Steigen die Temperaturen über 30 Grad, verkürzt die Gebäudeunterhaltsfirma «Zweipack» aus Allschwil BL den Arbeitstag ihrer 17 Angestellten auf sechs Stunden.
Nach 14 Uhr wären alle erschöpft und müde. Am Ende werden die Leute noch krank, das bringt uns nichts
Seit Beginn der Hitzewelle vor rund drei Wochen gilt diese Regelung beinahe durchgehend. Nur an zwei Tagen wurde laut Geschäftsleiter Mischa Blattner normal gearbeitet.
Für ihn ist klar: Arbeiten während der grössten Hitze am Nachmittag lohnt sich weder für die Mitarbeitenden noch für den Betrieb.
«Die Mitarbeiter könnten gar nicht besser arbeiten. Nach 14 Uhr wären alle erschöpft und müde. Am Ende werden die Leute noch krank, das bringt uns nichts», sagt Blattner.
Der Arbeitstag beginnt bereits am frühen Morgen und endet meist zwischen Mittag und 13 Uhr. Wer früher fertig ist, unterstützt Kolleginnen und Kollegen, damit das ganze Team früher Feierabend machen kann. Trotz der verkürzten Arbeitszeit erhalten die Mitarbeitenden ihren vollen Lohn: Die ausfallenden Stunden werden ihnen von der Firma geschenkt.
Arbeit im Freien wird zur Belastung
Besonders betroffen von den hohen Temperaturen sind jene Mitarbeitenden, die den grössten Teil ihres Arbeitstags draussen verbringen. Dazu gehören Gartenarbeiten, technische Dienstleistungen oder Reinigungsarbeiten.
Mein Shirt war schon am frühen Morgen nass.
Mitarbeiterin Jill Hirschi beschreibt die Situation so: «Die Sonne brennt draussen schon auf den Boden. Schnell hat man einen Sonnenbrand. Mein Shirt war schon am frühen Morgen nass.»
Auch ihr Kollege Erol Ramazan spürt die Auswirkungen der Hitze: «Man hat bei dieser Hitze keine Kraft für die Arbeit. Es ist nicht gut, so zu arbeiten, wenn es so heiss ist.» Dass sie am Nachmittag nicht mehr arbeiten müssen, sei deshalb eine grosse Erleichterung.
Mehr Unfälle bei hohen Temperaturen
Laut der Suva, der grössten Schweizer Unfallversicherung, steigt bei hohen Temperaturen das Unfallrisiko. Ab 30 Grad passieren ihren Daten zufolge rund sieben Prozent mehr Arbeitsunfälle. Der Körper sei stärker mit der Kühlung beschäftigt, die Konzentration leide darunter.
Arbeitgeber seien verpflichtet, ihre Angestellten vor Hitze zu schützen. Einen gesetzlichen Anspruch auf Hitzefrei gibt es jedoch nicht. Eine fixe Temperaturgrenze sei laut Experten wenig sinnvoll, da Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Art der Tätigkeit eine wichtige Rolle spielten. Ab 33 Grad gilt die höchste Warnstufe.
Nicht dringende Arbeiten werden verschoben
Für Geschäftsleiter Mischa Blattner geht die Rechnung trotz verkürzter Arbeitstage auf. Wirtschaftliche Einbussen habe das Unternehmen bisher nicht erlitten.
Wenn im Vertrag steht, dass wir zweimal im Jahr die Hecken schneiden müssen, dann müssen wir das nicht am heissesten Tag des Jahres machen.
Während der Sommermonate konzentriere sich die Firma auf Arbeiten, die zwingend erledigt werden müssen – etwa die Reinigung von Treppenhäusern oder das Bewässern von Gärten.
Andere Aufgaben werden verschoben. «Wenn im Vertrag steht, dass wir zweimal im Jahr die Hecken schneiden müssen, dann müssen wir das nicht am heissesten Tag des Jahres machen», sagt Blattner.
Zusatzaufträge nimmt die Firma während der Hitzewelle nicht an. Die täglich ausfallenden zweieinhalb Arbeitsstunden später nachholen zu lassen, kommt für Geschäftsleiter Mischa Blattner nicht infrage. Stattdessen setzt er auf die Wertschätzung seiner Angestellten: «Die Motivation und Dankbarkeit der Mitarbeitenden sind enorm hoch. Das wird irgendwann zurückkommen.»