In der Landwirtschaft des Flachlands ist die Digitalisierung bereits weit verbreitet. Künftig könnte sie auch die Alpwirtschaft und die Viehzucht im Berggebiet verändern.
Der Berner SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh, der auch Präsident der Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Vereinigung ist, hat im Juni eine Interpellation eingereicht. Diese verlangt vom Bundesrat, dass auch in der Schweiz sogenannte virtuelle Zäune zugelassen werden. In anderen europäischen Ländern ist die Technologie bereits im Einsatz.
Dabei definiert der Tierhalter einen Weideperimeter und stattet die Tiere mit GPS-Halsbändern aus, die mit einer Smartphone-App verbunden sind. Nähert sich ein Tier der virtuellen Grenze, gibt das Halsband zunächst ein akustisches Warnsignal ab. Überschreitet es die Grenze, folgt ein elektrischer Impuls. Gemäss Agroscope funktioniert die Technologie sowohl im Flachland als auch in Berggebieten.
Wandfluh hofft, dass der Bundesrat seinen Vorstoss aufnimmt und eine entsprechende Anpassung des Tierschutzgesetzes vorschlägt. «Ich hoffe, dass es dadurch künftig einfacher wird, die Tiere zu kontrollieren und zu verwalten», sagt er gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischsprachigen Schweiz (RSI). Zudem könnte die Technologie helfen, den Fachkräftemangel in der Branche abzufedern.
Das Gegenargument: Alpsaison ist zu kurz
Nicht alle teilen diesen Optimismus. Von Kandersteg, wo Wandfluh arbeitet, bis zur Alp da Buond in Graubünden gibt es Skepsis. Älpler Otmaro Beti, der in zweiter Generation auf der Alp arbeitet, zweifelt daran, dass sich die Tiere innert eines Alpsommers genügend an das System gewöhnen.
«In einer so kurzen Zeit schaffst du es nicht, alle Rinder an dieses System zu gewöhnen», sagt er. Die rund 90 Tage auf der Alp seien dafür zu kurz.
Beti lehnt technische Hilfsmittel nicht grundsätzlich ab. «Wir prüfen den Einsatz von Drohnen auf der Alp», sagt er. Dabei könnten Geolokalisierung und Wärmebildkameras eingesetzt werden.
Dennoch sei die Technologie kein Ersatz für die Präsenz auf der Weide. «Das Schöne am Berg und an der Arbeit des Hirten ist, auf die Weide hinausgehen zu können.» Technologie könne deshalb nur «eine Alternative und eine technische Unterstützung» sein – nicht aber die traditionelle Arbeit auf der Alp ersetzen.