Am 14. Juni 2026 entscheidet das Schweizer Stimmvolk über zwei eidgenössische Vorlagen: Zum einen geht es um die Volksinitiative gegen eine 10-Millionen-Schweiz und zum anderen um die Änderungen beim Zivildienstgesetz.
Die Volksinitiative verlangt eine Begrenzung der Wohnbevölkerung auf maximal zehn Millionen. Die Behördenvorlage zum Zivildienstgesetz soll sicherstellen, dass der Zivildienst eine Ausnahme bleibt. Dagegen wurde das Referendum erhoben.
Initiative «Keine 10-Mio-Schweiz» auf Messers Schneide
Die Volksinitiative gegen eine 10-Millionen-Schweiz, die sogenannte Nachhaltigkeitsinitiative, startet mit einem Patt in den Abstimmungskampf. Aktuell würden 47 Prozent der Stimmberechtigten die Vorlage annehmen. Das zeigt die 1. SRG-Umfrage im Auftrag des Forschungsinstitutes GFS Bern. Genau gleich viele würden sie hingegen ablehnen. Der Abstimmungskampf spielt sich vor allem zwischen den politischen Parteien ab: Während die Zustimmung im Umfeld der SVP sehr hoch ist und eine klare Mehrheit für die Initiative stimmen will, wird sie von den Anhängerinnen und Anhängern der linken Parteien deutlich abgelehnt. Weiter spielt das Vertrauen in den Bundesrat eine Rolle. Misstrauende unterstützen die Initiative deutlich häufiger. Ausserdem tendieren Männer eher zum Ja. Dies ist auch bei Personen im mittleren Alter so.
Anders als der übliche Verlauf bei Initiativen startet diese Initiative der SVP nicht mit einem Ja-Vorteil. Der Stand entspricht nur teilweise dem üblichen Muster bei Volksinitiativen. Dies dürfte vor allem daran liegen, dass Zuwanderung und Bevölkerungsentwicklung seit Jahren politisch präsent sind. Zudem «ist es kein Tabu mehr, kritisch zur Migration zu sein», betonte Politikwissenschafter Lukas Golder von GFS Bern.
Zivildienstgesetz knapp im Ja – acht Prozent Unentschlossene
Rund sieben Wochen vor dem Abstimmungssonntag hätten 52 Prozent der Stimmberechtigten die Änderungen des Zivildienstgesetzes angenommen; 40 Prozent lehnen die Vorlage ab. Aber: Acht Prozent sind noch unentschlossen, wie die 1. SRG-Umfrage zeigt. Auch hier sind die Konfliktmuster politisch geprägt. Sympathisantinnen und Sympathisanten der SP und der Grünen lehnen die Änderungen deutlich ab. Auf der Ja-Seite sind mehrheitlich SVP-, FDP-und Mitte-Anhängerinnen und -Anhänger. GLP-affine Stimmberechtigte lehnen die Vorlage hingegen eher ab.
Bemerkenswert ist, dass regierungskritische Personen die Vorlage stärker unterstützen als Personen, die der Regierung vertrauen. Dies widerspricht dem üblichen Muster für Behördenvorlagen. Der knappe Vorsprung des Ja-Lagers bietet weiterhin Spielraum für Kampagneneffekte. Zudem ist mit einer starken Polarisierung entlang der bereits gefestigten Positionen zu rechnen.