Sie kenne häusliche Gewalt aus dem eigenen Umfeld, sagt Ayda. «Ich weiss von meiner Mutter, dass sie häusliche Gewalt, vor allem verbale Gewalt, erlebt hat und immer noch erlebt.» Ayda ist eine von drei jungen Frauen am Gymnasium Hofwil nahe Bern, die bereit sind, über Gewalt an Frauen zu sprechen.
Die Kriminalstatistik zeigt: Es gibt immer mehr Gewaltdelikte gegen Frauen. 34 Tötungsdelikte im vergangenen Jahr ereigneten sich im häuslichen Bereich – acht mehr als im Vorjahr. Wie gehen die jungen Frauen mit solchen Fakten um und wie denken sie über Gewalt in Beziehungen?
Bei Psychischem ist der Schlussstrich.
Die Situation ihrer Mutter sei für sie das Schlimmste, sagt Ayda – und für die Mutter sowieso. In einer eigenen Beziehung hätte sie bisher keine Gewalt erfahren, sagt die Gymnasiastin. So geht es auch Clio und Selina, die ebenfalls über das Thema sprechen.
Sie seien achtsam, sagen die jungen Frauen. Bereits bei verbalen Entgleisungen würde sie Abstand suchen, sagt Selina. «Bei Psychischem ist der Schlussstrich.» Die Möglichkeit, in einer Beziehung Gewalt zu erleben, sei «sicher ein bisschen im Hinterkopf», sagt Clio.
Keine kulturellen Vorurteile
Für sie habe das keinerlei kulturelle Aspekte, sagt Clio. Natürlich sei es wichtig, sensibel gegenüber patriarchalen Strukturen zu sein, die die Frauenrechte kleinhalten würden. Denn das könne ein Faktor sein bei Gewalt an Frauen, fügt sie an.
Doch dass Männer aus bestimmten Weltgegenden gewalttätiger gegenüber Frauen seien als andere, ist für alle drei ein politisches Narrativ. Es ist kein Gedanke, mit dem sie eine Beziehung eingehen würden. «Ich achte nicht auf die Kultur», sagt Ayda. «Bei jenen Malen, wo ich von Männern und Betrunkenen blöd angesprochen wurde, waren es immer Schweizer.»
Herkunft sei kein Beziehungskriterium, der Mensch sei eines. In einer Beziehung gehe es ja um das Gute im Menschen: ums Gernhaben.