer Produktion betreffe vor allem Spitäler.

Springen Spitäler ein für Bichsel?

Das bestätigt auch Cordula Landgraf vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung. Und sie stellt fest: «Bei Versorgungsstörungen habe Bichsel die Spitäler und Apotheken mit Sonderproduktionen unterstützt.» Es bleibe nun abzuwarten, ob Spitäler oder andere Hersteller in diese Lücke springen werden.

Wir müssen jene Produktion schützen, die sich überhaupt noch in der Schweiz befindet.
Autor: Martine Ruggli Präsidentin des Apothekerverbands Pharmasuisse

Pharmasuisse setzt sich mit anderen Verbänden für eine bessere Versorgung mit Heilmitteln ein. Präsidentin Martine Ruggli wünscht sich mehr Engagement vom Bund. Es brauche eine bessere internationale Zusammenarbeit im Arzneimittelbereich betont sie. Und: «Wir müssen jene Produktion schützen, die sich überhaupt noch in der Schweiz befindet.»

Ein freier Markt ohne Eingriffe des Bundes

In erster Linie ist allerdings die Wirtschaft zuständig für die Versorgungssicherheit. Der Bund unterstützt nur, wenn nötig. Drängt sich also ein Eingreifen des Bundes auf, wenn Pharmafirmen ihre Produktion von Infusionslösungen oder Antibiotika in der Schweiz einstellen?

Wir intervenieren nur dann, wenn die Wirtschaft die Versorgung nicht mehr selber sichern kann.
Autor: Cordula Ladgraf Bereich Heilmittel, BWL

Dazu sagt Cordula Landgraf, stellvertretende Leiterin des Bereichs Heilmittel beim Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL), dass es nicht ihre Aufgabe sei zu intervenieren, wenn die Wirtschaft unternehmerische Entscheide treffe. Sie betont: «Wir haben den Auftrag, dann zu intervenieren, wenn die Wirtschaft die Versorgung nicht mehr selber sichern kann.»

Trotzdem macht der Bund nicht nichts, um die Versorgungssicherheit zu verbessern. So entscheidet der Bundesrat in den nächsten Monaten, ob es zusätzlich weitere Massnahmen braucht.

HeuteMorgen, 26.02.2026, 6 Uhr;liea

Meistgelesene Artikel