Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Ab 30 Grad Basler Firma verkürzt bei Hitze die Arbeitstage – bei vollem Lohn

Wegen der Hitzewelle verkürzt die Allschwiler Gebäudeunterhaltsfirma Zweipack die tägliche Arbeitszeit von 8.4 auf 6 Stunden.

Steigen die Temperaturen über 30 Grad, verkürzt die Gebäudeunterhaltsfirma «Zweipack» aus Allschwil BL den Arbeitstag ihrer 17 Angestellten auf sechs Stunden.

Nach 14 Uhr wären alle erschöpft und müde. Am Ende werden die Leute noch krank, das bringt uns nichts
Autor: Mischa Blattner Geschäftsleiter Zweipack

Seit Beginn der Hitzewelle vor rund drei Wochen gilt diese Regelung beinahe durchgehend. Nur an zwei Tagen wurde laut Geschäftsleiter Mischa Blattner normal gearbeitet.

Für ihn ist klar: Arbeiten während der grössten Hitze am Nachmittag lohnt sich weder für die Mitarbeitenden noch für den Betrieb.

Drei Personen stehen in einem Türrahmen, ein Mann in einem roten T-Shirt und zwei Personen in grünen Oberteilen.
Legende: Seit die Hitzewelle in der Region Basel andauert, haben die Mitarbeitenden der Firma Zweipack früher Feierabend. Geschäftsleiter Mischa Blattner (links) wünscht sich, dass andere Firmen sich ein Vorbild an Zweipack nehmen. SRF/Simone Weber

«Die Mitarbeiter könnten gar nicht besser arbeiten. Nach 14 Uhr wären alle erschöpft und müde. Am Ende werden die Leute noch krank, das bringt uns nichts», sagt Blattner.

Person in grünem T-Shirt neben einem Lastenrad auf einer Strasse.
Legende: «Man hat keine Kraft für die Arbeit»: Erol Ramazan schätzt die verkürzten Arbeitstage während der Hitzewelle. SRF/Simone Weber

Der Arbeitstag beginnt bereits am frühen Morgen und endet meist zwischen Mittag und 13 Uhr. Wer früher fertig ist, unterstützt Kolleginnen und Kollegen, damit das ganze Team früher Feierabend machen kann. Trotz der verkürzten Arbeitszeit erhalten die Mitarbeitenden ihren vollen Lohn: Die ausfallenden Stunden werden ihnen von der Firma geschenkt.

Arbeit im Freien wird zur Belastung

Besonders betroffen von den hohen Temperaturen sind jene Mitarbeitenden, die den grössten Teil ihres Arbeitstags draussen verbringen. Dazu gehören Gartenarbeiten, technische Dienstleistungen oder Reinigungsarbeiten.

Mein Shirt war schon am frühen Morgen nass.
Autor: Jill Hirschi Mitarbeiterin Zweipack

Mitarbeiterin Jill Hirschi beschreibt die Situation so: «Die Sonne brennt draussen schon auf den Boden. Schnell hat man einen Sonnenbrand. Mein Shirt war schon am frühen Morgen nass.»

Person in grünem T-Shirt sitzt an einem Tisch mit Getränk und Telefon.
Legende: Jill Hirschi arbeitet oft im Freien. Dass sie bei grosser Hitze bereits am Mittag Feierabend machen kann, sei «ein Segen». SRF/Simone Weber

Auch ihr Kollege Erol Ramazan spürt die Auswirkungen der Hitze: «Man hat bei dieser Hitze keine Kraft für die Arbeit. Es ist nicht gut, so zu arbeiten, wenn es so heiss ist.» Dass sie am Nachmittag nicht mehr arbeiten müssen, sei deshalb eine grosse Erleichterung.

Mehr Unfälle bei hohen Temperaturen

Laut der Suva, der grössten Schweizer Unfallversicherung, steigt bei hohen Temperaturen das Unfallrisiko. Ab 30 Grad passieren ihren Daten zufolge rund sieben Prozent mehr Arbeitsunfälle. Der Körper sei stärker mit der Kühlung beschäftigt, die Konzentration leide darunter.

Arbeitgeber seien verpflichtet, ihre Angestellten vor Hitze zu schützen. Einen gesetzlichen Anspruch auf Hitzefrei gibt es jedoch nicht. Eine fixe Temperaturgrenze sei laut Experten wenig sinnvoll, da Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Art der Tätigkeit eine wichtige Rolle spielten. Ab 33 Grad gilt die höchste Warnstufe.

Nicht dringende Arbeiten werden verschoben

Für Geschäftsleiter Mischa Blattner geht die Rechnung trotz verkürzter Arbeitstage auf. Wirtschaftliche Einbussen habe das Unternehmen bisher nicht erlitten.

Wenn im Vertrag steht, dass wir zweimal im Jahr die Hecken schneiden müssen, dann müssen wir das nicht am heissesten Tag des Jahres machen.
Autor: Mischa Blattner Geschäftsleiter Zweipack

Während der Sommermonate konzentriere sich die Firma auf Arbeiten, die zwingend erledigt werden müssen – etwa die Reinigung von Treppenhäusern oder das Bewässern von Gärten.

Andere Aufgaben werden verschoben. «Wenn im Vertrag steht, dass wir zweimal im Jahr die Hecken schneiden müssen, dann müssen wir das nicht am heissesten Tag des Jahres machen», sagt Blattner.

Person in grünem T-Shirt zeigt auf eine Pinnwand mit vielen Schlüsseln.
Legende: Während der Hitzewelle erledigt Zweipack nur Arbeiten, die zwingend gemacht werden müssen. SRF/Simone Weber

Zusatzaufträge nimmt die Firma während der Hitzewelle nicht an. Die täglich ausfallenden zweieinhalb Arbeitsstunden später nachholen zu lassen, kommt für Geschäftsleiter Mischa Blattner nicht infrage. Stattdessen setzt er auf die Wertschätzung seiner Angestellten: «Die Motivation und Dankbarkeit der Mitarbeitenden sind enorm hoch. Das wird irgendwann zurückkommen.»

Rendez-vous, 15.7.2026, 12:30 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel