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Einsame Zugezogene Expats fühlen sich in der Schweiz nicht willkommen

Die Schweiz zieht viele internationale Fachkräfte an. Doch mit dem Zuzug verändert sich auch so mancher Lebensbereich: In Expat-Hotspots hört man viel Englisch, bezahlbarer Wohnraum ist knapp und Kontakte zwischen Zugezogenen und Einheimischen entstehen nicht immer von selbst.

«Ich will mich integrieren, und obwohl ich es ernsthaft versuche, habe ich bisher noch keinen Weg in die Gesellschaft gefunden.» Der Satz kommt Michal Tešnar sichtlich ergriffen über die Lippen. Der 24-jährige Tscheche lebt seit eineinhalb Jahren in Zürich. Hier absolviert er einen Masterstudiengang in Data Science an der ETH und forscht in einer kleinen Firma im Bereich künstliche Intelligenz.

Person mit Brille in grauem T-Shirt in moderner Küche.
Legende: Michal hat schon in verschiedenen Ländern Europas studiert, aktuell ist er an der ETH in Zürich. SRF

Michal ist bei Weitem kein Einzelfall: Die Schweiz ist ein beliebtes Land unter Expats. Jedes Jahr kommen schätzungsweise mehrere Zehntausend internationale Fachkräfte in die Schweiz. Heute besitzt rund jede dritte erwerbstätige Person keinen Schweizer Pass. Doch vielen Expats fällt die Integration schwer, dazu später mehr.

Der Dialekt als Problem

Michal ist unterwegs zu seinem Freund Max Neuwinger. Max ist ebenfalls vor eineinhalb Jahren in die Schweiz gezogen, jedoch aus Deutschland. Kennengelernt haben sich die beiden im universitären Umfeld. Die Begrüssung wirkt vertraut. Es dauert nicht lange, bis erste, wenn auch noch etwas holprige schweizerdeutsche Wörter fallen. Michal fragt: «Max, wie goht's?» Max erwidert: «Guet, guet. Dir?» Die beiden lernen gemeinsam Schweizerdeutsch, doch ganz so einfach fällt es ihnen noch nicht.

Begriffserklärung: «Expat»

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Eine offizielle Definition für «Expat» gibt es nicht. Im Alltag versteht man darunter meist gut ausgebildete, hochqualifizierte Fachkräfte, die für einen gut bezahlten Job in die Schweiz kommen und nach einigen Jahren wieder weiterziehen. Doch die Realität ist oft komplexer: Den typischen Expat gibt es eigentlich nicht.

Der Begriff ist zudem umstritten. Kritikerinnen und Kritiker sagen, dass hinter dem Begriff eine soziale Hierarchie steckt: Menschen, die weiss sind und aus einem westlichen Land kommen, werden häufig als «Expats» bezeichnet. Personen aus dem globalen Süden hingegen werden oft Migrantinnen und Migranten genannt.

In der Deutschschweiz reicht Hochdeutsch oft nicht aus. Wer Schweizerdeutsch nicht versteht, bleibt im Alltag schnell aussen vor: Gespräche am Arbeitsplatz, spontane Witze oder Unterhaltungen in Freundesgruppen laufen häufig im Dialekt. Für Michal und viele andere Zugezogene, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, stellt das eine zusätzliche Hürde dar.

Keine Schweizer Freunde

Bei Max, in einem ruhigen Quartier am Rande von Zürich, findet heute eine kleine WG-Party statt. Alle eingeladenen Personen sind jedoch sogenannte «Internationals», wie sie sich selbst lieber nennen, und stammen aus den verschiedensten Teilen der Welt: Kasachstan, Brasilien, Rumänien, Kanada, Singapur. Das sei jedoch keine Absicht, sagt Max: «Ich habe hier gute Freunde aus aller Welt kennengelernt, aber ich habe Probleme, Menschen aus der Schweiz kennenzulernen, obwohl ich in Zürich lebe.»

Person mit schwarzen T-Shirt spricht gestikulierend mit jemandem.
Legende: Max und Michal kennen sich von der Universität. SRF

Michal und Max betonen, wie schön es sei, einen internationalen Freundeskreis zu haben. Dennoch würden sie sich auch sehr gerne mit Schweizerinnen und Schweizern anfreunden. Die Schweizer seien sehr freundlich, doch in einen Schweizer Freundeskreis hineinzukommen, sei fast unmöglich, so die beiden.

Verschlossene Schweizer?

Die Schweiz gilt international oft als Inbegriff von Sicherheit, Stabilität und hoher Lebensqualität. Doch wenn es um Offenheit und soziale Integration geht, fällt das Urteil vieler Zugewanderter deutlich nüchterner aus. Das zeigt die jährlich durchgeführte Expat-Umfrage «Expat Insider» von «Internations», in der Menschen ihre Erfahrungen in den Ländern bewerten, in denen sie leben.

Das Ergebnis für die Schweiz ist durchwachsen: In der Kategorie Gastfreundschaft landet sie lediglich auf Platz 36 von insgesamt 46 Ländern. Noch schwieriger scheint es für viele Expats zu sein, soziale Kontakte zu knüpfen und Freundschaften aufzubauen – hier reicht es nur für Platz 41.

Zwei Personen im Gespräch im Freien.
Legende: Michal schätzt die vielen Vorteile der Schweiz, bei der sozialen Integration hapert es jedoch noch. SRF

Positiver sieht es in anderen Kategorien aus: Bei der Sicherheit erreicht die Schweiz einen Spitzenplatz und liegt direkt hinter Luxemburg auf Rang zwei. Auch in den Bereichen Umwelt und Klima gehört das Land zur internationalen Spitze und belegt ebenfalls den zweiten Platz – dieses Mal hinter Schweden.

Online spürt man Gegenwind

Kritikerinnen und Kritiker an Expats verweisen häufig auf mehrere wiederkehrende Punkte. Sie bemängeln, dass sich manche Expats vor allem in internationalen Netzwerken bewegen und dadurch wenig Kontakt zur lokalen Bevölkerung haben. In Städten mit hohem Anteil internationaler Fachkräfte werden Zusammenhänge mit steigenden Mieten und der damit verbundenen Gentrifizierung diskutiert. Wie gross der tatsächliche Einfluss von Expats auf diese Entwicklungen ist, ist umstritten.

Wand mit rotem Graffiti-Schriftzug und Wellenlinie. Es steht «Weg mit de Expats»
Legende: Anti-Expat-Sprayereien nach einer Demonstration in Zürich. SRF

Im Internet verschärft sich der Ton häufig deutlich. In Kommentarspalten und sozialen Netzwerken werden dabei immer wieder ähnliche Vorwürfe laut: Expats würden von den Vorteilen des Systems profitieren, sich aber nicht ausreichend integrieren, vor allem Englisch sprechen und sich zu wenig im gesellschaftlichen Leben engagieren. Nicht selten mischen sich darunter auch offen feindselige oder hasserfüllte Kommentare.

Michal nimmt Expats in die Pflicht

Der 24-jährige Tscheche unternimmt viel, um sich zu integrieren. Er lernt Schweizerdeutsch, besucht Vereine und Orte, an denen sich häufig Schweizerinnen und Schweizer treffen, und versucht, die Kultur besser zu verstehen. So hat er sich beispielsweise mit dem Sechseläuten-Brauch vertraut gemacht. «Die Kultur und die Sprache zu verstehen, ist für mich sehr wertvoll. Ich wünsche mir manchmal, dass andere Expats diesen Effort ebenfalls erbringen würden», sagt Michal.

Seine aktuelle Situation stimmt Michal nachdenklich. Zürich gefällt ihm grundsätzlich sehr gut, doch wie lange er noch hierbleiben wird, ist offen, eine Frage, die ihn weiterhin beschäftigen wird.

«SRF Impact Reportage»

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Alle Folgen «SRF Impact Reportage» sind auf Play SRF.

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SRF 2, Impact, 10.7.2026, 23:30 Uhr

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